Handbuch 5. Auflage
Soziale Arbeit in Österreich 1455 Weitere Handlungsfelder der Sozialen Arbeit Es bilden sich zunehmend Schnittflächen zur Schule heraus – Vermehrung der Hortangebote; Angebote zur schulischen Nachmittagsbetreuung; Ausbau der Schulsozialarbeit; Schulabsentismus u. a. (Gspurning et al. 2010; Knapp / Lauermann 2007; Kittl-Satran 2006). Darüber hinaus sind der Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt, be- sonders aber auch die Transitionsproblematik und der zweite Arbeitsmarkt für Jugendliche ein merk- barer Arbeitsbereich für Soziale Arbeit (Oehme et al. 2007). Die bislang unzureichende Zusammen- arbeit von JW und Kinder- und Jugendpsychiatrie befindet sich in einer Aufbruchstimmung (Möstl 2009). Ein traditionelles Handlungsfeld stellt die Arbeit mit straffällig gewordenen Menschen im Rahmen der justiziellen Straffälligenhilfe dar (z. B. Gerichtshilfe, Bewährungshilfe; 1969: Bewährungs- hilfegesetz). Die justizielle Straffälligenhilfe erhielt einen wichtigen Anstoß durch die Einführung von Diversionsmaßnahmen (u. a. Außergerichtlicher Tatausgleich) zunächst im 2. Jugendgerichtsgesetz (BGBl. 599 / 1988; Jesionek 2000), dann im Er- wachsenenstrafrecht im Jahr 2000 (Strafprozessno- velle 1999). Seit dem Jahr 2002 wird diese Arbeit im Rahmen des privaten Vereins Neustart (www. neustart.at ) geleistet und vor allem vom Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie /Wien entspre- chend untersucht. Angesichts des demografischen Wandels ist die Soziale Arbeit mit migrationsbezo- genen / interkulturellen Herausforderungen kon- frontiert. Die dafür spezialisierten Einrichtungen sind in der Regel Non-Profit-Einrichtungen. Die Arbeit mit Asylbewerber(inne)n leisten zum größ- ten Teil kirchennahe Träger (Caritas, Diakonie) (Sprung 2009). Dem demografischen Wandel ist auch die Soziale Arbeit für /mit ältere / n Menschen geschuldet. Die gesetzliche Grundlage bilden die unterschiedlichen Sozialhilfegesetze der Bundes- länder (Kittl-Satran / Simon 2010). Ferner zählen Soziale Arbeit in Krankenanstalten /Krankenhäu- sern, Sachwalterschaft, Schuldner- und Drogenbe- ratung, Arbeit mit Wohnungslosen u. v.m. zu den aktuellen Handlungsfeldern. Aktuelle Diskurse Selbstverständlich wird die Arbeit in den Hand- lungsfeldern durch eine mehr oder weniger deut- liche Anbindung an (internationale) Diskurse beeinflusst. So finden sich Bezugnahmen auf das Konzept der Lebensweltorientierung – einerseits dient es zunächst der nachträglichen theoretischen Begründung für die Heimreformen zu Beginn der 1990er Jahre, andererseits als Antriebskraft zu weiteren Reformen in den Bereichen Sozialer Ar- beit. Originelle Ansätze um das Modell der Sozi- alraumorientierung finden sich schon in den 1980er Jahren (Hovorka / Redl 1987). Im Zu- sammenhang mit der Intensivierung dieses Dis- kurses in Deutschland werden sie erneut und konkret (Sing / Heimgartner 2009; Krisch 2009, Stoik 2008) aufgegriffen. Die Bezugnahme auf den Dienstleistungsdiskurs fördert in den 1990er Jahren zunächst das Bewusst- sein für Transparenz hinsichtlich der Kosten und Leistungen (Scheipl 2001). Die weiteren Initiati- ven zur Qualitätsentwicklung lassen sich v. a. auf zwei Ebenen erkennen: Die Allianz von Manage- mentorientierung führt im Zuge der Verwaltungs- ökonomisierung und der Durchsetzung neolibera- ler Marktwirtschaft zu „Normkostenmodellen“ als relativ rigide Kataloge mit detaillierten Beschrei- bungen von einzelnen Dienstleistungen. Einen kritischen Aufruf gegen Tendenzen neoliberaler Ökonomisierung formuliert man in der „Wiener Erklärung“ (Bakic et al. 2007). Auf sozialpolitischer Ebene bewegt der aktuelle Armutsdiskurs nachdrücklich Handlungskonzepte und Diskussionen (Knapp / Pichler 2008). Diese Beispiele mögen signalisieren, dass die Soziale Arbeit in Österreich spätestens seit Mitte der 1990er Jahre wieder an die theoretischen Diskurse der So- zialen Arbeit angebunden ist. Eine Themenführer- schaft vermag sie allerdings nicht zu übernehmen. Dazu bietet die Forschungslandschaft zu wenig be- friedigende Bedingungen. So ist etwa das Zeitschrif- tenangebot sehr schmal. Erst die 2008 auf FH-Ini- tiative gegründete Onlinezeitschrift „Soziales Kapital“ sieht ein Reviewverfahren vor. Beachtens- wert ist die von Gerald Knapp herausgegebene Buchreihe „Studien zur Sozialpädagogik“, die in mittlerweile neun Bänden eine Fülle von Beiträgen vornehmlich österreichischer Autor(inn)en versam- melt. Darüber hinaus ist die Datenlage schlecht: Im
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