Handbuch 5. Auflage

Sozialpädagogische Forschung 1581 „Knowledge-Based Social Work“ (Bryderup 2008). Dies ist für die Forschung der Sozialen Arbeit des- halb entscheidend, weil damit wiederum ein Sti- mulus für die bereichsspezifische Theoriebildung mit hoher Bedeutsamkeit für die Praxis und mit einer starken Betonung auf Zweck-Mittel-Wissen einhergeht. „Die realistische Wirkungsforschung – (…) – liefert eine Wissensbasis für eine alternative Form der Wirkungsorien- tierung: eine, die nicht darauf hinausläuft, Praxis anzulei- ten, sondern empirisch fundierte Wissensgrundlagen bzw. Theorien (mittlerer Reichweite) über Wirkungszusammen- hänge herauszuarbeiten. Die realistische Wirkungsfor- schung – die ihre erkenntnistheoretische Grundlage nicht im hypothesenprüfenden, kritischen Rationalismus, son- dern im so genannten „critical realism“ (Pawson 2006) findet – liefert demnach die Grundlage für eine „Wir- kungsorientierung“ im Kontext möglichst professionell gesteuerter Organisationen“ (Otto 2007, 66). Diese Art der Wirkungsforschung eröffnet derzeit mannigfaltige Möglichkeiten der Kooperation mit der Praxis, sie deckt sich mit der oben vorgenom- menen Gegenstandsbestimmung der Forschung der Sozialen Arbeit, sie ist mit der arbeitsfeldspezi- fischen Theoriebildung kompatibel und trägt Zweck-Mittel-Wissen bei, aber auch Wissen über organisationale und politische Bedingungen und Bedingungen der Koproduktion. Die „NutzerIn- nenforschung“ setzt bezüglich der Erforschung der Leistungserbringung einen anderen Akzent, der das aktive, soziale Dienstleistungen sich aneig- nende Subjekt in den Vordergrund stellt und be- ansprucht, davon ausgehend eine Alternative zu Evidence-Based Practice darzustellen, bildet damit aber einen Teil dieses auf die unmittelbare Leis- tungserbringung gerichteten Diskurszusammen- hangs. „Das Ziel sozialpädagogischer Nutzerforschung besteht somit einerseits in der Rekonstruktion des Nutzens, des Gebrauchswertes personenbezogener Dienstleistungen, wie andererseits in der Analyse der Nutzungsprozesse. Das Erkenntnisinteresse besteht in der Identifizierung nutzenfördernder und nutzenlimitierender Bedingungen der Aneignung zum Zweck der Erhöhung des Gebrauchs- wertes Sozialer Arbeit“ (Schaarschuch / Oelerich 2005, 17). Inwieweit Wirkungen und Gebrauchswert sich letztlich unterscheiden, wäre eine spannende De- batte, die anhand von konkreten Forschungspro- jekten zu führen wäre. Ein weiterer, mit der „Nut- zerInnenforschung“ verwandter Ansatz kann mit der „AdressatInnenforschung“ benannt werden. Auch für diese Variante kann in Anschlag gebracht werden, dass sie im Rahmen der gesellschaftlichen Entwicklung, die in den „Evaluations- und Steue- rungsdebatten“ zum Ausdruck gekommen ist (Bitzan et al. 2006a, 10), einen eigenen Akzent zu setzen trachtet und damit ebenfalls dem hier skiz- zierten Diskurszusammenhang zuzurechnen ist. Die AdressatInnenforschung versteht ihren Beitrag auf drei Ebenen: „Erstens beleuchtet sie biographische Relevanzen und Zusammenhänge in ihrem Eigensinn, sie fragt also da- nach, wie Menschen leben (…). Zum Zweiten interessie- ren sie Fragen danach, wie die fachlichen Angebote auf- genommen werden, was AdressatInnen als hilfreich erleben und durch welche Zumutungen sie sich bedrängt fühlen; weitergehend ob bzw. was sie anregen konnte, eigene Orientierungs- und Handlungsmuster ggf. zu ver- ändern. Zum Dritten hat sie das Ziel, das Spannungsver- hältnis zwischen Rekonstruktion und Fallbearbeitung aufzuklären, d.h. die Art und Weise der Transformation der Rekonstruktion im Prozess der professionellen Be- arbeitung zu beleuchten“ (Bitzan et al. 2006b, 268 f.). Es ist an dieser Stelle hervorzuheben, dass die drei Zugänge „forschungsbasierte Praxis“, „NutzerIn- nenforschung“ und „AdressatInnenforschung“ eindeutig im oben beschriebenen Gegenstands- bereich der Handlungswissenschaft Soziale Arbeit situiert sind, dass sie unterschiedlich akzentuierte Zugänge darstellen, wie mit der Doppelaufgabe der Handlungswissenschaft umgegangen werden kann, und dass sie in diesem Sinne alle drei einen Beitrag zur Optimierung der Praxis leisten wollen. Die unterschiedlichen Mischungsverhältnisse und Gewichtungen, die in Bezug auf die drei Eck- punkte zusammen mit weiteren, dann vor allem methodologischen und theoretischen Gesichts- punkten vorgenommen werden, ergeben unter- schiedliche Zugänge zu den letztlich gleichen, grundlegenden Fragen: Welchen Beitrag leistet die Soziale Arbeit zur Verbesserung der Lebenssi- tuation der NutzerInnen, AdressatInnen oder KlientInnen? Wie entstehen Problemlösungen im

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