Handbuch 5. Auflage

1254 Dewe · H.-U. Otto  der Klienten. Hierbei geht es auch immer um den Abgleich interessen- und ressourcenbedingter An- gemessenheit mit dem Klientel. Reflexivität als nicht standardisierbare, nicht-technisierbare Rela- tionalierungsleistung in einem je spezifischen Handlungsvollzug erfordert daher eine hohe fachli- che, methodische und soziale Kompetenz. Den strukturellen bzw. gesellschaftsstrukturbezo- 3. genen Qualitätsmodus, demokratische Rationalität genannt: Demokratische Rationalität als struktu- reller Qualitätsmodus ist ein Wirkmechanismus, der sich mit einem politischen Mandat der Profes- sionalität verbindet. Im Mittelpunkt stehen dabei gemeinwesenverändernde bzw. gesellschaftskriti- sche Entwicklungspotenziale im Fallbezug des Klientels in ihrer Korrespondenz zu den gegebenen bzw. nicht gegebenen gesellschaftlichen Verwirk- lichungschancen für die Reproduktion des eigenen Lebens und einer dafür notwendigen Handlungs- befähigung sowie Potenziale von gerechtigkeits- theoretischen Einforderungen in den materiellen, kulturellen und politisch-partizipativen Lebens- grundlagen. Eine derart rekonstruierte Logik reflexiver Profes- sionalität erscheint uns geeignet, angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Widrigkeiten und sozialen Begrenzungen einem konsequenten pro- fessionellen Handeln und einem damit korrespon- dierenden Berufsverständnis von Sozialer Arbeit eine Gasse zu bahnen. Literatur Abbott, A. (1988): The System of Professions. An Essay on the Division of Expert Labour. University of Chicago Press, Chicago/London Albus, S., Greschke, H., Klingler, B., Messmer, H., Micheel, H.-G., Otto, H.-U., POlutta, A. (2010): Wirkungsorien- tierte Jugendhilfe. Abschlussbericht des Bundesmodellpro- gramms „Qualifizierung der Hilfen zur Erziehung durch wirkungsorientierte Ausgestaltung der Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsvereinbarungen nach §§78aff. SGB VII“. Waxmann, Münster Beck, U. (1993): Die Erfindung des Politischen. Suhrkamp, Frankfurt/M. –, Giddens, A., Lash, S. (2007): Reflexive Modernisierung. Eine Kontroverse. Suhrkamp, Frankfurt/M. Böhm, W., Mühlbach, M., Otto, H.-U. (1989): Zur Rationa- lität der Wissensverwendung im Kontext behördlicher Sozialarbeit. In: Beck, U., Bonß, W. (Hrsg.): Weder Sozial- technologie noch Aufklärung. Suhrkamp, Frankfurt/M., 226–247 Bommes, M, Dewe, B. Radtke, F.-O. (1996): Sozialwissen- schaften und Lehramt. Der Umgang mit sozialwissen- schaftlichen Theorieangeboten in der Lehrerausbildung, Leske und Budrich, Opladen Burkart, G. (1982): Strukturtheoretische Vorüberlegungen zur Analyse universitärer Sozialisationsprozesse. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 4, 444– 468 Combe, A., Helsper, W. (2002): Professionalität. In: Otto, H.-U., Rauschenbach, T., Vogel, P. (Hrsg.): Erziehungs- wissenschaft: Professionalität und Kompetenz. 3. Band. Leske und Budrich, Opladen, 29–48 Dewe, B. (2009): Reflexive Sozialarbeit im Spannungsfeld von evidenzbasierter Praxis und demokratischer Rationali- tät – Plädoyer für die handlungslogische Entfaltung refle- xiver Professionalität. In: Becker-Lenz, R., Busse, S., Eh- lert, G., Müller, S. (Hrsg.) Professionalität in der Sozialen Arbeit. Standpunkte, Kontroversen, Perspektiven. 2.Aufl. VS, Wiesbaden, 89–109 – (2007): Reflexive Professionalität als Perspektive moderner Sozialarbeit. Sozialarbeit in Österreich (SiÖ). Zeitschrift für Soziale Arbeit, Bildung und Politik 2, 22–27 –, Ferchhoff, W., Peters, F., Stüwe, G. (1986): Professionali- sierung – Kritik – Deutung. Soziale Dienste zwischen Ver- wissenschaftlichung undWohlfahrtsstaatskrise. Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Frankfurt/M. –, Otto, H.-U. (2010): Reflexive Sozialpädagogik. Grund- strukturen eines neuen Typs dienstleistungsorientierten Professionshandelns. In: Thole, W. (Hrsg.): Grundriss So- ziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch. 2.Aufl. VS, Wiesbaden, 179–198 –, – (1996a): Zugänge zur Sozialpädagogik. reflexive Wissen- schaftstheorie und kognitive Identität. Transcript, Wein- heim/München –, – (1996b): Sozialpädagogik – Über ihren Status als Dis- ziplin und Profession. Thematische Differenzierungen, vergleichendes Beziehungsdenken und angemessene Ver- mittlungsformen. neue praxis 1, 3–16 –, Radtke, F.-O. (1993): Stellenwert und Funktion der So- zialwissenschaften bei der Innovation des Bildungssys- tem. Philosophische Fakultät, Institut für Pädagogik, Halle –, Schaeffer, D. (2006): Zur Interventionslogik von Beratung in Differenz zu Information, Aufklärung und Therapie. In: Schaeffer, D. (Hrsg.): Lehrbuch Patientenberatung. Hu- ber, Bern, 131–156 –, Wagner, H.-J. (2006): Professionalität und Identität in der Pädagogik. In: Rapold, M. (Hrsg.): Pädagogische Kompe- tenz, Identität und Professionalität. Schneider Verlag Ho- hengehren, Baltmannsweiler, 51–76

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