Handbuch 5. Auflage

1451 Soziale Arbeit in Österreich Von Josef Scheipl Begrifflichkeit und aktuelle Ausbildung Die derzeit in Österreich verwendeten Begriffe „Sozialpädagogik“, „Sozialarbeit“ und „Soziale Arbeit“ sind eng mit der Entwicklung der Aus- bildung verbunden. Der Begriff „Sozialpädago- gik“ findet sich seit Ende der 1970er Jahre zu- nächst anmehrerenUniversitäten zur Bezeichnung von Schwerpunktbereichen im Rahmen des erzie- hungswissenschaftlichen Diplomstudiums. Die Umstellung auf Bakkalaureats- / Bachelor- und Masterstudiengänge führte zur Einrichtung von einschlägigen viersemestrigen Masterprogrammen an den Universitäten in Graz (seit 2006 / 07: „So- zialpädagogik“) und in Klagenfurt (seit 2009 / 10: „Sozial- und Integrationspädagogik“). Auf tertiä- rer Ebene (Fachhochschulniveau) befindet sich seit 2001 auch die Ausbildung der Sozialarbei- ter(innen). Mit der Orientierung der Fachhoch- schulausbildung an der Bologna-Vorgabe (ab 2006) etablierte sich bei Ablösung des Begriffs „Sozialarbeit“ dort durchgängig die Bezeichnung „Soziale Arbeit“. Auf dem Level der Sekundarstufe II (ab der 9. Schulstufe) finden sich die 5-jährigen Bildungs- anstalten für „Sozialpädagogik“ (bis 1993: für „Er- zieherbildung“) und für „Kindergartenpädagogik“. Sie schließen mit einer Reife- und Diplomprüfung. Die berufsbildende Qualifikation für die Diplom- prüfung kann nach einer Reifeprüfung auch über die Absolvierung von 4-semestrigen Kollegs erwor- ben werden. Seit Mitte des Jahrzehnts etabliert man überdies im Rahmen von 5-jährigen Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe die Aus- bildungsschwerpunkte bzw. –zweige für „Soziales“ (3-jährig) bzw. für „Sozialmanagement“ (5-jährig). Neben 2- bzw. 3-jährigen berufsvorbereitenden Schulen (für Sozialdienste / Sozialberufe) vermitteln die 3-jährigen Schulen für Sozialbetreuungsberufe Berufsausbildung auf Fach- bzw. Diplomniveau (Altenarbeit, Behindertenarbeit, Behindertenbe­ gleitung; Familienarbeit – nur Diplom). Absolvent(inn)en von unterschiedlichen Ausbildungsgängen sind in den einzelnen Handlungsfeldern aber durch- aus vermischt tätig – ausgenommen die behördliche Sozialarbeit. Traditionen und theoretische Ansätze Zurzeit bezieht man sich in Österreich im We- sentlichen auf theoretische Modelle, die in der Bundesrepublik Deutschland diskutiert wer- den – z. B. Lebensweltorientierung und Lebens- bewältigung. Aber auch „klassische“ Ansätze wie jene von Natorp, Nohl oder A. Salomon, die in Deutschland entwickelt wurden, sind in Öster- reich durchgängig präsent. Die Beiträge aus Österreich zur Theorieentwicklung bleiben hin- gegen oft unbekannt. Sie beziehen sich schwer- punktmäßig auf die 1920er Jahre und blieben damals regional weitgehend auf Wien begrenzt. Neben Vorläuferentwicklungen im Bereich der Fürsorgeerziehung (z. B. Umbenennungen von „Besserungsanstalten“ in „Erziehungsheime“) und der Forcierung des Hort- und Kindergartenaus- baus um die Wende zum 20. Jahrhundert (Engel- brecht 1986) lassen sich die beiden Kinderschutz- kongresse (KSK) (1907 inWien, 1913 in Salzburg) als politische und inhaltliche Meilensteine für ei- nen sozialpädagogischen Aufbruch in Österreich bewerten. Durch umfassende empirische Erhe- bungen in den Kronländern der Monarchie vor- bereitet, formulierte man das politische Bekennt- nis, Otto/Thiersch (Hg.), Handbuch Soziale Arbeit, 5.A., DOI 10.2378/ot4a.art136, © 2011, 2015 by Ernst Reinhardt, GmbH&Co KG, Verlag, München

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