Handbuch 5. Auflage

1650 Schilling  bestände aus der amtlichen Statistik und Erkennt- nisse der Sozialwissenschaft über die Zusammen- hänge zwischen objektiven Tatbeständen und subjektivem Erleben zusammenzuführen (Statisti- sches Bundesamt 2008). Diese nur beispielhaft he- rausgehobenen Datenbestände, die bis auf die Kreis- und Gemeinde-Ebene heruntergebrochen werden können, stellen eine Situationsbeschrei- bung gesellschaftlicher Bedingungen dar, auf die Soziale Arbeit reagieren kann und sollte. Die Be- funde bewegen sich allerdings im Spannungsfeld zwischen sozialpolitischen Handlungsnotwendig- keiten und sozialarbeiterischen Handlungsmög- lichkeiten, da die Soziale Arbeit zumeist nicht die Einflussmöglichkeiten auf strukturelle Entschei- dungen wie die Verbesserung der Wohnverhält- nisse, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit etc. in einzelnen Regionen hat (Schmid-Urban 2000 161f.). Die Darstellung der Infrastruktur und der Leistun- b. gen der Sozialen Arbeit im Rahmen der Leistungs- berichterstattung auf den unterschiedlichen födera- len Ebenen findet in den meisten Fällen nicht getrennt von der allgemeinen Sozialberichterstat- tung statt. So umfassen die Bundesjugendberichte zumeist einen allgemeinen Teil über die Lage der jungen Menschen in der Bundesrepublik sowie ei- nen weiteren Teil über die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe (im Überblick Richter/Coelen 1997, 199 ff.). Einem ähnlichen Schema folgen auch die Landesjugendberichte, und ebenfalls auf der kommunalen Ebene wird zumeist die Funktion der Leistungsberichterstattung über Sozialstatistiken in die Gesamtheit eines Sozialberichts integriert. Die Sozialberichte haben dabei zumeist eine doppelte Funktion. Einerseits dienen sie zur Überprüfung der Umsetzung von vorgegebenen politischen oder fachlichen Zielen, also ob z.B. die angestrebte Ver- sorgungsquote mit Kindergartenplätzen erreicht wurde oder in welchem Maße Programme wie „Ar- beit statt Sozialhilfe“ dazu geführt haben, dass die Ausgaben für Sozialhilfe tatsächlich gesunken sind. Andererseits dient die Darstellung und Analyse des Leistungsspektrums der Sozialen Arbeit dazu, Schwachpunkte und nicht erreichte Ziele aufzuzei- gen, aus deren Analyse modifizierte oder neue Ziel- bestimmungen entwickelt werden können. Für die c. Wissenschaft stellen die Sozialstatistiken ein wichtiges Erkenntnisinstrument dar, das aller- dings im Bereich der Forschung zur Sozialen Arbeit bisher nur relativ wenig genutzt wurde. In der sozi- alwissenschaftlichen Forschung ist der Rückgriff und die Nutzung von amtlichen Sozialstatistiken deutlich stärker ausgeprägt. Beispielhaft sei hier nur auf die Sozialindikatorenforschung (Noll / Zapf 1994) und die Armutsforschung verwiesen. Die Nutzung der Sozialstatistiken im Bereich der For- schung zur Sozialen Arbeit ist relativ gering. Im Fol- genden wird dies exemplarisch für die Nutzung und den Umgang mit der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik im Bereich der Jugendhilfefor- schung dargestellt und der Frage nachgegangen, wie diese geringe Nutzung zu erklären ist. Die Verwendung der Erhebungsergebnisse der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik seitens der Wissenschaft, vor allem der Sozialpädagogik (Hochschulen, Forschungsinstitute), ist noch keine Selbstverständlichkeit. Die sozialpädagogische Disziplin nimmt in ihren Theorie- und For- schungsdebatten erst langsam Bezug auf die Erhe- bungsergebnisse der amtlichen Kinder- und Ju- gendhilfestatistik. Erste Verwendung fanden die Erhebungsergebnisse in den Forschungen zur Per- sonalstruktur in der Kinder- und Jugendhilfe (Rauschenbach 1986, 1990, 1992; Rauschenbach et al. 1988; Rauschenbach / Schilling 1995, 1997a, 1997b, 2005). Einen deutlich stärkeren Verwen- dungskontext gewannen die Erhebungsergebnisse durch die Einrichtung der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik an der Technischen Uni- versität Dortmund Ende der 1990er Jahre. Durch die Forschungsarbeiten wurde einerseits herausge- arbeitet, welche Erkenntnismöglichkeiten für wel- che wissenschaftlichen Fragestellungen auf der Basis der amtlichen Erhebungsergebnisse bereitge- stellt werden können (Rauschenbach / Schilling 1997a, 2005). Andererseits wurden die Erkennt- nisse für die einzelnen Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe dargestellt (Rauschenbach / Schil- ling 1997b, 2001, 2005). Neben diesen eher grundsätzlichen Beiträgen werden die Erkennt- nisse regelmäßig durch den Informationsdienst der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik Kom Dat (Kommentierte Daten zur Kinder- und Jugendhilfe) der Wissenschaft zur Verfügung ge- stellt. Gründe für die teilweise sehr zurückhaltende Ver- wendung des umfangreichen Datenmaterials in der wissenschaftlichen Sozialpädagogik scheinen in ei- ner generellen Skepsis gegenüber den amtlichen

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