Handbuch 5. Auflage

1582 Sommerfeld  Zusammenspiel von gesellschaftlichen und orga- nisatorischen Bedingungen, dem lebensweltlichen Eigensinn und professionellem Handeln? Welche Formen des professionellen Handels erweisen sich als hilfreich oder schädlich? Dass sich drei unter- schiedliche Zugänge rund um diese Kernfragen gebildet haben, die jeweils das Potenzial haben, eine eigene Forschungstradition zu bilden, ist ein sehr starker Indikator dafür, dass die Soziale Ar- beit tatsächlich über den Take-Off hinausgekom- men ist und darüber hinaus auf einem guten Weg ist, eine vollständige Wissenschaft zu werden, in der Theoriebildung ebenso selbstverständlich mit empirischer Forschung verknüpft ist, wie inner- halb der Profession insgesamt der Wert einer gesi- cherten Wissensbasis, die nur über den Weg der Forschung zu haben ist, steigen wird. Schließlich zeigt sich die derzeitige Lebendigkeit der Forschung der Sozialen Arbeit auch in Diskur- sen zur Forschungsmethodologie wie z. B. zur eth- nografischen Forschung (Hünersdorf et al. 2008), zu Evaluationsmethoden (Widmer et al. 2008) oder zur Biografieforschung (Felden 2008). Diese sind wichtig für die Entwicklung des Faches (Dis- kurs über Angemessenheit) und die Kompetenz- bildung der beteiligten ForscherInnen. Kurzum: Neben der Konsolidierung forschungs- bezogener Theoriebildung, wie sie in Bezug auf die Arbeitsfelder und die Wirksamkeit / die Nutzung der Sozialen Arbeit skizziert wurde, wird vieles da- von abhängen, ob die für die Bearbeitung der Menge an offenen Forschungsfragen notwendigen Ressourcen erschlossen werden können. Dabei spielt die Forschungsförderung natürlich eine wichtige Rolle. Der Boom der Forschung an den Schweizer Hochschulen für Soziale Arbeit hängt sehr eng mit einer intelligenten Forschungsför- derung durch den Schweizer Nationalfonds zu- sammen. Wenn die Praxis die Ressourcen, die sie aktuell in lokale Datenerhebungen investiert, in die Forschung der Sozialen Arbeit investieren würde, dann wären wir einen großen Schritt weiter. Dafür müsste sich die Forschung aber auch in der Praxis als nützlich erweisen bzw. müsste sie dort als nützlich kodiert werden. Literatur Abbott, A. (1988): The System of Professions. An Essay on the Division of Expert Labor. The University of Chicago Press, Chicago/London Argyris, Ch., Putnam, R., McLain Smith, D. (1990): Action Science. Jossey-Bass, London/San Francisco Bitzan, M., Bolay, E., Thiersch, H. (Hrsg.) (2006a): Die Stimme der Adressaten. Empirische Forschung über Er- fahrungen von Mädchen und Jungen mit der Jugendhilfe. Juventa, Weinheim/München –, –, – (2006b): Die Stimme der AdressatInnen. Biographi- sche Zugänge in den Ambivalenzen der Jugendhilfe. In: Bitzan, M., Bolay, E., Thiersch, H. (Hrsg.): Die Stimme der AdressatInnen. Juventa, Weinheim/München, 257– 288 Bryderup, I.M. (Hrsg.) (2008): Evidence Based and Knowledge Based Social Work – Research Methods and Approaches in Social Work Research. Aarhus University Press, Aarhus Bunge, M. (1985): Philosophy of Science and Technology. Treatise on Basic Philosophy. D. Reidel, Dordrecht/Bos- ton/Lancaster Cleppien, G., Hamburger, F. (2008): Anwendungsbezogene Forschung. In: Bielefelder Arbeitsgruppe 8 (Hrsg.): Soziale Arbeit in Gesellschaft. VS Verlag, Wiesbaden, 72–77 Felden, H.v. (Hrsg.) (2008): Perspektiven erziehungswissen- schaftlicher Biographieforschung. VS Verlag, Wiesbaden Flösser, G. (1994): Soziale Arbeit jenseits der Bürokratie. Luchterhand, Neuwied Freud, S. (1972): Abriss der Psychoanalyse – das Unbehagen in der Kultur. Fischer, Frankfurt/M. Gahleitner, S.B., Gerull, S., Lange, C., Schambach-Hardtke, L., Ituarte, B.P., Streblow, C. (Hrsg.) (2008): Sozialarbeits- wissenschaftliche Forschung. Einblicke in aktuelle The- men. Budrich Unipress, Opladen/Farmington Hills Gibbons, M., Limoges, C., Nowotny, H., Schwartzman, S., Scott, P., Trow, M. (1994): The New Production of Knowledge. The Dynamics of Science and Research in Contemporary Societies. Sage Publications, Lon- don/Thousand Oaks/New Dehli Gredig, D., Sommerfeld, P. (2008): New Proposals for Gene- rating and Exploiting Solution-Oriented Knowledge. Re- search on Social Work Practice 18, 292–300 Hamburger, F. (2005): Forschung und Praxis. In: Schweppe, C., Thole, W. (Hrsg.): Sozialpädagogik als forschende Dis- ziplin. Juventa, Weinheim/München, 35–48 Hampe, M. (2006): Erkenntnis und Praxis. Zur Philosophie des Pragmatismus. Suhrkamp, Frankfurt/M. Hornstein, W. (1998): Erziehungswissenschaftliche For- schung und Sozialpädagogik. In: Rauschenbach, T., Thole, W. (Hrsg.): Sozialpädagogische Forschung. Juventa, Wein- heim/München, 47–80 Hünersdorf, B., Maeder, Ch., Müller, B. (Hrsg.) (2008):

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