Handbuch 5. Auflage
295 Didaktik Von Elke Steinbacher Begriffsklärung Der Begriff der Didaktik wird gemeinhin mit der Schulpädagogik verbunden, ist die Beschäftigung mit didaktischem Denken und Handeln doch fest verankerter Bestandteil der Lehrerausbildung. Die allgemeine Didaktik befasst sich mit „den allgemeinen Prinzipien, den Strukturmomenten und der Institutionalisierungsproblematik organisierten Leh- rens und Lernens; sie ist mithin eingeschränkt auf die gesellschaftlich aufgeworfenen, entfalteten und aufrecht- erhaltenen Normen, Regeln und Formen des Lehrens und Lernens“ (Heursen 1989, 307). Die Fachdidaktiken hingegen beschäftigen sich mit der Theorie des Lehrens und Lernens in den einzel- nen schulischen Unterrichtsfächern (z.B. Mathema- tik, Englisch und auch Pädagogik). Die der Didaktik in der pädagogischen Psychologie benachbarte Dis- ziplin der empirischen Lehr-Lernforschung widmet sich fächerübergreifenden Fragestellungen (zum Verhältnis von allgemeiner Didaktik und empiri- scher Lehr-Lernforschung vergleiche Meyer 2008). Im Folgenden soll nun die Bedeutung des allgemein erziehungswissenschaftlichen Begriffs der Didaktik erläutert werden, um aufzuzeigen, dass die Didaktik für alle professionsspezifischen Teildisziplinen rele- vant ist und keineswegs nur in den schulpädagogi- schen Fachdidaktiken und der schulbezogenen Lehr- und Lernforschung. Der Begriff der Didaktik wurzelt im griechischen Verb didáskein und bedeutet in einem aktiven Sinn lehren, belehren, unterrichten, in einem passi- ven Sinn lernen, belehrt bzw. unterrichtet werden sowie in einem medialen Sinn aus sich selbst ler- nen , ersinnen , sich aneignen . Didaktik bezieht sich also auf die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens. Dieser Kurzdefinition liegt ein weites Verständnis von Didaktik zu Grunde, das sich nicht nur mit der Frage nach Inhalten und Zielen befasst, sondern die Frage nach den Methoden, der Art und Weise der Vermittlung, mit ein- schließt. Dieses weite Didaktikverständnis geht außerdem davon aus, dass die Didaktik nicht nur das Lehren und Lernen an Schulen umfasst, son- dern auch Lernprozesse an jedem anderen mögli- chen Ort einschließt, sei dies nun der Erwerb von Fertigkeiten in einem Sportverein, das Lernen an Volkshochschulen und bei einem Fernstudium, beim Einüben der Nutzung von PC und Internet, bei der Fahrschule oder bei der Gestaltung eines Festivals (Klafki 1970, 55; Jank /Meyer 1994, 16). Und zu Unterricht gehört – jenseits der orga- nisierten Form – in einem weit gefassten Sinne all das, „was wir tun und erleiden, wenn wir uns oder andere über etwas unterrichten. Solcher Unter- richt findet z. B. dann statt, wenn Menschen in- formativ miteinander sprechen, ein Buch lesen oder eine informierende und unterhaltende Fern- sehsendung anschauen“ (Benner 2010, 232). Dieses weite Verständnis von Didaktik und Un- terricht ist die Grundlage der folgenden Ausfüh- rungen, insbesondere derer zur Didaktik in der Sozialen Arbeit. Darüber hinaus ist Didaktik nicht nur als aka- demische Disziplin zu verstehen, die theoretische Aussagen über Lehr- / Lernprozesse macht, son- dern sie ist auch als Bestandteil der pädagogischen Praxis von Lehrern, Schüler(inn)en, Sozialpäd agog(inn)en und Fernsehmoderator(inn)en zu be- greifen. Praxis findet sich überall dort, „wo Men- schen schöpferisch oder reproduzierend tätig werden“ (Jank /Meyer 1994, 17). Der hier zu Grunde gelegte Praxisbegriff geht zum einen davon aus, dass „die Lebensverhältnisse, in denen wir praktisch tätig sind, unvollkommen sind und ver- bessert werden können und müssen; zum zweiten, Otto/Thiersch (Hg.), Handbuch Soziale Arbeit, 5.A., DOI 10.2378/ot4a.art026, © 2011, 2015 by Ernst Reinhardt, GmbH&Co KG, Verlag, München
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