Handbuch 5. Auflage

1021 Methoden der Sozialen Arbeit Von Michael Galuske Einleitung Aus soziologischer Perspektive ist ein Beruf in Ab- grenzung zur unspezifischeren „Arbeit“ „die Form, in der inhaltlich besondere Fähigkeiten als Ware angeboten werden“ (Beck et al. 1980, 37). Dem- nach steigt die Chance eines Bündels an Fähigkei- ten, Fertigkeiten und Einstellungen, zum Beruf oder gar zum „gehobenen Beruf“ (Gildemeister 1996, 443), d. h. zur Profession zu werden, wenn „dieses Arbeitsvermögen Fähigkeiten enthält, die dringend nötig und unverzichtbar sind, ferner sel- ten, schwer zugänglich oder schwer ersetzbar, da- mit vor Konkurrenz möglichst geschützt und darü- ber hinaus an möglichst vielen verschiedenen Arbeitsplätzen einsetzbar“ (Beck et al. 1980, 39) ist. Zum Beruf oder gar zur Profession wird ein „Tätigkeitsbündel“ folglich nur dann geadelt, wenn es über originelle, monopolisierbare und (wie auch immer) wirksame Problemlösungen verfügt, die am Markt gefragt sind. Elementarer Bestandteil dieses exklusiven Berufswissens und -könnens ist die Verfügung über ausgewiesene fachliche Vor- gehensweisen bzw. Methoden der Problemlösung, die im Rahmen einer Ausbildung erworben werden und die das berufliche Handeln systematisch vom „Laienhandeln“ unterscheiden. Wendt (1990, 235) betont in diesem Sinne: „Methodische Kompetenz und Verberuflichung gehören zusammen. Solange wenigstens in der Arbeitsgesellschaft einen Beruf haben heißt, für bestimmte Erwerbstätigkei- ten qualifiziert zu sein, bedeutet er, über Verfahren zu ver- fügen, mit denen sich ein Produkt herstellen oder eine Dienstleistung erbringen lässt.“ Die Etablierung der sozialen Einzel(fall)hilfe, der sozialen Gruppenarbeit und der Gemeinwesenarbeit war insofern nicht weniger als der Geburtshelfer der Verberuflichung und Professionalisierung der Sozia- len Arbeit (Gildemeister 1996, 444). Angesichts dieser zentralen Bedeutung der Hand- lungsmethoden für die Verberuflichung und Pro- fessionalisierung der Sozialen Arbeit überrascht es auf den ersten Blick, dass die Geschichte der Sozia- len Arbeit begleitet wird von Klagen über den fach- lich wenig befriedigenden Stand der Methodendis- kussion. So identifizierte schon Alice Salomon (1926, 7), dass die „Ausbildung der Sozialbeamten“ an der „Kargheit der Mittel“ kranke, da sie „noch viel zu sehr auf die Erwerbung von Wissen und zu wenig auf die Erarbeitung von brauchbaren Ar- beitsmethoden eingestellt“ sei. 70 Jahre später fällt das Urteil von C.W. Müller (1998, 27) kaum er- freulicher aus: „Weil unsere Zunft es in den letzten zwei Jahrzehnten versäumt hat, Fragen der Methodenentwicklung und der Methodenlehre ernst zu nehmen und weiterzuentwickeln, stehen wir heute den vielfältigen Versuchen, Soziale Ar- beit zu deprofessionalisieren und den Sozialstaat zurück- zubauen, beklagenswert hilflos gegenüber.“ Und in der Tat ist das Verhältnis der Sozialen Ar- beit zu ihren Methoden nicht ungebrochen. Dies belegt die Geschichte der klassischen Methoden der Sozialen Arbeit und ihrer Fundamentalkritik in den 1970er Jahren ebenso wie der Umstand, dass die Methodenfrage auf der akademischen Agenda über lange Jahre eher auf den hinteren Rängen zu finden war – wenn überhaupt. Ein Hintergrund dieser weitgehenden Abstinenz ist dem Umstand zuzurechnen, dass mit der Methodenfrage in der Sozialen Arbeit nicht nur Hoffnungen, sondern auch Befürchtungen verbunden sind. Janusz Korczak (1992, 14) etwa verweist auf die seiner Meinung nach den Methoden innewohnende Ge- fahr einer routinisierten Verkürzung pädagogischer Otto/Thiersch (Hg.), Handbuch Soziale Arbeit, 5.A., DOI 10.2378/ot4a.art095, © 2011, 2015 by Ernst Reinhardt, GmbH&Co KG, Verlag, München

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