Handbuch 5. Auflage
1192 Herrmann einseitig planen und umsetzen, sondern müssen sich in einen Verständigungsprozess mit den Nut- zerInnen begeben. Zum anderen findet Planung in der Sozialen Arbeit ■ ■ in einem institutionellen Feld statt, in dem Akteure mit unterschiedlichen Interessen und Machtres- sourcen miteinander konkurrieren (z.B. Entschei- dungsträgerInnen aus Politik und Verwaltung, Ver- treterInnen freier Träger, Fachkräfte aus der Sozialen Arbeit, AdressatInnen) und durch ihre In- teraktionen und Strategien nur begrenzt berechen- bare Prozesse auslösen, die sich sowohl auf die Gestaltung und Durchführung von Planungen wie auch auf die Umsetzung von Planungsergebnissen auswirken (z.B. Herrmann 1998, 49 ff.). Planung in der Sozialen Arbeit ist deshalb kein li- nearer Prozess der Erreichung zuvor festgelegter Ziele, sie muss vielmehr als reflexiver, zirkulärer, auf kontinuierlicher Evaluation aufbauender Pro- zess konzipiert werden, in dem es um eine Suche nach „Passung“ zwischen den Intentionen der Pla- nerInnen und anderer relevanter Akteure im jewei- ligen planerischen Kontext geht. Planung wird hier gestaltet in der Spannung zwischen zwei wider- sprüchlichen Tendenzen: „Einerseits demWissen um die begrenzte gezielte Beein- flussbarkeit sozialer Prozesse und der Erkenntnis, dass soziale Wirklichkeit durch noch so viel und differenzierte Planungsinstrumente letztlich nicht ‚in den Griff‘ zu be- kommen ist, und andererseits dem Bemühen, das vor- handene Wissen über Wahrscheinlichkeits-Zusammen- hänge und die Reflexion über wahrgenommene soziale Vorgänge zu nutzen für eine intentionale Gestaltung so- zialer Verhältnisse“ (Merchel 2005, 1365). Planerisches Handeln als eigenständiger Hand- lungsmodus findet sich in der Sozialen Arbeit auf drei verschiedenen Ebenen (v. Spiegel 2004, 119 ff.): Auf der ■ ■ kommunalen Planungsebene geht es um Prozesse der Sozialplanung im Dialog mit poli- tischen EntscheidungsträgerInnen bei der Gestal- tung einer angemessenen sozialen Infrastruktur. Planung hat hier strategischen Charakter und fällt in den Zuständigkeitsbereich der kommunalen So- zialpolitik. Hier werden Verfahren der fachlichen und fachpolitischen Willensbildung umgesetzt, bei denen Erhebungen und Bewertungen zur An- gemessenheit der vorhandenen Leistungsange- bote für bestimmte Personengruppen (z.B. Kinder, Jugendliche, Familien, alte oder behinderte Men- schen) bzw. zur künftigen Gestaltung der Infra- struktur im jeweiligen Bereich erarbeitet werden (Deutscher Verein 1986). Aufgrund der Planungs- verpflichtung im SGB VIII ist besonders im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe seit 1990 sowohl die konzeptionelle Entwicklung als auch die praktische Umsetzung der Infrastrukturplanung deutlich fort- geschritten (z.B. Pluto et al. 2007). Auch in ande- ren Arbeitsfeldern gibt es Beiträge zur Infrastruk- turplanung (für den Bereich der Altenplanung z.B. Bertelsmannstiftung 2008, VSOP 2008; für die Be- hindertenhilfe z.B. Kemper 1998), eine breitere praktische Verankerung und konzeptionelle De- batte steht hier allerdings noch aus. Im Zentrum der ■ ■ organisationsbezogenen Handlungsebene stehen die „Überprüfung und Strukturierung von Prozessen in Organisationen mit dem Ziel einer effektiven und effizienten Ge- staltung des Organisationsrahmens, innerhalb dessen die Vorgänge Sozialer Arbeit stattfinden; organisationsbezogene Planungsaktivitäten wer- den insbesondere angesprochen im Kontext von Sozialmanagement und Organisationsentwick- lung“ (Merchel 2005, 1366). Neben dem Nachweis fachlicher Kompetenz werden Institutionen seit ge- raumer verstärkt Zeit mit Kriterien betriebswirt- schaftlicher Rationalität und der Frage nach der Ef- fizienz ihrer Arbeit konfrontiert. Damit stellt sich die Herausforderung, wie diese im Spannungsfeld von Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit kompetent agie- ren und ihre Strukturen und Handlungsabläufe an- gemessen weiterentwickeln können. Hierzu gibt es in der Sozialen Arbeit eine Reihe von Methoden und Instrumenten mit unterschiedlichem Fokus: auf die Planung, Entwicklung und Überprüfung des fachlichen Profils einer Organisation im Rahmen ih- res gesetzlichen Auftrages, sozialräumlichen Kon- textes und den vorhandenen Ressourcen zielen z.B. Formen der Qualitäts- bzw. Konzeptionsentwick- lung (z.B. Merchel 2004; v. Spiegel 2004, 202 ff.). Konzeptionen haben eine Funktion nach Innen, in- dem sie den Fachkräften eine systematische Ab- stimmung und Überprüfung ihrer Arbeit ermögli- chen, aber auch nach außen im Sinne eines Leistungsversprechens der Einrichtung gegenüber Zielgruppen und Geldgebern. Für die Überwachung
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