Handbuch 5. Auflage
Biographie 249 zonte für eine neue sinnhafte Gestaltung der Bio- graphie eröffnet werden (Böhnisch 1999). Hilfe zur Lebensbewältigung bleibt dabei nicht auf indi- viduelle Hilfen begrenzt, sondern heißt auch, sozi- alräumliche Bedingungen zu gestalten und auf die gesellschaftlichen und sozialen Strukturen Einfluss zu nehmen, wo dies für die Sozialpädagogik mög- lich ist. Ähnlich wie für die Professionalisierungsdebatte gilt auch für den fachwissenschaftlichen Diskurs, dass zwar in einzelnen Konzepten ein Bezug zu Biographie hergestellt wird. Allerdings liegt bislang kein ausgearbeiteter theoretischer Entwurf zur Rolle von Biographien in der Sozialen Arbeit vor. Im Zusammenhang mit der Verbreitung qualitativ- rekonstruktiver Forschungsmethoden werden bio- graphische Ansätze auch im Studium Sozialer Arbeit eingesetzt (Jakob 2010b; Riemann 2004). In neuen Lehr-Lern-Arrangements wie Forschungs- und In- terpretationswerkstätten, Lehrforschungsprojekten u.ä. spielen biographieanalytische Methoden eine wichtige Rolle, um die Studierenden in fallrekon- struktive Verfahren und Prozesse kontrollierten Fremdverstehens einzuführen. Auch bei der Frage nach der Integration biographischer Ansätze in das Studium fällt eine Bilanz derzeit ambivalent aus. Der Vielfalt an neuen Ansätzen stehen mit einer stärkeren Verschulung und einer Verdichtung der Lehrinhalte Veränderungen der Studienbedingun- gen gegenüber, die Freiräume für forschendes Ler- nen begrenzen. Insofern ist es derzeit nicht aus- gemacht, ob es gelingt, die neuen Lehr-Lern-Formen dauerhaft in die Curricula zu integrieren. Literatur Ader, S., Schrapper, Ch., Thiesmeier, M. (Hrsg.) (2001): So- zialpädagogisches Fallverstehen und sozialpädagogische Diagnostik in Forschung und Praxis. Votum, Münster Alheit, P. (2003): Identität oder „Biographizität“? In: Petzold (Hrsg.): 6–25 Baacke, D., Schulze, Th. (Hrsg.) (1993): Aus Geschichten lernen. Neuausgabe. Juventa, Weinheim/München Bitzan, M., Bolay, E., Thiersch, H. (Hrsg.) (2006): Die Stimme der Adressaten. Juventa, Weinheim/München Bock, K., Miethe, I. (Hrsg.) (2010): Handbuch Qualitative Methoden in der Sozialen Arbeit. B. Budrich, Opla- den/Farmington Hills Böhnisch, L. (1999): Sozialpädagogik der Lebensalter. Ju- venta, Weinheim/München Bukow, W.-D., Ottersbach, M., Tuider, E., Yildiz, E. (Hrsg.) (2006): Biographische Konstruktionen im multikulturel- len Bildungsprozess. VS, Wiesbaden Cloos, P., Thole, W. (Hrsg.) (2006): Ethnografische Zugänge. VS, Wiesbaden. Faltermeier, J., Glinka, H.-J., Schefold, W. (2003): Her- kunftsfamilien. Deutscher Verein für öffentliche und pri- vate Fürsorge, Frankfurt/M. Fischer, W., Kohli, M. (1987): Biographieforschung. In: Vo- ges, W. (Hrsg.): Methoden der Biographie- und Lebens- laufforschung. Leske+Budrich, Opladen, 25–49 Friebertshäuser, B. (2000): Sozialpädagogisches Studium im Spannungsfeld von akademischer Fachkultur und Berufs- kultur. In: Homfeldt, H. G., Schulze-Krüdener, J. (Hrsg.): Wissen und Nichtwissen. Juventa, Weinheim/München, 143–162 –, Langer, A., Prengel, A. (Hrsg.) (2010): Handbuch qualita- tive Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft. 3.Aufl. Juventa, Weinheim/München Fuchs-Heinritz,W. (2005): Biographische Forschung. 3.Aufl. VS, Wiesbaden Giebeler, C., Fischer, W., Goblirsch, M., Miethe, I., Rie- mann, G. (Hrsg.) (2007): Fallverstehen und Fallstudien. 2.Aufl. B. Budrich, Opladen/Farmington Hills Glinka, H.-J. (2009): Das narrative Interview. 2.Aufl. Ju- venta, Weinheim/München Griese, B., Griesehoop, H.R. (2007): Biographische Fallar- beit. VS, Wiesbaden Grunert, C. (1999): Vom Pionier zum Diplom-Pädagogen. Leske+Budrich, Opladen Grunwald, K., Thiersch, H. (Hrsg.) (2004): Praxis Lebens- weltorientierter Sozialer Arbeit. Juventa, Weinheim/Mün- chen Gudjons, H., Wagener-Gudjons, B., Pieper, M. (2008): Auf meinen Spuren. Neu bearb. Aufl., Klinkhardt, Bad Heil- brunn Hahn, A. (1988): Biographie und Lebenslauf. In: Brose, H.- G., Hildenbrand, B. (Hrsg.): Vom Ende des Individuums zur Individualität ohne Ende. Leske+Budrich, Opladen, 91–105 Hanses, A. (Hrsg.) (2004): Biographie und Soziale Arbeit. Schneider, Baltmannsweiler Hartwig, L. (1990): Sexuelle Gewalterfahrungen von Mäd- chen. Juventa, Weinheim/München Heiner, M. (Hrsg.) (2004): Diagnosen und Diagnostik in der Sozialen Arbeit. Lambertus, Freiburg/Br. Henningsen, J. (1981): Autobiographie und Erziehungswis- senschaft. Neue Deutsche Schule, Essen Hildenbrand, Bruno (2010): Familienrekonstruktion in der Praxis. In: Bock, K., Miethe, I. (Hrsg.), 396–404 Hölzle, Ch., Jansen, I. (Hrsg.) (2009): Ressourcenorientierte Biografiearbeit. VS, Wiesbaden
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