Handbuch 5. Auflage
630 Homfeldt · Sting Beziehung als körperliche Dimension von Handeln zu sehen (Hünersdorf 2008). Ausgehend von der Erkenntnis einer lebensverlaufsbezogenen Epi- demiologie – frühe Lebensereignisse wirken auf spätere Lebensphasen, aber auch die soziale Lage ist einzubeziehen – ergibt sich die Notwendigkeit ei- ner biografischen und sozialsensitiven Orientierung in spezifischen Handlungsfeldern der Sozialen Ar- beit, z. B. in Kindertagesstätten und in der statio- nären Erziehungshilfe. Zur biografischen und sozi- alsensitiven Orientierung gehört, Kinder und Jugendliche in ihren „subjektiven Selbstrepräsenta- tionen“ (Hanses 2008a, 12) wahrzunehmen und zu verstehen. So können biografische Erzählungen einen bedeutsamen Zugang zu den „Körperwelten“ der Akteure schaffen, zu ihrem Verständnis von Gesundheit, zu ihren Definitionen von Welt und zu den in den eigenen Sinnwelten eingelagerten sozialen Strukturen (13). Lebensverlauf und Le- bensalter als eine zeitbezogene Sinnwelt, die sich Akteure eigensinnig aneignen und im Sinne einer persönlich unverwechselbaren Strategie verarbei- ten, bilden eine unerschöpfliche Fundgrube sozial- pädagogischen Fallverstehens im Lichte von Ge- sundheit und Krankheit und von Anregungen für ein körperbezogenes biografisches Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen. Netzwerkbildung und interprofessionelle Kooperation Da sich Gesundheit und Krankheit im Schnitt- feld verschiedener Disziplinen und Professionen bewegen, ist eine interinstitutionelle und inter- professionelle Kooperation zwischen den Syste- men der Sozialen Arbeit, des Gesundheitswesens, der Behindertenhilfe, der Rehabilitation und auch des Bildungswesens unerlässlich. Am ehesten lässt sich diese auf kommunaler Ebene anbahnen („kommunale Biotope“). In den Diensten und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitswesens (z. B. des Öffentlichen Ge- sundheitsdienstes), des Bildungswesens sowie der Behindertenhilfe sollten systemübergreifende Ver- netzungen in gesundheitsbezogener Prävention und Gesundheitsförderung zu einem selbstver- ständlichen Bestandteil professioneller Tätigkeit werden. Der politische Wille, die gesetzlichen Vorausset- zungen für ein umfassendes Konzept gesundheitli- chen Wohlergehens zu schaffen, ist allerdings die Basis für eine nachhaltige Verankerung von Netz- werkbildung und interprofessioneller Kooperation im Hinblick auf gesundheitliche Aufgaben. Literatur Altgeld, T. (2004a): Jenseits von Anti-Aging und Work-Out? Wo kann Gesundheitsförderung bei Jungen und Männern ansetzen und wie kann sie funktionieren? In: Altgeld, T. (Hrsg.), 265–286 – (Hrsg.) (2004b): Männergesundheit. Neue Herausforde- rungen für Gesundheitsförderung und Prävention. Ju- venta, Weinheim/München –, Richter, A., Schmidt, T.-A. (2003): Können Gesundheits- förderung und Prävention Grenzen zwischen Gesundheits- und Sozialbereich überwinden? Prävention 26, 40–43 Antonovsky, A. (1997): Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. dgvt, Tübingen Baune, B.T., Zeeb, H., Kuçuk, N., Krämer, A. (2004): Ge- sundheitszustand und gesundheitliche Versorgung von Migranten und Deutschen im Vergleich. In: Krämer, A., Prüfer-Krämer, L. (Hrsg.): Gesundheit von Migranten. Juventa, Weinheim/München, 87–99 Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2008): Lebensphasenspezifische Gesundheit von Kindern und Ju- gendlichen in Deutschland. Robert Koch Institut, Berlin Bormann, C. (2002): Frauen. In: Homfeldt, H.G., Laaser, U., Prümel-Philippsen, U., Robertz-Grossmann, B. (Hrsg.): Studienbuch Gesundheit. Luchterhand, Neu- wied/Kriftel, 29–43 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Ju- gend (BMFSFJ) (2009): Dreizehnter Kinder- und Ju- gendbericht. Gesundheitsförderung und gesundheitsbe- zogene Prävention der Kinder- und Jugendhilfe. BMFSFJ, Berlin Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Robert Koch Institut (RKI) (2008): Erkennen – Bewer- ten – Handeln. Zur Gesundheit von Kindern und Ju- gendlichen in Deutschland. RKI, Berlin /Köln Domenig, D. (2004): Transkulturelle Kompetenz – eine Querschnittsaufgabe. In: Schweizerisches Rotes Kreuz (Hrsg.), 57–70 Dragano, N.(2007): Gesundheitliche Ungleichheit im Le- benslauf. Aus Politik und Zeitgeschichte 42, 18–25 Faltermaier, T. (2005): Gesundheitspsychologie. Kohlham- mer, Stuttgart Franzkowiak, P. (2006): Präventive Soziale Arbeit im Ge- sundheitswesen. Ernst Reinhardt Verlag, München/Basel –, Wenzel, E. (2001): Gesundheitserziehung und Gesund- heitsförderung. In: Otto, H.U., Thiersch, H. (Hrsg.):
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