Handbuch 5. Auflage
1191 Planung und Planungstheorie Von Franz Herrmann Zum Begriff Unter Planung wird im Allgemeinen die gedank- liche Vorwegnahme von Handlungsschritten und Mitteln verstanden, die zur Erreichung eines aus- gewählten Ziels erforderlich erscheinen. In einem umfassenderen Sinn meint Planung „den geistigen, dann auch organisatorisch und institutio- nell ausgeformten Vorgang, durch Abschätzungen, Ent- würfe und Entscheidungen festzulegen, auf welchen We- gen, mit welchen Schritten, in welcher zeitlichen und organisatorischen Abfolge, unter welchen Rahmenbedin- gungen und schließlich mit welchen Kosten und Folgen ein Ziel erreichbar erscheint“ (Meyers Lexikon online 2009). Bei diesen Abschätzungs- und Entscheidungspro- zessen wird Wissen aus der Vergangenheit (alltäg- liche Erfahrungen, empirisches Wissen etc.) ge- nutzt, um Verbindungen zwischen dem Ziel und den zur Verfügung stehenden Mitteln herzustellen. Für Planung ist also ein Denken in Ziel-Mittel-Zu- sammenhängen zentral (Ortmann 2005). Wie ver- lässlich in einem Handlungsbereich allerdings ge- plant werden kann, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit hier gesichertes Wissen über relevante Ursache-Wirkungs- bzw. Ziel-Mittel-Zusammen- hänge vorliegt und inwiefern die so ermittelten, zielorientierten Handlungen im konkreten Kon- text auch umgesetzt werden können. Durch Planung wird also versucht, Künftiges vor- herzusehen und den Weg dahin möglichst zweck- rational zu gestalten. Hierbei ist Planung allerdings in doppelter Weise mit dem Problem „Ungewiss- heit“ konfrontiert: Einerseits soll Planung ja zur Reduktion von Unsicherheit bei der Gestaltung von Zukunft dienen, andererseits steht Planung selbst vor der Unsicherheit, ob und inwiefern die eigenen geplanten Handlungen bei ihrer Umset- zung zur Erreichung des ausgewählten Ziels beitra- gen werden. „Die doppelte Konfrontation mit Un- gewissheit hat zur Folge, dass die angestrebte Rationalität des Handelns sich in erster Linie auf die Intention und weniger auf eine weitgehende Voraussagbarkeit von Wirkungen beziehen kann“ (Merchel 2005, 1364). Planung in der Sozialen Arbeit Das Problem des Umgangs mit Ungewissheit stellt sich in besonderem Maße, wenn Planung im Be- reich der Sozialen Arbeit stattfindet: Zum einen findet sich das Thema „Ungewissheit“ ■ ■ hier in der Handlungsstruktur Sozialer Arbeit, die durch ein „strukturelles Technologiedefizit“ (Luh- mann / Schorr 1982) gekennzeichnet ist: D.h., auf- grund der strukturellen Komplexität sozialer Pro- zesse ist es nicht möglich, hier generalisierbare Methoden zu entwickeln, die im Einzelfall zu vor- hersagbaren Wirkungen führen: „Selbst wenn sich ein gewünschtes Ergebnis (eine Wirkung) einstellt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob sich dieses Ergebnis aufgrund einer Intervention oder trotz dieser eingestellt hat“ (v. Spiegel 2004, 42 f.; Herv. i. O.). Bei empirischen Analysen der Wirkungen von Interventionen können zwar Wahrscheinlichkeits- zusammenhänge ermittelt werden, eine Hand- lungssicherheit im Einzelfall ist nicht erreichbar. Ein zweiter Unsicherheitsfaktor besteht darin, dass personenbezogene soziale Dienstleistungen in der Sozialen Arbeit „uno actu“ erbracht werden: D.h., Fachkräfte können ihre Angebote nicht „vorpro- duzieren“, sondern erbringen ihre Dienstleistun- gen in Ko-Produktion mit den NutzerInnen. Fach- kräfte können deshalb ihre Interventionen nicht Otto/Thiersch (Hg.), Handbuch Soziale Arbeit, 5.A., DOI 10.2378/ot4a.art109, © 2011, 2015 by Ernst Reinhardt, GmbH&Co KG, Verlag, München
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