Handbuch 5. Auflage
1139 Organisation und Organisationsgestaltung Von Klaus Grunwald Die Dienstleistungen der Sozial- und Gesundheits- wirtschaft werden überwiegend in Organisationen erbracht. Insofern stellen Organisationen und ihre Verfasstheit eine wesentliche Rahmenbedingung für fachliches Handeln in der Sozialen Arbeit dar. Professionelles Handeln bedarf einerseits der Siche- rung und Förderung durch Organisationen, gleich- zeitig wird die Dienstleistungserbringung in der Sozialen Arbeit stark geprägt durch die formalen und informellen Seiten von Organisationen, durch Strukturen und Kulturen, durch Fragen der Mikro- politik, des Wandels in und von Organisationen sowie die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Organisation und Gesellschaft. Organisationen und ihre Gestaltung sind damit ein wichtiges Thema für Profession und Disziplin der Sozialen Arbeit. Vor diesem Hintergrund werden in diesem Beitrag zunächst verschiedene Organisationsbegriffe und ihre theoretischen Implikationen beschrieben, um dann knapp einige (neuere) Konzepte der Organi- sationssoziologie zu benennen, die die heutige Sicht auf Organisationen stark beeinflussen. Der Schwerpunkt liegt auf Grundfragen des Organisie- rens, die die vorab beschriebenen organisationsso ziologischen Konzepte aufgreifen und hinsichtlich Möglichkeiten und Grenzen der Organisations- gestaltung konkretisieren. Ein Ausblick rundet die Ausführungen ab. Vorab zu klären ist jedoch der Bezug zwischen Or- ganisation und Management als zwei Kernbegriffe, die engstens miteinander verwoben sind (ausführ- lich Grunwald / Steinbacher 2007, 14 ff.). In Ab- grenzung von Management im institutionalen Sinn – alle Personen oder Personengruppen, die Managementaufgaben wahrnehmen sowie ihre Tä- tigkeiten und Rollen – bezieht sich Management im funktionalen Sinn auf alle Aufgaben, Prozesse und Funktionen, die für die Steuerung und Leitung ar- beitsteiliger Organisationen nötig sind. Unter Ma- nagement oder Führung im funktionalen Sinn wird sowohl allgemein die Leitung und Steuerung von ganzen Unternehmen (Unternehmensführung) als auch in einem engeren Sinn die Beeinflussung und Steuerung von Personen (Personalführung) ver- standen. Die Unternehmensführung ist bestrebt, auf die Organisation als Ganzes steuernd einzuwir- ken, weswegen sie – wie in diesem Text – auch als Organisationsgestaltung bezeichnet wird. Organisa- tionsgestaltung und Personalführung sind sowohl in ihrer begrifflichen Fassung als auch ihrer Reali- sierung in der Praxis eng aufeinander bezogen, wobei der Schwerpunkt dieses Beitrages auf Orga- nisation und Organisationsgestaltung liegt. Organisationsbegriffe und ihre disziplinären Implikationen Das Phänomen der Organisation wird in der neue- ren Organisationslehre höchst unterschiedlich be- schrieben und erklärt, je nachdem, welcher organi- sationstheoretische Ansatz zugrunde gelegt wird. Eine mögliche und durchaus prominente Differen- zierung der Vielfalt der vorliegenden organisations- theoretischen Ansätze wird von Schreyögg (2008, 25 ff.) vorgenommen, wobei gegliedert wird in die klassische Organisationstheorie (Bürokratie-Ansatz, Administrativer Ansatz, Arbeitswissenschaftlicher Ansatz), die neoklassische Organisationstheorie (Human-Relations-Ansatz und Anreiz-Beitrags- Theorie) und das eher inkonsistente Ensemble mo- derner Ansätze, zu denen dann so unterschiedliche Organisationtheorien wie Human-Ressourcen-Ansatz, Strukturalistischer Ansatz, Organisatorische Entscheidungsforschung, Mikroökonomische Or- ganisationsanalyse, Systemtheoretische Ansätze und Theorieansätze der Postmoderne gezählt wer- Otto/Thiersch (Hg.), Handbuch Soziale Arbeit, 5.A., DOI 10.2378/ot4a.art104, © 2011, 2015 by Ernst Reinhardt, GmbH&Co KG, Verlag, München
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