Handbuch 5. Auflage
1456 Scheipl Bereich der JW etwa sind statistische Daten kaum vorhanden und teilweise unrichtig; behördliche In- strumente – z.B. zur Budgetentwicklung – sind un- differenziert und überholt (Zoller-Mathies/Putzhu- ber 2008). Die o.a. gravierenden Diskrepanzen in den JW-Leistungen der Bundesländer sind neben länderspezifischen Vergabepraxen vermutlich auf unklare Leistungsdefinitionen zurückzuführen. Dies lässt sich u.a. auch als Ausdruck einer bis in die jüngste Zeit reichenden unzureichenden For- schungsorientierung interpretieren. Als exemplarisch dafür mag die fehlende Begleitforschung des er- wähnten Reformprojekts „Heim 2000“ in Wien gelten. Bezüglich der JA ist die Datenlage mit eini- gen bundesländerbezogenen und sechs übergreifen- den Jugendberichten der Bundesregierung (1988; 1994; 1999; 2003; 2007; 2010) auch nicht über- wältigend. Nennenswert ist die letzte Jugendwerte- studie (Friesl et al. 2008), die Werte und Lebensein- stellungen junger Menschen im Zeitvergleich von 1990 bis 2006 analysiert. Trotz der schwierigen Ausgangslage lassen sich zu- nehmend bedeutsame Forschungsleistungen auf- zeigen. Aktuell zu nennen sind neben den o. g. Forschungsarbeiten zur Arbeitsmarktintegration und zu den Schnittflächen von Schule und Sozialer Arbeit solche zur Ehrenamtlichkeit (Bundesminis- terium für Arbeit, Soziales und Konsumenten- schutz 2009), zu Jugend und Gesundheit (Sting 2008), aber auch zur Auseinandersetzung mit der Ausbildungssituation an den Fachhochschulen (Riegler et al. 2009). Die politikrelevante Umset- zung und Erforschung von soziokulturellen Pro- jekten (Wrentschur 2009) soll nicht unerwähnt bleiben. Überdies zeichnen Arbeiten zu den Struk- turen Sozialer Arbeit das aktuelle Erscheinungsbild der Sozialen Arbeit in Österreich ziemlich umfas- send (Heimgartner 2009; Scheipl 2003, 2007). Um die erreichten Standards zu verbessern, wäre der Aufbau einer entsprechenden Forschungsinfra- struktur – u. a. ein zentrales Institut für JW-For- schung – hilfreich. Von sozialpolitischer Seite wäre mittelfristig eine progressive Regelung der ein- schlägigen gesetzlichen Materien notwendig. Eine solche Regelung müsste nach bisherigen Erfahrun- gen den bislang einengenden Föderalismus kon- struktiv weiterentwickeln. Literatur Adam, E. (1999): August Aichhorn. In: Colla, H.E., Gabriel, Th., Millham, S., Müller-Teusler, St., Winkler, M. (Hrsg.), 265–274 Arlt, I. (1958): Wege zu einer Fürsorgewissenschaft. Notring der wissenschaftlichen Verbände Österreichs, Wien Bacher, J., Dreher, E., Sting, St. (Hrsg.) (2010): 6. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich, i.E. Bakic, J., Diebäcker, M., Hammer, E. (2007): Wiener Erklä- rung zur Ökonomisierung und Fachlichkeit in der Sozialen Arbeit. In: www.sozialearbeit.at/petition.php, 04.06.2007 Barth, D. (2009): Psychoanalyse und Gemeinschaftserzie- hung in Bernfelds Bericht über das Kinderheim „Baum- garten“. Zeitschrift für Sozialpädagogik 2, 171–202 Berger, E. (Hrsg.) (2007): Verfolgte Kindheit. Böhlau, Wien Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumenten- schutz (BMASK) (Hrsg.) (2009): Freiwilliges Engagement in Österreich. Eigenverlag, Wien Colla, H.E., Gabriel, Th., Millham, S., Müller-Teusler, St., Winkler, M. (Hrsg.) (1999): Handbuch Heimerziehung und Pflegekinderwesen in Europa. Luchterhand, Neuwied Datler, W., Gstach, J., Wittenberg, L. (2001): Individualpsy- chologische Erziehungsberatung und Schulpädagogik im Roten Wien der Zwischenkriegszeit. In: Zwiauer, Ch., Ei- chelberger, H. (Hrsg.): Das Kind ist entdeckt. Picus, Wien, 227–269 Engelbrecht, H. (1986): Geschichte des österreichischen Bil- dungswesens. Bd. 4. ÖBV, Wien Fatke, R. (1999): Erziehung im therapeutischen Milieu – der Beitrag Fritz Redls. In: Colla, H. E., Gabriel, Th., Millham, S., Müller-Teusler, St., Winkler, M. (Hrsg.), 243–254 Friesl, Chr., Kromer, J., Polak, R. (2008): Lieben, Leisten, Hoffen. Czernin, Wien Gspurning, W., Heimgartner, A., Leitner, S., Sting, S. (2010): Soziale Qualität von Nachmittagsbetreuung und Horten. Lit, Wien Heimgartner, A. (2009): Komponenten einer prospektiven Entwicklung der Sozialen Arbeit. Lit, Wien Hovorka, H., Redl, L. (1987): Ein Stadtviertel verändert sich. Bevölkerungsaktivierende Stadtteilerneuerung. ÖBV, Wien Jesionek, U. (2000): Das österreichische Jugendgerichtsgesetz. Juridica, Wien Kappeler, M. (2000): Der schreckliche Traum vom vollkom- menen Menschen. Rassenhygiene und Eugenik in der So- zialen Arbeit. Schüren, Marburg Kinderschutzkongress (1907): Schriften des Ersten Kinder- schutzkongresses in Wien. K. k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NjM0NTA=