Handbuch 5. Auflage

Beratungsforschung 171 ren, hat Schmitz bereits vor über 20 Jahren unter- nommen. Ausgangspunkt der Überlegungen ist dort die Frage, wie Beratung im Verhältnis zur therapeutischen und erwachsenenpädagogischen Praxis handlungstheoretisch zu fassen sei. Schmitz kommt in der Rede stehenden Untersuchung zu dem Ergebnis, dass eine strikte Unterscheidung nicht möglich ist, sondern vielmehr davon aus- zugehen sei, dass das, was ein Therapeut, ein Bera- ter oder ein Erwachsenpädagoge praktisch tut, „[…] in jedem Fall zugleich Elemente therapeuti- schen, beratenden und erwachsenenpädagogischen Handelns“(Schmitz 1983, 64) enthält. Im Unter- schied jedoch zur therapeutischen Arbeit als einer Wiederherstellung beschädigter Identität und ei- nem an der Konsens- und Wahrheitsfindung orien- tierten Handeln in Bildungsprozessen bezieht sich Beratung auf die Begründung von lebensprakti- schen Entscheidungen. Entscheidend für die pädagogische Struktur der Beratung ist die Tatsache, dass sie ausschließlich im Medium der Sprache als Gespräch vollzogen wird und damit der Möglichkeit nach immer auch In- formation ist“ (Mollenhauer 1964, 31, auch Hein- tel 1992). Aus handlungslogischer Sicht besteht Beratung in einer dauernden Spannung zwischen Informieren und Beziehungsarbeit, wird aber des- wegen nicht zu einem bloßen Zwitter, sondern kann im besten Falle die Aussicht auf eine neue Handlungsqualität hervorbringen. Ob dieser Fall eintrat, lässt sich nur rekonstruktiv durch Bera- tungsforschung beantworten. Literatur Alemann, A.v. (2002): Soziologen als Berater. Eine empiri- sche Untersuchung zur Professionalisierung der Soziologie. Leske+Budrich, Opladen Alemann, H.v., Vogel, A. (1996): Soziologische Beratung. Praxisfelder und Perspektiven. IX. Tagung für angewandte Soziologie. Leske+Budrich, Opladen Badura, B. (1972): Kommunikative Kompetenz, Dialogher- meneutik und Interaktion. 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