Handbuch 5. Auflage

1402 Beetz · Funk  Sie leben in vielen ländlichen Gebieten, weil neben der staatlichen Verteilung auch familiäre und nach- barschaftliche Netzwerke, der geringere Zugang zu hochqualifizierten Berufen, staatliche Förderungen und eine starke Wohneigentumsorientierung sie dorthin geführt haben. So wurden auch Standorte auf ehemaligen Militär- und Gewerbeflächen zur Unterbringung von Zuwanderern genutzt. Der weitere Verbleib der Migranten hängt maßgeblich von den Erwerbsmöglichkeiten ab (Brunner et al. 1998). Die berufliche und soziale Integration von Zuwanderern ist auf dem Land oft unzureichend, Konflikte zeigen sich insbesondere zwischen ju- gendlichen Aussiedlern und gleichaltrigen „Einhei- mischen“. Sich zuspitzende soziale Abschottungen und berufliche Dequalifizierungen stellen eine wichtige Herausforderung für Soziale Arbeit dar. Für das Handlungsfeld Soziale Arbeit mit Älteren ist maßgebend, dass sich die Lebensbedingungen Älterer deutlich verändert haben (Schweppe 2000; Fischer 2005; Walter / Altgeld 2000). Zum einen entwickelte sich das Alter biographisch zu einer Phase des Ruhestandes, d. h. es wird nicht mehr bis an das Lebensende gearbeitet, wie es für die land- wirtschaftliche Arbeitsverfassung typisch war. Zum anderen wird die Unterstützung von Älteren nicht allein in den Familien erbracht, was zu einer Pro- fessionalisierung in den Pflegeleistungen führt. In den Privathaushalten wird eher selbst gepflegt, wenn professionelle Pflegeleistungen als negativ bewertet werden, die pflegende Generation nicht erwerbstätig ist und das Haushaltsbudget dadurch deutlich aufgebessert wird. Die auf Grund der Multimorbidität des (hohen) Alters wichtige ärztliche Versorgung sowie die dif- ferenzierte Ausgestaltung von betreuten Wohnfor- men und Pflegeplätzen stellt in vielen ländlichen Regionen ein Problem dar, weil grundlegende An- gebote in zumutbarer Entfernung nicht erreichbar sind. Wichtig ist es, komplementäre Angebote und Abstufungen zu entwickeln wie beispielsweise in den Modellprojekten zur Gemeindeschwester. De- fizite in der infrastrukturellen Ausstattung ländli- cher Räume wirken umso gravierender, weil viele alte Menschen auf das Angebot vor Ort angewiesen sind. Wenn die Unterversorgung mit Geschäften und Dienstleistungen besonders hoch ist, steigen wiederum die Mobilitätsanforderungen. Es steht also an, die Besonderheiten des Landes in moderne und plurale Lebensformen zu übersetzen, d. h. auch der Ausdifferenzierung von Lebenslagen und Lebensformen im Alter mehr Beachtung zu schen- ken. Untersuchungen in ländlichen Gemeinden zeigen, dass die Probleme älterer Bewohner oft ignoriert oder bagatellisiert werden, auch wenn deren Lebenssituation angespannt ist (Fischer 2005). Die Öffnung der gängigen Altenhilfepla- nung zu einer kommunalen alternssensiblen Ent- wicklung der Daseinsvorsorge beinhaltet, Bereichs- planungen besser zu koordinieren, öffentliche Beteiligung zu unterstützen und die Lebensvorstel- lungen der (zukünftig) Älteren zu eruieren (Beetz 2009). Es erweist sich als sinnvoll, diese Prozesse nicht allein dem Pflegemarkt zu überlassen, son- dern sie durch kommunale oder / und externe Ak- teure zu begleiten. Grundsätzlich sollte für Soziale Arbeit in ländli- chen Räumen eine Doppelstrategie gelten: Einer- seits ist die Professionalisierung in den Handlungs- feldern zu stärken, andererseits ist eine kritische Distanz zur Professionalisierung erforderlich. Denn es gilt, die eigenständige Wahrnehmung der Ziel- gruppen in ihrem jeweiligen sozialen Raum, ihre Gefährdungen und die sich daraus entwickelnden Aktivitäten zu sehen und in die Praxis einzubezie- hen. Literatur Arnold, H. (2005): Beschäftigungsentwicklung im ländlichen Raum. In: Arnold, H. Böhnisch, L., Schöer, W.(Hrsg.): Sozialpädagogische Beschäftigungsförderung. Juventa, Weinheim/München, 295–262 Bade, F.-J. (1997): Zu den wirtschaftlichen Chancen und Risiken der ländlichen Räume. Raumforschung und Raumordnung 4/5, 247–259 Barlösius, E., Beetz, S., Neu, C. (2008): Lebensqualität und Infrastruktur. In: Hüttl, R.F., Bens, O., Plieninger, T. (Hrsg.): Zur Zukunft ländlicher Räume. Akademie Verlag, Berlin, 328–353 Beetz, S. (2009): Regionale Dimensionen des Alterns und der Umbau der kommunalen Daseinsvorsorge. Entwicklungen am Beispiel der ländlichen Räume. In: Neu, C. (Hrsg.): Daseinsvorsorge. Eine gesellschaftswissenschaftliche Annä- herung. VS, Wiesbaden, 114–132 – (2008): Peripherisierung als räumliche Organisation sozia- ler Ungleichheit. In: Materialien Nr. 21 der IAG Land

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