Handbuch 5. Auflage

1372 Sielert  Inzwischen wurde in zahlreichen Studien nachge- wiesen, wie bedeutsam sexualpädagogische Arbeit sein kann, um problematischen Entwicklungen von Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken (BZgA 1999a, 1999b). Da der Präventionsgedanke in den neueren Gesetzen verankert ist und die Grundlagen einer die Sexualisation betreffenden Vorbeugung von Fehlentwicklungen inzwi- schen – zumindest im Ansatz – professionell ent- wickelt sind, kann davon ausgegangen werden, dass es in Zukunft einen wachsenden Bedarf an entsprechend ausgebildeten Fachkräften geben wird. Sexualpädagogik als Aspektdisziplin der Erziehungs- wissenschaft und Profession befindet sich zurzeit noch in der Konsolidierungsphase. Seit 1998 existiert die Gesellschaft für Sexualpädagogik (GSP) mit Sitz in Kiel, die von Hochschullehrern und sexualpädago- gisch ausgebildeten Praktikern getragen wird. Die Gesellschaft fördert Veröffentlichungen, organisiert Fachtagungen, berät politische Gremien und treibt die Professionalisierung der Sexualpädagogik voran. So wird die bisher noch nicht geschützte Berufs- bezeichnung „Sexualpädagogin bzw. Sexualpäd­ agoge“ ab 2008 von der GSP mit einem Gütesiegel versehen, das nur aufgrund definierter Ausbildungs- standards vergeben wird. Neben der Forschung und Theoriebildung zu Grundsatzfragen, didaktischen und institutionellen Realisierungsformen von Se- xualpädagogik, Sexualandragogik und -gerontago- gik müssen auf dem Hintergrund neuerer Erkennt- nisse kritischer Sexualforschung die folgenden exemplarisch benannten aktuellen Diskurse einer – noch ausstehenden – wissenschaftlichen Bearbei- tung zugeführt werden: Sexualität und Gesellschaft: Was leistet Sexual- ■ ■ erziehung angesichts des empirisch dokumentier- ten Widerspruchs zwischen Erlebnishunger und Lustlosigkeit vieler Menschen? Sexualität und Anthropologie: Ist die Kultivierung ■ ■ der aggressiven Elemente des Sexuellen durch Se- xualerziehung nötig und möglich? Sexualität und Lebensweisen: Was kommt nach ■ ■ der Familie bzw. wie kann Sexualpädagogik plu- rale Formen des Intimlebens und des Zusammen- lebens mit Kindern begleiten? Sexualität, Intimität und Pädagogik: „Was macht ■ ■ die Lust, wenn die Pädagogik kommt?“ Sexualität, Geschlechtsrollen und Moraldiskurs: ■ ■ Wie wandeln sich Erotik und das Geschlechterver- hältnis bei fortschreitender Verhandlungsmoral? Sexualität und Gesundheit: Wie kann Sexualpäd■ ■ agogik die Balance zwischen Freiheit und Sicher- heit fördern? Nähe und Distanz: Welche „erotischen Gravitatio- ■ ■ nen“ sind im pädagogischen Bezug hilfreich und welche zerstören ihn? Wie ist sexuellem Miss- brauch in pädagogischen Kontexten wirkungsvoll zu begegnen? Literatur Amendt, G. (1970): Sex-Front. März, Frankfurt/M. Bach, K.R. (1969): Zur Entwicklung der Sexualpädagogik in der DDR. In: Homann, J.S.(Hrsg.): Sexuologie in der DDR. Dietz, Berlin Barkow, R. (1980): Die Sexualpädagogik von 1918–1945. (Diss.) Uni Münster Bartholomäus, W. (1993): Lust aus Liebe. Die Vielfalt sexuel- len Erlebens. Kösel, München Burchardt, E. (1999): Identität und Studium der Sexualpäd­ agogik. Theoretische Konzeptionierung und Exploration des Persönlichkeitslernens im Rahmen eines universitären Modellversuchs. Peter Lang, Frankfurt/M. BZgA – Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2005a): Wenn Teenager Eltern werden. Lebenssituation jugendlicher Schwangerer und Mütter sowie jugendlicher Paare mit Kind. Eigenverlag, Köln – (2005b): Sexualpädagogische Jungenarbeit. Eigenverlag, Köln – (2001a): Rahmencurriculum Sexualpädagogische Kom- petenz. Forschung und Praxis der Sexualaufklärung und Familienplanung Band 18. Eigenverlag, Köln – (2001b): Peer Education. Ein Handbuch für die Praxis. Eigenverlag, Köln – (2000): Sexualpädagogische Mädchenarbeit. Eigenverlag, Köln – (1999a) (Hrsg.): Wissenschaftliche Grundlagen Teil 1 – Kinder. Forschung und Praxis der Sexualaufklärung und Familienplanung Band 13.1, Eigenverlag, Köln – (1999b) (Hrsg.): Wissenschaftliche Grundlagen Teil 2 – Jugendliche, Forschung und Praxis der Sexualaufklärung und Familienplanung Band 13.2, Eigenverlag, Köln Fritz, J., Sielert, U. (2009): E-Learning und Sexualpädago- gik. Eine Expertise im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Reihe Forschung und Praxis der Sexualaufklärung und Familienplanung, Band 33. Eigenverlag der Bundeszentrale für gesundheit- liche Aufklärung, Köln

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