Handbuch 5. Auflage

Familienhilfe  435 in der Bundesrepublik Deutschland“ (1994–1997). Darin werden ein Überblick zum Entwicklungs- stand der SPFH und gegenwärtige theoretische, konzeptionelle und methodische Diskussionen zur SPFH u.a. auf der Basis von Praxisberichten, Exper- tisen usw. abgebildet (Helming et al. 1999). Zu verweisen ist weiterhin auf Untersuchungen, die ebenfalls Ende der 1990er Jahre vorgelegt wur- den und in denen Forscher(innen) aus ihrer eige- nen Praxis als Professionelle in der Familienhilfe berichten bzw. diese Praxis zum Gegenstand ihrer Forschung erheben (Schuster 1997; Woog 1998). Neuere Entwicklungen einer zunehmenden „Ma- nagerialisierung“ der Jugendhilfe im Zuge der Ein- führung Neuer Steuerungsmodelle und von Quali- tätsentwicklungsmaßnahmen fanden eine deutliche Berücksichtigung in der SPFH-Forschung der letz- ten Jahre. So wurden die Auswirkungen veränderter Finanzstrukturen auf Inhalte und Qualität von Ju- gendhilfeleistungen am Beispiel der SPFH (in Hes- sen und Baden-Württemberg) untersucht (Rönnau et al. 2006). Des Weiteren wurden empirische Be- funde zu der Frage nach der Qualität und Wirkung der Sozialpädagogischen Familienhilfe (in Nord- rhein-Westfalen) im Kontext einer Forschungs- kooperation von Bielefeld und Wuppertal vor- gelegt. Im Rahmen dieser Studie wurde u. a. ein Hauptaugenmerk auf die Frage nach einer mögli- chen Überformung von Arbeitsbedingungen im Kontext managerieller Steuerungslogiken gerichtet, deren Implementation mit der Befürchtung res- tringierender Bedingungen für professionelles Handeln einhergeht (Beckmann et al. 2006; 2009a). Zumindest benannt werden sollten im Kontext einer aktuellen Debatte um Wirkungen von Jugendhilfeangeboten – die auch die SPFH be- trifft – die „Jugendhilfeeffektestudie“ (Schmidt et al. 2002) und das Bundesmodellprogramm „Wir- kungsorientierte Jugendhilfe“ (Albus et al. 2010). Letzteres hebt insbesondere auf die Erfassung und Analyse von Befähigungs- und Verwirklichungs­ chancen (capabilities) bei Kindern und Jugend- lichen im Kontext erzieherischer Hilfen ab (2010). In Anknüpfung an neuere Tendenzen einer Nut- zer(innen)- bzw. Adressat(inn)enforschung (Oele- rich / Schaarschuch 2005; Bitzan et al. 2006) finden sich Untersuchungen, die die SPFH „aus der Sicht ihrer Klientinnen und Klienten“ (Wolf 2006) un- tersuchen und dabei u. a. auch Erkenntnisse der Resilienzforschung integrieren (Frindt 2009). Jüngste Entwicklungen in der Forschung zur SPFH richten sich auf die Analyse von Gesprächen zwi- schen Fachkraft und Familienmitgliedern (Petko 2004, 2006; Richter 2010). Empirische Unter- suchungen unter Verwendung gesprächsanalyti- scher Verfahren finden erst seit den 1990er Jahren vermehrt Eingang in die sozialpädagogische For- schung und dies unter nicht unwesentlichem Ein- fluss angelsächsischer und skandinavischer Studien (Hall et al. 2003; im Überblick: Hitzler /Messmer 2008). Forschungen im deutschsprachigen Raum, die Gesprächspraktiken in der sozialpädagogischen Familienhilfe analysieren und damit die Frage nach den kommunikativen Aushandlungsprozessen sys- tematisch in den Blick nehmen, stellen bislang Ausnahmen dar und greifen damit ein wesentliches Forschungsdesiderat im Feld der SPFH auf (Petko 2004; Richter 2010). Re-Familialisierung des Sozialen? Kritische Einwände gegen die SPFH Einwände gegen die SPFH werden nahezu gleich zu Beginn ihrer Implementation laut. Zwar wird die SPFH als Erweiterung der Angebotspalette der Jugendhilfe aufgrund eben ihres ambulanten und kontinuierlich-intensiven Charakters hervorgeho- ben. Zugleich bezieht sich insbesondere auf ihre zeitlich regelmäßige Präsenz in den Wohnungen der unter Problemdruck stehenden Familien die Kritik. Mit dieser Anwesenheit finde ein erhebli- cher Eingriff in die Alltags- und Privatsphäre der Familien statt, verbunden mit der Gefahr einer „Kolonialisierung der Lebenswelt“ (Karsten /Otto 1987). Fachkräfte drängten freundlich und zu- gleich unausweichlich in den familialen Alltag, machten damit sämtliche Lebensbereiche einer umfassenden Bewertung und Kontrolle zugänglich und produzierten im Zuge dieser Vereinnahmung die „gläserne Familie“ (Karsten /Otto 1987). Kritische Beiträge der 1990er Jahre problematisie- ren dazuhin die (Selbst-)Thematisierung und Be- gründung der SPFH als die zeitgemäße Form prä- ventiver Jugendhilfe, da die SPFH auch entgegen ihrer Absicht „gerade dadurch, daß sie sich selbst als progressive Neuerung der Jugendhilfe auszuwei- sen sucht, zum Einfallstor einer grundlegenden Wende der Jugendhilfe / Jugendhilfepolitik im Sinne einer grundsätzlichen Re-Familialisierung“

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