Handbuch 5. Auflage

Jugend 733 schließen eine schulische Grundausbildung ab und machen die heutige Generation Jugendlicher zur bestausgebildeten aller Zeiten (UN 2007, 236). Die „Universalisierung der modernen Schule“ (Adick 1992) geht jedoch mit „Ungleichheit in der Welt- bildung“ (Seitz 2002, 328) einher. Dadurch gestal- ten sich die Lebens- und Partizipationschancen von Jugendlichen weltweit höchst unterschiedlich aus. Die Bildungsbenachteiligung betrifft in globaler Perspektive nach wie vor Mädchen am härtesten. Die Möglichkeiten, an der Bildung teilzuhaben, sind marktabhängig, und zwar überall auf der Welt. In jüngster Zeit ist ein globaler, auf Elitenbildung hin konzipierter Bildungsmarkt entstanden, auf dem transnationale Bildungsangebote von interna- tional agierenden, nicht-staatlichen Institutionen angeboten werden. „Transnationale Bildungsange- bote werden zu großen Teilen privat finanziert, und die Zielgruppe sind sozioökonomisch privile- gierte Kundinnen und Kunden“ (Fürstenau 2008, 206). Für Jugendliche aus wohlsituierten Eltern- häusern eröffnen sich dadurch neuartige Bildungs- möglichkeiten, welche Heranwachsenden mit ge- ringen oder durchschnittlichen ökonomischen Ressourcen verschlossen bleiben. Transnationale Bildungsangebote am globalen Bildungsmarkt ze- mentieren somit soziale Ungleichheit. Aufwachsen unter den Bedingun- gen globaler sozialer Ungleichheit Auch wenn sich nur wenig Gesichertes und Siche- res über die Zukunft von Jugend sagen lässt, ist eines gewiss: Globalisierung polarisiert und po- tenziert „in historisch einzigartiger Weise die Ge- gensätze zwischen Arm und Reich“ (Görg 2004, 109 f.). Dies betrifft ebenso Jugendliche und ins- besondere Mädchen und junge Frauen. Defizitäre und eingeschränkte Entwicklungsräume für Ju- gendliche begrenzen die „Selbstformung des Indi- viduums“ und limitieren damit den Zugang zu zentralen gesellschaftlichenTeilbereichen. Jugend- liche müssen sich entwickeln können, damit sie zur Entwicklung ihrer Lebensumwelt, ihres Lan- des, ihres Erdballs beitragen können. Kurz gesagt: Jugend braucht Entwicklung und Entwicklung braucht Jugend. Die wichtigsten Handlungsfelder für eine lebenswerte Zukunft jugendlicher Gene- rationen sind Bildung, Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt, finanzielle Grundsicherung und die Gleichstellung von Mädchen und jungen Frauen. Im Bereich Bildung sind dringliche Forderungen: Ausbau der frühkindlichen Förderung und Ent- ■ ■ wicklung, unentgeltliche obligatorische Grundbildung für ■ ■ alle Kinder, Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugend- ■ ■ lichen, indem der Zugang zu Lernangeboten er- leichtert wird, Gleichberechtigung der Geschlechter im gesamten ■ ■ Bildungsbereich und die allgemeingültige Forderung nach der Verbes- ■ ■ serung der Qualität von Bildungsangeboten. Diese ambitionierten Ziele des Weltbildungsforums Education for All in Dakar (2000) sollen die globale Bildungsungleichheit verringern und damit die (po- litischen) Teilhabechancen von Jugendlichen an Welt-Entwicklungsprozessen vergrößern. Um die Dakar-Ziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen, feh- len – so schätzt die UNESCO im Weltbildungs- bericht 2010 – jährlich 16 Milliarden US-Dollar. Nach wie vor besuchen etwa 72 Millionen Kinder im Grundschulalter und 71 Millionen Jugendliche weltweit keine Schule. Für Benachteiligung in der Bildung ist Armut einer der schwerwiegendsten Gründe: Weltweit leben 1,4 Milliarden Menschen mit weniger 1,20 US-Dollar pro Tag (UNESCO 2010). Die globale Verbreitung der Institution Schule (Meyer 2005) im Rahmen der Forderung einer Bildung für alle führt nur scheinbar zu einer wachsenden Chancengleichheit im Zugang zum Bildungssystem, da sie die Vererbung von Bildungs- status aufgrund schichtbedingter Unterschiede ver- deckt (Bornschier 2008, 550). Im Zeitalter der Globalisierung steht auch die poli- tische Bildung vor neuen Herausforderungen: Ihre primäre Aufgabe besteht darin, den Jugendlichen ein Bewusstsein von transnationaler Demokratie und weltweiten Menschenrechten, von einer öko- logisch nachhaltigen und ökonomisch gerechten (Zivil-)Gesellschaft und einem demokratischen Weltbürgertum näher zu bringen. Wenn Jugend- bildung (auch) als „ein Ort des unkonventionellen Denkens und Lernens, ein ,Laboratorium für Uto- pien‘, für die Lösung von Problemen und die Ge- staltung von Zukunft“ (Hafeneger 1997, 35) ver-

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