Handbuch 5. Auflage
5 Vorwort zur 5. Auflage Das „Handbuch der Sozialen Arbeit“ erscheint nun in einer 5. Auflage, die gegenüber der vorherigen 4., völlig neu bearbeiteten Auflage noch einmal um zehn Beiträge ergänzt wurde, um der ständigen Ver- änderung in Theorie- und Fachentwicklung gerecht zu werden. Nachdem diese Beiträge bislang nur elektronisch zugänglich waren, sind sie nun in die Druckfassung integriert und der besseren Orientie- rung halber im alphabetischen und systematischen Inhaltsverzeichnis mit einem Sternchen versehen. Das Handbuch präsentiert so den gegenwärtigen Stand der Entwicklung in der Fachdiskussion, der Forschung und der Praxis der Sozialen Arbeit sowie in der Orientierung an sozial- und gesellschaftspoli- tischen Diskursen. Wir bleiben mit dieser 5. Auflage wie auch mit der vorangegangenen Neuauflage innerhalb des grund- sätzlichen Verständnisses von Sozialer Arbeit, wie wir es 1984 schon für die 1. Auflage formuliert ha- ben. Wir verstehen Soziale Arbeit als integriertes Konzept von Sozialpädagogik und Sozialarbeit in der Stabilisierung und kritischen / reflexiven Fort- schreibung ihrer Traditionen, Erfahrungen und Erkenntnisse, als sozialwissenschaftlich orientiert, gesellschafts- und sozialpolitisch engagiert und in- terdisziplinär offen. Dieses Konzept wandelt und profiliert sich im- mer neu in den gesellschaftlichen Veränderungen, die in den letzten Jahrzehnten zu weitreichenden Herausforderungen für die Soziale Arbeit in der Bestimmung ihrer Identität und Funktion geführt haben. Die zweite, reflexive Moderne ist bestimmt durch unterschiedliche, widersprüchliche, sich be- stärkende und auch blockierende Tendenzen. Sie ist geprägt durch den demografischen Wandel und ökologische Probleme, die Umstrukturierungen von Gesellschaft und Leben im Zeichen der Globa- lisierung und den immensen Zuwachs an Wissen und Informationstechnologien. Sie ist zugleich be- stimmt durch die neue Bedeutung des Ökonomi- schen in seiner Koalition mit dem Neoliberalismus und dem Neokonservativismus und durch die Ent- stehung neuer Lebenslagen, durch zunehmende Prekarität, durch Verelendung und Exklusion. Sie ist aber auch ebenso geprägt durch Vielfältigkeit und Offenheit in der Pluralisierung der Lebensla- gen und der Individualisierung der Lebensführung, durch die Entgrenzung von Gesellschafts- und Le- bensmustern. Es geht somit um eine neue Bestim- mung von Selbstzuständigkeit und Zwang, von Gerechtigkeit und Solidarität, von Leistung und Konkurrenz. Diese Tendenzen bestimmen die Rahmenbe- dingungen und die internen Diskussionen zur Theorieentwicklung und Praxisgestaltung der Sozi- alen Arbeit. Sie erfährt sich in neuer Weise heraus- gefordert. Es entstehen neue theoretische Aufgaben und politisch-praktische Arbeitszugänge, vor allem auch innovative Formen der Kooperation und Ko- ordination mit dem Bildungs- und Gesundheitsbe- reich. Die Komplexität der Lage wird aber besonders deutlich im Abbau sozialstaatlicher Traditionen, mühsam erkämpfter sozialer Ansprüche und damit verbundener Qualitätsstandards eines guten Le- bens. Hinzu kommt eine Umstrukturierung der Berufs- und Ausbildungslandschaft, die im Zei- chen der Umsetzung von Studienformen im Bolo- gna-Prozess zu institutionellen Konkurrenzen, Spe- zialisierungen und neuen Zerklüftungen führt. Die Klärung grundsätzlicher Fragen zu Bedingungen und Hintergründen der Sozialen Arbeit erfordert zunehmend die Entwicklung theoretisch begrün- deter Konzepte und wird dadurch ebenso behin- dert wie die entschiedene Vertretung und Durch- setzung ihres gesellschaftlichen und fachlichen Auftrags. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Hand- buch das Ziel, Soziale Arbeit in ihrer gesellschaft- lichen Notwendigkeit und im Prinzip sozialer Gerechtigkeit zu fundieren, die Vielfältigkeit und auch Ergiebigkeit der disziplinären und professio-
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NjM0NTA=