Handbuch 5. Auflage

Governance 655 verteilungskonflikte mit spezifischen Adressaten- gruppen und kurzfristigen Zeithorizonten (585 f.) auszumachen. Diese Erkenntnis führt Grande zur These von der „Governance-Falle“. Diese Falle be- steht seines Erachtens darin, dass – wie die Analysen zeigen – auf der einen Seite Governance „funktional notwendig und unvermeidlich“ ist (585); dass aber auf der anderen Seite – wie die bislang vorliegenden (noch bescheidenen) empirischen Befunde zeigen – Governance „in ihrem Leistungsvermögen […] strukturell begrenzt ist“ (585). Einen Ausweg aus dieser Falle scheint Grande darin zu sehen, sich nicht zu schnell von hierarchischen Formen des Re- gierens durch den Staat zu verabschieden. Eine umfassende konsistente Governance-Theorie existiert bislang nicht. Der Mangel an empirischen Studien ist offensichtlich, der Bedarf an kritischer Reflexion dieser Regierungs- und Steuerungsprakti- ken nicht zu leugnen. Aber am vorhandenen Analy- seinstrumentarium sowie an bereits vorliegenden Erkenntnissen kann sich die weitere Forschung ori- entieren und die Etablierung des Governance-Begriffs in den Sozialwissenschaften forcieren; so z. B. das Münchner Centrum für Governance-For- schung (www.mcg.uni-muenchen.de ) oder das DemNet-D-Projekt des Bundesgesundheitsminis- teriums, das deutschlandweit Demenznetzwerke auch auf Governance-Strukturen und -Prozesse hin untersucht (www.ifas-stuttgart.de ). Schließlich wer- den bereits Masterstudiengänge für Führungskräfte in der Sozialwirtschaft angeboten, die Governance zum Leitkonzept machen (etwa „Governance Sozi- aler Arbeit“ (MA) an der Dualen Hochschule Ba- den-Württemberg Stuttgart; „Nonprofit-Manage- ment und Governance (MA)“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster). Governance erscheint bei aller Kritik als heuristisch wertvoller Begriff, um Wandel und Steuerungsver- suche von Wohlfahrtsarrangements auf unter- schiedlichen Politikebenen und in unterschiedli- chen Politikfeldern (der Sozialpolitik) zu verstehen und darauf bezogene Organisationsgestaltung zu inspirieren. Literatur Adam, M. (2000): Die Entstehung des Governance-Konzepts bei Weltbank und UN. Die EZ wird politischer. Entwick- lung und Zusammenarbeit 41, 272–274 Benz, A., Dose, N. (Hrsg.) (2010): Regieren in komplexen Regelsystemen. Eine Einführung. 2., aktualisierte und ver- änderte Aufl. Springer VS, Wiesbaden Benz, A., Dose, N. (2010): Governance – Modebegriff oder nützliches sozialwissenschaftliches Konzept? In: Benz, A., Dose, N. (Hrsg.), 13–36 Bode, I. (2007): Wohlfahrt. In: Benz, A., Lütz, S., Simonis, G. (Hrsg.): Handbuch Governance. Theoretische Grund- lagen und empirische Anwendungsfelder. VS, Wiesbaden, 401–412 Bogumil, J., Holtkamp, L., Schwarz, G. (2003): Das Reform- modell Bürgerkommune. Leistungen – Grenzen – Per­ spektiven. Edition Sigma, Berlin Bundeszentrale für politische Bildung – bpb (Hrsg.) (2007): Politische Bildung, APuZ, 32–33 Brocke, H. (2005): Soziale Arbeit als Koproduktion. In: Pro- jekt „Netzwerke im Stadtteil“ (Hrsg.): Grenzen des Sozial- raums. Wiesbaden, Springer VS, 235–260 Brockhoff, R. (2012): Corporate Governance ist Teil der Un- ternehmenspolitik. In: neue caritas (2), 16–20 Clement, U., Nowak, J., Scherrer, C., Ruß, S. (Hrsg.) (2010): Public Governance und schwache Interessen. Springer VS, Wiesbaden Dahme, H.-J., Wohlfahrt, N. (Hrsg.) (2005): Aktivierende Soziale Arbeit, Theorie – Handlungsfelder – Praxis. Schneider, Hohengehren Dahme, H.-J., Wohlfahrt, N. (2003): Aktivierungspolitik und der Umbau des Sozialstaates. In: Dahme, H.-J., Otto, H.-U., Trube, A., Wohlfahrt, N. (Hrsg.), 75–100 Dahme, H.-J., Otto, H.-U., Trube, A., Wohlfahrt, N. (Hrsg.) (2003): Soziale Arbeit für den aktivierenden Staat. Leske Budrich, Opladen Der Paritätische Sachsen-Anhalt (Hrsg.) (2011): Corporate Governance Kodex. Grundsätze guter und transparenter Führung, Magdeburg. In: http://www.paritaet-lsa.de/cms/ f i l e s / b r o s c h _ _ r e _ g r u n d s _ _ t z e _ g u t e r _ u n d _ transparenter_f__hrung.pdf; 11.01.2013 Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (2005): Diakonischer Corporate Governance Kodex (DGK) – mit Erläuterungen. In: http://www.diakonie - rwl.de/cms/media//pdf/service/infomaterial/Diakonie- CGK.pdf; 11.01.2013 ESCAP – United Nations Economic and Social Commission for Asia and the Pacific (2006): What is Good Gover- nance? In: http://www.unescap.org/pdd/prs/ProjectActivi- ties/Ongoing/gg/governance.asp; 11.01.2013 Evers, A. (2011): Wohlfahrtsmix und soziale Dienste. In: Evers, A., Heinze, R.G., Olk, T (Hrsg.), 265–283 Evers, A. (2005): Mehr als Regulierung. Zur Rolle kommu- naler Politik und Verwaltung am Beispiel der Kindertages- stätten. Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen 3, 39–47 Evers, A. (2004): Sektor und Spannungsfeld. Zur Politik und Theorie des Dritten Sektor. Diskussionspapiere zum Non- profit-Sektor 27 (Manuskript), Berlin

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