Handbuch 5. Auflage
Evaluation und Evaluationsforschung 413 die nur selten veröffentlicht werden, und auch ex- terne Evaluationsprojekte werden zumeist lediglich als graue Literatur veröffentlicht (May 2010). Sie werden kaum noch mit dem Ziel eines allgemeinen und auf andere Einrichtungen oder Programme übertragbaren Erkenntnisgewinn konzipiert, son- dern dienen überwiegend als Legitimationsnach- weis gegenüber den Trägern und bestenfalls als In- strument organisationsinterner professioneller Reflexion. Konzeptionell wird diese Entwicklung reflektiert durch die begriffliche Ausdifferenzierung und der Trennung von Evaluationsforschung als wissenschaftliche Begleitung hin zur Evaluation ohne Bezug zu einer sozialwissenschaftlichen Me- thodik (Heiner 2001; Haubrich et al. 2009). Die vorliegenden veröffentlichten Überblicke der Eva- luation im Feld der Sozialen Arbeit bieten insofern zumeist nur Spotlights auf Ergebnisse in Bezug auf einzelne Evaluationsmethoden oder Handlungsfel- der. Erstere dienen dabei vornehmlich als Beispiele zur Verdeutlichung der Anwendungsmöglichkeiten bestimmter Methoden in der Evaluationspraxis so- wie zur Diskussion entsprechender Methodologie, letztere hingegen als z.T. zusammenfassende Über- blicke vorliegender Ergebnisse. So existieren seit den 1980er Jahren auf die Soziale Arbeit bezogene Sammelbände mit zusammengetragenen Beispielen aus der Evaluationspraxis im Rahmen der experi- mentierenden Evaluation (Heiner 1998) oder zu unterschiedlichen Methoden der Fremd- und Selbstevaluation (Heiner 1988; 1994; Schrö- der / Streblow 2007). Themen- oder handlungs- feldorientiert können hier lediglich exemplarisch Sammlungen von Evaluationsergebnissen auf- geführt werden, die gänzlich oder zumindest teil- weise dem Bereich der Sozialen Arbeit zuzuordnen sind: Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention (Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprä- vention 2003), Kinder- und Jugendarbeit (Lindner 2008), Prävention gegen Rechtsextremismus (Gla- ser / Schuster 2007). Des Weiteren konnten ein- zelne Autoren, hier ebenfalls beispielhaft, den Stand der Evaluationsforschung für bestimmte Handlungs- oder Themenfelder erarbeiten: Hilfen zur Erziehung (Frey 2008) und Schulsozialarbeit (Speck 2006). Seit den 1990er Jahren standen ins- besondere die Hilfen zur Erziehung im Fokus von groß angelegten Evaluationen des BMFSFJ, der JULE- (1998) und der JES-Studie (2002) sowie der noch nicht abgeschlossenen Evaluation des Modellprogramms „Wirkungsorientierte Jugend- hilfe“ (Haubrich 2009; Frey 2008). Standardisierte Instrumente wieWIMES, EVAS oder die sozialpäd agogische Verlaufsdokumentationen seit Mitte der 1990er Jahre werden in den Hilfen zur Erziehung überwiegend als Instrument der Selbstevaluationen und als Dokumentationssystem eingesetzt. Diese Instrumente werden jedoch nicht nur aufgrund ihrer Einseitigkeit kritisch betrachtet (Frey 2008), sie können aufgrund ihrer Anlage kaum mehr sein als ein standardisiertes Berichtsverfahren, das dem Anspruch auf Wirkungsmessung nicht gerecht werden kann. Ein weiterer Evaluationsschwerpunkt der Sozialen Arbeit findet sich im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendarbeit. Ausgangspunkt ist die in Nord- rhein-Westfalen 1999 gestartete verpflichtende Teilnahme aller aus Landesmitteln geförderter Trä- ger am Wirksamkeitsdialog, aus dem das Evaluati- onsinstrument WANJA entstand (Haubrich 2009). Seit Mitte der 1990er Jahre wurden im Rahmen der Qualitätssicherung und -entwicklung vom BMFSFJ Evaluationsprojekte gefördert, zum einen im Rahmen der QS-Initiative, welche Selbstevalua- tionen anregte, zum anderen in Form externer Evaluationen in der Nationalen Qualitätsinitiative im System der Tageseinrichtungen für Kinder (NQI) sowie im Projekt eXe (Strategien und Kon- zepte externer Evaluation in der Kinder- und Ju- gendhilfe) des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Dieses Projekt sammelt und systematisiert externe Evaluationen der Kinder- und Jugendhilfe. Ver- schiedene Publikationen sowie eine Internetdaten- bank, in der derzeit ca. 80 Evaluationsprojekte eingetragen sind, dokumentieren die externe Eva- luationslandschaft in diesem Handlungsfeld. Die Entwicklung der Evaluationspraxis in der So- zialen Arbeit zeigt eine deutliche Ausweitung und vor allem eine Ausdifferenzierung von Evaluations- modellen, verbunden mit einer deutlichen Inflatio- nierung der Begrifflichkeit. Dies korrespondiert mit der Entwicklung und Anwendung unterschied- licher Methoden und Methodologie und es wird heutzutage davon ausgegangen, dass Evaluation zum fachlichen Standard in der Sozialen Arbeit ge- hört, auch wenn im Gegensatz dazu festgestellt wird, dass die als notwendig erachtete Professiona- lisierung der Evaluation bisher noch in den An- fängen steckt (Haubrich et al. 2009).
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