Handbuch 5. Auflage

436 M. Richter  (Peters 1990, 37) werde. Zumal die Implementati- onsgeschichte der SPFH durch die politische Wende im Jahr 1982 geprägt wurde, die eine „Neu- bewertung und Re-Ideologisierung der Familie“ (Peters 1990, 36) perpetuierte. Diese Kritik an einer Re-Familialisierung des So- zialen begleitet die Entwicklung und Etablierung der SPFH bis in die Gegenwart. Aktuell geraten im Zuge einer neoliberalen bzw. neosozialen „Trans- formation des Politischen“ (Lemke et al. 2000, 26) Familien als Ressource zunehmend in die sozial- politische und sozialpädagogische Aufmerksam- keit. In der Konsequenz profilieren sich Verschie- bungen im Verhältnis von öffentlicher und privater Sphäre, die als veränderte Form der Aufgabendele- gation von Staat und Familie gefasst werden kön- nen (Böllert 2008; Oelkers 2009). Die Aktivierung elterlicher Verantwortung wird – trotz Hierarchi- sierung familialer Lebenskonzepte und daraus re- sultierender benachteiligter Existenzweisen – vor allem politisch gefordert. Die Jugendhilfe als soziale Akteurin steht vor der Herausforderung, sowohl einer wohlmeinenden Vereinnahmung von Fami- lien zu entgehen als auch einer aktivierungspädago- gischen Rhetorik und Praxis kritisch-reflexiv zu begegnen, in der den Familien ihre soziale Margi- nalisierung als kulturelle Inferiorität zur Last gelegt wird (Richter et al. 2009). Literatur Albus, S., Greschke, H., Klingler, B., Messmer, H., Micheel, H.-G., Otto, H.-U., Polutta, A. (2010): Wirkungsorien- tierte Jugendhilfe. Schriftenreihe Wirkungsorientierte Ju- gendhilfe. Band 10. Waxmann, Münster u.a. Allert, T., Biebäck-Diel, L., Oberle, H., Seyfarth, E. (1994): Familie, Milieu und sozialpädagogische Intervention. Vo- tum, Münster Beckmann, C., Maar, K., Otto, H.-U., Schaarschuch, A., Schrödter, M. (2009a): Burnout als Folge restringieren- der Arbeitsbedingungen? Ergebnisse einer Studie aus der Sozialpädagogischen Familienhilfe. In: Beckmann, C., Otto, H.-U., Richter, M., Schrödter, M. (Hrsg.), 194– 208 –, Otto, H.-U., Richter, M., Schrödter. M. (Hrsg.) (2009b): Neue Familialität als Herausforderung der Jugendhilfe. Neue Praxis Sonderheft 9 –, Otto, H.-U., Schaarschuch, A., Schrödter, M. (2006): Qualität und Wirkung in der Sozialpädagogischen Famili- enhilfe. Vorläufige Ergebnisse des DFG-Projektes „Dienst- leistungsqualität“. Bielefeld/Wuppertal. In: www.dlq-on- line.de/document/Ergebnisbericht_DFG-Projekt_DLQ. pdf, 05.04.2010 Bieback-Diel, L., Oberle, H. (1989): Begleituntersuchung: Sozialpädagogische Familienhilfe in Hessen. Bestandsauf- nahme, Probleme und Weiterentwicklung. Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Frankfurt/M. Birtsch, V., Münstermann, K., Trede, W. (Hrsg.) (2001): Handbuch Erziehungshilfen. Leitfaden für Ausbildung, Praxis und Forschung. Votum, Münster Bitzan, M., Bolay, E., Thiersch, H. (2006): Die Stimme des Adressaten. Juventa, Weinheim/München Böllert, K. (Hrsg.) (2008): Von der Delegation zur Koopera- tion. Bildung in Familie, Schule, Kinder- und Jugendhilfe. VS, Wiesbaden Bröckling, U., Krasmann, S., Lemke, T. (Hrsg.) (2000): Gouvernementalität der Gegenwart. Suhrkamp, Frank- furt / M. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Ju- gend (BMFSFJ) (2005): Siebter Familienbericht. Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit. Berlin Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit (BMJFG) (Hrsg.) (1974): Mehr Chancen für die Ju- gend – zu Inhalt und Begriff einer offensiven Jugendhilfe. BMJFG, Bonn Chassé, K.-A., Wensierski, H.-J.v.(Hrsg.) (1999): Praxisfel- der der Sozialen Arbeit. Juventa, Weinheim/München Christmann, C., Müller, C.W., Elger, W. (1986): Sozialpäd­ agogische Familienhilfe. Bestandsaufnahme, Entwicklung, Perspektiven, Modelle. SPI, Berlin Deutscher Bundestag (2008): Lebenslagen in Deutsch- land – Dritter Armuts- und Reichtumsbericht. Berlin DFG-Graduiertenkolleg „Jugendhilfe im Wandel“ (Hrsg.) (2010): Jugendhilfe im Wandel. Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfeforschung. VS, Wiesbaden (i.E.) Dörr, M., Müller, B. (2006) (Hrsg.): Nähe und Distanz. Ein Spannungsfeld pädagogischer Professionalität. Wein- heim/München Ecarius, J. (Hrsg.) (2007): Handbuch Familie. VS, Wiesba- den Elger, W., Christmann, C. (1986): Sozialpädagogische Fami- lienhilfe im Überblick. Bestandsaufnahme für die Bundes- republik und Berlin (West). Neue Praxis 2, 113–121 Fendrich, S. (2008): Hilfen zur Erziehung – eine Trendwende bei der Personalentwicklung. Rückbau und Umstrukturie- rungen bei den Beschäftigten in einem expandierenden Leistungsbereich. In: KomDaT Jugendhilfe 1/2, 9–11 Frindt, A. (2009): Resilienzförderung in der Praxis der SPFH. Forum Erziehungshilfen 2, 76–80 Fröhlich-Gildhoff, K., Engel, E.M., Rönnau, M., Kraus, G. (Hrsg.) (2006): Forschung zur Praxis in den ambulanten Hilfen zur Erziehung. FEL, Freiburg/Br. Hall, C., Juhila, K., Parton, N., Pösö, T. (Hrsg.) (2003): Con- structing Clienthood in Social Work and Human Services. Jessica Kingsley Publishers, London/New York

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