Handbuch 5. Auflage
1140 Grunwald den (29 ff.; 2004, 1070 ff.). Diese Ansätze der klassischen, neoklassischen und modernen Orga- nisationstheorie mit ihren spezifischen Blickwin- keln, die hier aus Platzgründen nicht weiter ent- faltet werden können, konkretisieren sich in unterschiedlichen Organisationsbegriffen, dem prozessorientierten, instrumentellen und institu- tionellen Organisationsbegriff (Bea / Göbel 2006, 2 ff.; Vahs 2007, 16 ff.; Balog 2008, 276 ff.; Türk 2008, 338 ff. unterscheidet ähnlich zwischen den Dimensionen der „Ordnung“, des „Gebildes“ und der „Vergemeinschaftung“). Da diese drei Be- trachtungsweisen von Organisationen die Ent- wicklungen und Akzente der neueren Organisati- onslehre erkennbar widerspiegeln, sollen sie im Folgenden genauer erläutert werden. Der tätigkeits- oder prozessorientierte Begriff im Sinne von „organisieren“ bezieht sich auf den Prozess einer zielorientierten Strukturierung von Ganzheiten, die von bestimmten Personen vorgenommen wird: Ein Unternehmen wird organisiert. Bei diesem „Prozess des Entwerfens einer Handlungsordnung“ (Türk 1992, 1633) wird den Organisationsmitgliedern durch die Leitungsebene eine verbindliche Ordnung vorgegeben, die die „Organisatoren“ vorher rational und zielorientiert entworfen haben, während die Organisationsmitglieder – das wird voraus- gesetzt – diese Vorgaben vollständig übernehmen und sich insofern fremdorganisieren lassen. Diese Prämisse wird jedoch seit den Hawthorne-Studien massiv in Zweifel gezogen; vorgegebene formale Re- geln werden in der Praxis vielfältig unterlaufen und durch eigene Regeln teils ergänzt, teils ersetzt. Ange- sichts dieser Relativierung der formalen Ordnung durch informale organisationale Regeln wird der prozessorientierte Organisationsbegriff in der neue- ren Organisationssoziologie ausgeweitet im Sinne eines allgemeinen Prozesses der Entstehung von Ordnung. Dieser Prozess der Entstehung von Ord- nung schließt neben den traditionellen Mechanis- men der Fremdorganisation auch Elemente der Selbstorganisation durch die Organisationsmitglie- der und die selbsttätige Entstehung von Ordnung ein (Göbel 2004). Damit werden auch explizit Fra- gen des Organisationslernens angesprochen, die ge- rade in der aktuellen Situation der Sozialen Arbeit von eminenter Bedeutung sind (Grunwald 2001, 185ff.). Der instrumentelle Organisationsbegriff bezeichnet das Ergebnis des Prozesses des Organisierens: Eine Organisation hat eine Struktur und eine Ordnung, die den Rahmen für alle Tätigkeiten in der Organi- sation abgibt. Ein Beispiel für diese basalen Ord- nungen sind verschiedene Formen der Aufbau- organisation, wie sie in einem Organigramm bzw. in Stellenbeschreibungen festgehalten werden, oder unterschiedlichste Regelungen von Prozessen und Strukturen in einem einrichtungsinternen Quali- tätsmanagement (Grunwald / Steinbacher 2007, 54 ff.; Grunwald 2008b). Eine Organisation ist in diesem Verständnis, das letztlich ebenfalls auf der Grundlage des traditionellen Konzepts der Fremd- organisation beruht, „ein bewusst geschaffenes In- strument zur Erreichung der Unternehmensziele“, welches insbesondere „die Aufgabenteilung (Spe- zialisierung), die Abstimmung zwischen den Teil- aufgaben (Koordination), die Übertragung von Entscheidungsbefugnissen (Delegation) und die Über- und Unterordnung (Konfiguration) ver- bindlich festlegt“ (Bea /Göbel 2006, 5; Wöhe /Dö- ring 2008, 113). Der Fokus dieser in der (deut- schen) Betriebswirtschaftslehre bis heute stark vertretenen Sichtweise (Grunwald 2009b, 89) liegt auf der Wirtschaftlichkeit und sachlichen Logik der Aufgaben- und Funktionsteilung, womit Pro- zesse der Organisations- und Personalentwicklung in den Hintergrund rücken können (Preisendörfer 2005, 79). So wird im Standardwerk von Wöhe und Döring der Begriff der Organisation auch heute noch schlicht folgendermaßen definiert (2008, 113): „Unter Organisation versteht man das Bemühen der Un- ternehmensleitung, den komplexen Prozess betrieblicher Leistungserstellung und Leistungsverwertung so zu struk- turieren, dass die Effizienzverluste auf der Ausführungs- ebene minimiert werden.“ Der institutionelle Organisationsbegriff nimmt da- gegen das ganze System als Institution in den Blick. Unter einer Institution wird dabei ein Sys- tem von Regeln und Normen verstanden, das in seiner Verbindlichkeit sozial akzeptiert ist und eine gewisse Stabilität aufweist. Bei dieser Be- trachtungsweise geht es nicht um formale Struk- turen des Unternehmens, sondern um das ge- samte sozialeGebildemit formalen und informalen Elementen: Ein Unternehmen ist eine Organisa- tion. Die Merkmale einer Organisation im institu- tionellen Sinne sind vor allem die spezifische
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