Handbuch 5. Auflage

Mobile Jugendarbeit 1055 Wirkungsorientierung in der Mobilen Jugendarbeit Mobile Jugendarbeit bemüht sich verstärkt, den Diskurs um ihre Wirkung durch Formen der Da- tenerhebung und Evaluation ihrer Arbeit auf- zugreifen. In einem Überblick über die empirische Forschung von 1998 bis 2008 (Buschmann 2009) werden Forschungsthemen benannt, auf die sich die empirischen Studien bezogen: Streetwork ver- sus Mobile Jugendarbeit (Krebs 2004), Zielgrup- penstudien (Bodenmüller,  / Piepel 2003), Studien zu Arbeitsformen (LAG Baden-Württemberg 2005), Bedarfen, Bedürfnissen, Leistungen (Toss- mann et al. 2007) und zur Delinquenzreduktion (Wittmann / Kampermann 2008). Wittmann und Kampermann erforschten insbesondere die Wir- kung Mobiler Jugendarbeit hinsichtlich der Re- duktion von Jugenddelinquenz und betonen als Ergebnis eine tendenzielle Ablösung und Reduk- tion von Jugenddelinquenz. Ebenfalls für Stutt- gart haben Stumpp und Üstünsöz-Beurer eine qualitativ und quantitativ angelegte Studie durch- geführt, nach der die Befragten eine besonders nachhaltige Wirkung insbesondere für ihre Per- sönlichkeitsentwicklung (implizite Effekte) und die berufliche Integration (explizite Effekte) se- hen. Beide Aspekte werden in engem Zusammen- hang gesehen: Dank der Mobilen Jugendarbeit haben die Jugendlichen mehr Selbstvertrauen, sind konfliktfähiger, haben eine größere Selbst- wirksamkeitserwartung und ein größeres Selbst- wertgefühl (Stumpp et al. 2009). Mobile Jugendarbeit im internationalen Diskurs 1983 begann mit dem ersten Symposium zur Mo- bilen Jugendarbeit am Institut für Erziehungs- wissenschaft der Universität Tübingen der inter- nationale Diskurs zum Konzept der Mobilen Jugendarbeit. 1992 nahm die International So- ciety for Mobile Youth Work (ISMO) dieses An- liegen auf und verstärkte zum einen den fachli- chen Austausch innerhalb des wiedervereinigten Deutschlands, indem sich der Verein im Rahmen des von der Bundesregierung 1991 in den fünf neuen Bundesländern aufgelegten AGAG-Pro- gramms besonders im Land Sachsen aktiv am Aufbau von Projekten der Mobilen Jugendarbeit beteiligte. Zum anderen wurden die bis zu diesem Zeitpunkt vorliegenden nationalen und interna- tionalen Wissensbestände zu diesem Integrations- konzept der Jugendsozialarbeit für junge Men- schen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten auf nationaler und internationaler Ebene im Rah- men weiterer Symposien breiter diskutiert. Beim 5. Symposium 1995 in Santiago de Chile standen auf der Tagesordnung: heftige lateinamerikanische Kontroversen zur Kooperation von Sozialarbeit und Polizei, die Kritik am Verhalten der Polizei selbst gegenüber Straßenkindern („Todesschwad- ronen“) und Kritik an der totalen Institution als Lösungskonzept für Straßenkinder. Kontakte des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche Deutschlands zur russisch-orthodoxen Kirche öff- neten für ISMO ab 1992 viele Türen in russische Einrichtungen, Soziale Dienste und totale Institu- tionen. Dies galt sowohl für kirchliche als auch für staatliche Einrichtungen. Das Interesse an dieser zwischenzeitlich interna- tional weiterentwickelten Konzeption unter staatli- chen, freien und kirchlichen Trägern war so groß, dass im Jahre 2003 ein weiteres Symposium auf dem afrikanischen Kontinent stattfand. Als ein Ergebnis dieser internationalen Konferenz stellte sich für Kenia – aber auch für viele andere afri- kanische Länder – ein vergleichsweise ähnlich star- ker Bedarf nach Qualifikation in Mobiler Jugend- arbeit wie in Osteuropa heraus. Literatur Ahrens, D. (2009): Jenseits medialer Orientierungslosigkeit. Das Verhältnis von Medien, Jugend und Raum. In: Tully, C. (Hrsg.), 27–40 BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft) Streetwork /Mobile Jugendarbeit (2007): Fachliche Standards der BAG Streetwork /Mobile Jugendarbeit. In: www.bundes­ arbeitsgemeinschaft-streetwork-mobilejugendarbeit.de, 17.04.2010 Becker, G., Simon, T. (Hrsg.) (1995): Handbuch aufsu- chende Jugend- und Sozialarbeit. Theoretische Grundla- gen, Arbeitsfelder, Praxishilfen. Juventa, Weinheim/Mün- chen

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