Handbuch 5. Auflage
Sozialstatistiken 1649 Somit stehen für unterschiedliche Bereiche der Sozialen Arbeit Informationen über die Art der Leistungen bereit, die aufgrund der vielfach ver- wendeten Individualerhebungen (für jeden einzel- nen Fall werden mehrere Merkmale erhoben) einen relativ hohen Differenzierungsgrad erreichen. So wird beispielsweise für die Erhebung der Erzie- hungsberatung (§28 SGB VIII) erfasst, ob die Be- ratung beim jungen Menschen, der Familie oder im sozialen Umfeld ansetzt. Die Adressaten der Sozialen Arbeit Die neueren Sozialstatistiken (Kinder- und Jugend- hilfestatistik, 1990 reformiert; Sozialhilfestatistik, 1994 reformiert) zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht mehr in Form von Sammelerhebungen durchgeführt werden, die erhebungstechnisch nur einige Grunddaten wie z. B. Alter oder Geschlecht zulassen, sondern in Form von Individualerhebun- gen, die erheblich mehr Erhebungsmerkmale zur hilfeempfangenden Person sowie zur Hilfe zulassen (ausführlich Rauschenbach / Schilling 1997a). So werden z. B. im Rahmen der Kinder- und Jugend- hilfestatistik für jeden jungen Menschen, der eine Hilfe zur Erziehung in Anspruch nimmt, bis zu 20 Angaben abgefragt (ausführlich Kolvenbach /Taub- mann 2006). Dieser, für eine amtliche Statistik relativ hohe Differenzierungsgrad ermöglicht vielfältige Aus- wertungen und Analysen, die noch vor zehn Jah- ren undenkbar gewesen wären. So kann nicht nur festgestellt werden, wie viele Hilfen zur Erziehung es am Jahresende gab, sondern es ist ebenfalls möglich, differenzierte Analysen der Situation zu Beginn und zum Ende der Erziehungshilfen durchzuführen, um Fragen zu beantworten wie: Hat sich die Altersstruktur beim Beginn verscho- ben? Sind geschlechtsspezifische Besonderheiten in Abhängigkeit vom Alter, der Staatsangehörig- keit oder der Familiensituation (z. B. alleinerzie- hend) zu beobachten? Welchen Einfluss haben vorangegangene Hilfen auf die Dauer der Hilfe? (Blandow 1997, Fendrich / Pothmann 2005). Die- ser kurz angerissene Fragenkatalog stellt nur einen kleinen Ausschnitt der fachlich relevanten Fragen dar. In dieser kurzen bereichsspezifischen Auflis- tung wird allerdings schon deutlich, dass durch die modernen Leistungsstatistiken im sozialen Sektor eine umfassende Datenbasis geschaffen wurde, welche Erkenntnisse über die Soziale Ar- beit bereithält. Die Verwendungskontexte der amtlichen Sozialstatistiken Statistische Zahlen erfüllen keinen Selbstzweck. Sie sind ein Hilfsmittel, um Sachverhalte und Zusam- menhänge zu dokumentieren. Da es nicht darum gehen sollte, „Datenfriedhöfe“ zu produzieren, ist es von zentraler Bedeutung, der Frage nachzuge- hen, wofür die Erhebungsergebnisse verwendet werden können. Als Verwendungskontexte der amtlichen Sozialsta- tistik können in eher allgemeiner Form für die So- ziale Arbeit folgende Verwendungskontexte be- stimmt werden: (a) systematische Gewinnung, Aufbereitung und Auswertung quantifizierbarer Tatbestände der gesellschaftlichen Realität zur Be- schreibung der sozialen Lage im Rahmen der Sozi- alberichterstattung , aus der Handlungsnotwendig- keiten für die Soziale Arbeit abgeleitet werden können, (b) Darstellung der Infrastruktur und Leistungen der Sozialen Arbeit im Rahmen der Leistungsberichterstattung auf den unterschiedlichen föderalen Ebenen, zur Darstellung und Überprü- fung vorher festgelegter sozialpolitischer Ziele so- wie zur Entwicklung von Zielperspektiven für die Sozialplanung und (c) die Gewinnung von neuen Erkenntnissen im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung. Für die Beschreibung der sozialen Lage stehen a. vielfältige und umfangreiche Datenbestände zur Verfügung, die in den statistischen Berichten der Statistischen Landesämter und den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht werden. Darüber hinaus werden kommentierte Zusammen- fassungen angeboten, so z.B. thematische Zusam- menfassungen des Statistischen Bundesamts mit Themen wie z.B. „Frauen in Deutschland“ (Statis- tisches Bundesamt 2006). Vom Statistischen Bun- desamt wird darüber hinaus in Zusammenarbeit mit demWZB (Wissenschaftszentrum Berlin für So- zialforschung) und dem ZUMA (Zentrum für Um- fragen, Methoden und Analysen Mannheim) alle zwei Jahre der Datenreport herausgegeben, in dem der Versuch unternommen wird, objektive Tat-
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