Handbuch 5. Auflage
Psychiatrie und Jugendhilfe 1263 Gemeinsames Fallverstehen Das Herzstück jeder gelungenen Zusammenarbeit zwischen Erziehungshilfe und Jugendpsychiatrie sind Fallkonferenzen, die möglichst frühzeitig, d. h. vor Beginn der Hilfen oder früh im Verlauf kli nischer Behandlungen abgehalten werden (Ader / Schrapper 2002; Ader 2004). Die Kliniker steuern ihre Erkenntnisse über den Patienten bei, die So zialpädagogen vergleichen diese mit dem Reper- toire verfügbarer Hilfen oder entwickeln individu- elle Lösungen. Gemeinsames Fallverstehen ist nicht das Synonym für einen fertigen Hilfeplan, sondern gibt zunächst eine Richtung vor und beschreibt den Zeitplan sowie wichtige qualifizierende Merk- male für die nachfolgenden Schritte. Die abschlie- ßende Tabelle (Tab. 1) gibt ausgewählte Beispiele für immer wieder vorkommende Entscheidungs- kriterien und Qualitätsmerkmale der Zusammen- arbeit, wenn diese mit besonders komplexen Ver- haltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen konfrontiert ist. Literatur Ader, S. (2004): „Besonders schwierige“ Kinder: Unverstan- den und instrumentalisiert. In: Fegert, J., Schrapper, C. (Hrsg.): Handbuch Jugendhilfe – Jugendpsychiatrie: Inter- disziplinäre Kooperation. Juventa, Weinheim/München, 437–447 –, Schrapper, C. (2002): Wie aus Kindern in Schwierigkeiten „schwierige Fälle“ werden. Forum Erziehungshilfen 8, 27–34 Averbeck, B., Hermans B.E. (2008): Vom Wagnis der Ko- operation zwischen Jugendhilfe und Kinder- und Jugend- psychiatrie. Zeitschrift für systemische Therapie und Bera- tung 26, 187–193 Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Ver- braucherschutz, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (2003): Kooperation von Kinder- und Jugend- psychiatrie, Jugendhilfe und Schule. In: www.berlin.de/ imperia/md/content/sen-jugend/jugendhilfeleistungen/ hilfen_zur_erziehung/kooperation_psychiatrie_jugend- hilfe_schule.pdf?start&ts=1237555, Berlin, 01.10.2009 Boomgarden, T. (Hrsg.) (2001): Flexible Erziehungshilfen im Sozialraum. Theoretische Grundlagen und praktische Er- fahrungen. Votum, Münster Darius, S., Hellwig, I., Schrapper, C. (2001): Kriseninterven- tion und Kooperation als Aufgabe von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie in Rheinland-Pfalz. Institut für sozialpä- dagogische Forschung, Mainz du Bois, R. (2005): Über das Zusammenspiel von klinischer Versorgung und Jugendhilfe – am Beispiel „schwieriger“ Patienten. In: du Bois, R., Resch, F. (Hrsg.): Klinische Psychotherapie des Jugendalters. Kohlhammer, Stuttgart, 528–543 –, Ide-Schwarz, H. (2005): Psychiatrie und Jugendhilfe. In: Thiersch, H., Otto, H.-U. (Hrsg.): Handbuch Sozialar- beit, Sozialpädagogik. Ernst Reinhardt, München/Basel, 1424–1434 Fegert, J., Roosen-Runge, G., Thoms, E., Kirsch, U., Kölch, M., Meysen T. (2008): Stellungnahme zur Eingliederungs- hilfe nach §35a SGB VIII der Kommission Jugendhilfe der kinder- und jugendpsychiatrischen Fachgesellschaften. Das Jugendamt 81, 177–192 –, Schepker, R. (2009): Alle oder keiner? Zur Bedarfslage und den Zuständigkeiten für jugendliche Suchtkranke im Sozi- alrecht. Das Jugendamt 82, 60–67 –, Ziegenhain, A., Schöllhorn, A. (2008): Guter Start ins Kinderleben. Modellprojekt BW, Rheinland-Pfalz, Bayern, Thüringen. In: www.fruehehilfen.de , 01.10.2009 Felsenweg-Institut (2009): Landesprojekt Netzwerke für Kinderschutz – „Pro Kind Sachsen“. In: www.stiftung- pro-kind.de , 01.10.2009 Fritsch, K. (2006): Kooperation von Jugendhilfe und Polizei mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie. In: Stiftung Sozi- alpädagogisches Institut Berlin (Hrsg.): Infoblatt Nr. 38. SPI, Berlin Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit (Hrsg.) (2002): Kooperation als Aufgabe zwischen Jugend- hilfe und Psychiatrie in Hessen. In: www.hessen.de/irj/ HSM_Internet?cid=8261509161c0e7855c9e827af65e1fc c, 01.10.2009 Hinte, W. (2006): Geschichte, Quellen und Prinzipien des Fachkonzepts „Sozialraumorientierung“. In: Budde, W., Früchtel, F., Hinte, W. (Hrsg.): Handbuch Sozialraumori- entierung – Wege zu einer veränderten Praxis. VS, Wiesba- den, 7–23 Jugend- und Gesundheitsministerkonferenz (1992): Jugend- hilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Gemeinsames Positionspapier der Jugendministerkonferenz und Ge- sundheitsministerkonferenz vom 21.6.1991. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 41, 106–109 Jungmann, J. (2004): Gemeinsame Fehler bei der Koopera- tion von Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie. In: Fegert, J., Schrapper, C.: Handbuch Jugendhilfe/Jugendpsychiatrie. Juventa, Weinheim/Mün- chen, 571–575 Kalter, B. (2004a): Krisenintervention und Kooperation von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie. Ergebnisse einer Auf- tragsforschung inRheinland-Pfalz. In: Schrapper, C. (Hrsg.): Sozialpädagogische Forschungspraxis –Positionen, Projekte, Perspektiven. Juventa, Weinheim/München, 39–50 – (2004b): „Verhindert Prävention Intervention?“. Ergeb- nisse einer Voruntersuchung zum Evaluationsprojekt
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