Handbuch 5. Auflage
1022 Galuske Komplexität, einer Technologisierung des pädago- gischen Bezuges. „Routine erwirbt ein gleichgülti- ger Wille, der auf der Suche nach Methoden und Methödchen ist, um die Arbeit zu erleichtern, zu vereinfachen, zu mechanisieren, um zur Arbeits- und Energieeinsparung den für sich bequemsten Weg zu finden.“ Die Kritik Korczaks verweist in modernen Begriffen gesprochen darauf, dass einer auf Technikbeherrschung verkürzten Methoden- verwendung notwendig der „sozialpädagogische Blick“ abhanden kommt, jene auf die Bedingungen des Einzelfalls ausgerichtete, fachlich fundierte, gleichwohl offene Suchhaltung gegenüber dem biographischen Eigensinn, den „Besonderheiten“ der Klienten und ihrer Lebenslage, den Eigenhei- ten ihrer Lebenswelten und ihrer sozialen Netz- werke. In diesem Sinne stand die Methodendebatte vor allem im wissenschaftlichen Diskurs lange un- ter dem Vorbehalt, „dass die Methoden und die dunklen Seiten der Sozialen Arbeit nahe beisam- men liegen“ (Winkler 1995, 135). Spätestens seit den 1990er Jahren hat sich die Auseinandersetzung mit den Handlungsmetho- den der Sozialen Arbeit allerdings von den hin- teren Rängen der Fachdiskussion verabschiedet, was sich an einer Vielzahl einführender Lehr- bücher (v. Spiegel 2004; Stimmer 2006; Michel- Schwartze 2007; Galuske 2009) ebenso ablesen lässt, wie an der Konjunktur immer neuer Pro- gramme, Konzepte, Methoden und Techniken. Vorab ist es allerdings notwendig, auf den Me- thodenbegriff und die Rahmenbedingungen me- thodischen Handelns in der Sozialen Arbeit ein- zugehen, da diese die Möglichkeiten und Grenzen methodischen Handelns in spezifischer Weise ak- zentuieren. Der Methodenbegriff in der Fachdiskussion Der Begriff Methode stammt vom griechischen „methodos“ (der Weg) und wird allgemein als das „planmäßige Verfahren zur Erreichung eines be- stimmten Ziels“ (Die Zeit 2005, Bd. 9, 525) de- finiert. Wenn von Methoden der Sozialen Arbeit die Rede ist, so geht es folglich um die planvollen, strukturierten und zielorientierten Aspekte pro- fessionellen Handelns in den Praxisfeldern der Sozialpädagogik und Sozialarbeit. Allerdings wird der Methodenbegriff in der Sozia- len Arbeit nicht einheitlich verwendet. E.J. Krauß (2006, 119) ist zu folgen, wenn er feststellt, „dass in der Sozialen Arbeit erstens weder über den Me- thodenbegriff noch zweitens über einen Metho- denkanon Konsens besteht: Was die einen als Tech- nik, im Beratungsgespräch, klassifizieren, gilt den anderen bereits als Methode.“ D. Kreft und C.W. Müller (2008, 135) sprechen mit vergleichbarer Begründung von einer „blühenden Begriffsland- schaft“. K.A. Geißler und M. Hege (1995, 22 ff.) haben den bislang tragfähigsten Versuch unter- nommen, ein begriffliches Instrumentarium zu schärfen, das den unauflösbaren Zusammenhang von Ausgangslagen, Zielen, Rahmenbedingungen, Settings und Mitteln in sozialpädagogischen Hand- lungssituationen betont. Sie unterscheiden zwi- schen Konzept, Methode und Technik: Unter Konzept verstehen die Autoren „ein Handlungs- modell, in welchem die Ziele, die Inhalte, die Me- thoden und die Verfahren in einen sinnhaften Zu- sammenhang gebracht sind. Dieser Sinn stellt sich im Ausweis der Begründung und Rechtfertigung dar“ (Geißler /Hege 1995, 23). Methoden wären nach dem Verständnis von Geißler /Hege einem Konzept unterzuordnen. „Methoden sind – formal betrachtet – (konstitutive) Teilaspekte von Kon- zepten. Die Methode ist ein vorausgedachter Plan der Vorgehensweise“ (Geißler /Hege 1995, 24). Wenn von Methoden die Rede ist, so geht es dem- nach um die konzeptionell eingebettete und be- gründete Planung des professionellen Vorgehens. Verfahren und Techniken als drittes Element einer Handlungslehre wären schließlich „Einzelelemente von Methoden. (…) Methoden und Techniken unterscheiden sich nach dem Grad ihrer Komple- xität“ (Geißler /Hege 1995, 29). Die von Geißler /Hege vorgenommene Differen- zierung ist in erster Linie eine analytische, die den Blick für die Zusammenhänge von Konzepten, Methoden und Techniken schärft. Michel- Schwartze (2007, 12) hat zu Recht darauf hinge- wiesen, dass die genaue Unterscheidung z. B. zwi- schen Konzept und Methoden nicht immer leicht ist, gleichwohl plädiert sie für einen „erweiterten Methodenbegriff, der den Übergang… an den Schnittstellen ggfs. auch als Schnittmengen tole- riert.“ Auf diesem Hintergrund kann man den Metho- denbegriff wie folgt fassen: Methoden der Sozialen
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NjM0NTA=