Handbuch 5. Auflage

Jugendhilfe und Strafjustiz – Jugendgerichtshilfe  749 Das Normenprogramm von SGB VIII und JGG ist geradezu idealtypisch auf Kooperation von Fach- diensten, von Justiz und Jugendamt ausgelegt. Die JGH kann der Gefahr, sich in das „Souterrain der Justiz“ (Müller/Otto 1986) abdrängen zu lassen oder gar lediglich als „Appendix des Kriminaljustiz- systems“ (Bettmer 1991) zu fungieren, entgehen, indem sie sich auf ihre sozialpädagogische Fach- lichkeit alsTeil der Jugendhilfe besinnt. Nach Jahren der Auseinandersetzung mit der Dominanz einer trotz gefälliger Erziehungsterminologie vielfach un- gebrochen straforientierten Jugendgerichtsbarkeit drohen aktuell die größten Gefahren durch die Res- sourcenprobleme kommunaler Haushalte. Rechts- ansprüche unterlaufende Anweisungen (z.B. keine Leistungen bei mehrfach straffälligen Jugendlichen oder jungen Volljährigen zu initiieren), andere ver- waltungstechnische Tricks, Schwellen und Struktu- ren (z.B. Bestehen auf formaler Antragstellung der Eltern) sind Anzeichen einer rechtswidrigen Leis- tungsverweigerung . Eine solche Praxis mancher Jugendämter verrät die mit dem SGB VIII verfolg- ten Ziele und macht alle Bemühungen einer fachli- chen Qualitätssicherung obsolet. Literatur BAG JGH in der DVJJ (1994): Jugendhilfe im Jugendstraf- verfahren. Eigenverlag der DVJJ, Hannover BAG für ambulante Maßnahmen (2000): Neue ambulante Maßnahmen, Grundlagen – Hintergründe – Praxis. Fo- rum Verlag Godesberg, Bonn Bettmer, F. (1991): Auswege aus der Pädagogisierungsfalle. Neue Praxis 21, 33–45 Bundesministerium der Justiz (Hrsg.) (1991): Jugendge- richtshilfe – Quo vadis? Frankfurter Symposium. Eigen- verlag, Bonn Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit (BMFJG) (Hrsg.) (1972): Dritter Jugendbericht der Bun- desregierung. BT-Drucksache VI/3170 Conen, M.-L. (2007): Eigenverantwortung, Freiwilligkeit und Zwang. Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Ju- gendhilfe 4, 370–375 Delattre, G., Trenczek, T. (2004): Mediation und Täter-Op- fer-Ausgleich. Spektrum der Mediation 17, 14–17 Donzelot, J. (1980): Die Ordnung der Familie. Suhrkamp, Frankfurt/M. Eisenberg, U. (2009): Jugendgerichtsgesetz, Kommentar. 12.Aufl. Beck Juristischer Verlag, München Gerken, J., Schumann, K.F. (1988): Ein trojanisches Pferd im Rechtsstaat. Centaurus-Verlagsgesellschaft, Pfaffenwei- ler, 1–10 Heinz, W. (2005): Zahlt sich Milde aus? Diversion und ihre Bedeutung für die Sanktionspraxis. Zeitschrift für Jugend- kriminalrecht und Jugendhilfe 4, 166, 302 Jestaedt, M. (2007): Das Kinder- und Jugendhilferecht und das Verfassungsrecht. In: Münder, J., Wiesner, R. (Hrsg.) Kinder- und Jugendhilferecht – Handbuch. Nomos, Ba- den-Baden, 106–133 Kähler, H. (2005): Soziale Arbeit in Zwangskontexten. Wie unerwünschte Hilfe erfolgreich sein kann. Ernst Reinhardt Verlag, München/Basel Klier, R., Brehmer, M., Zinke, S. (2002): Jugendhilfe in Strafverfahren – Jugendgerichtshilfe. 2. Aufl. Wallhalla, Berlin Müller, S. (1992): Brauchen Jugendliche einen Anwalt? In: Otto, H.-U., Hirschauer, P., Thiersch, H. (Hrsg.): Zeit- Zeichen sozialer Arbeit. Luchterhand, Neuwied, 61–71 – (1991): Erziehen – Helfen – Strafen. Zur Klärung des Er- ziehungsbegriffs im Jugendstrafrecht aus pädagogischer Sicht. DVJJ-Journal 4, 344–351 –, Otto, H.-U. (1986): Sozialarbeit im Souterrain der Justiz. In: Müller, S., Otto, H.-U. (Hrsg.): Damit Erziehung nicht zur Strafe wird. KT-Verlag, Bielefeld, VII–XXII –, Trenczek, T. (2001): Jugendgerichtshilfe – Jugendhilfe und Strafjustiz. In: Otto, H.-U., Thiersch, H. (Hrsg.): Hand- buch der Sozialarbeit/Sozialpädagogik. 2.Aufl. Ernst Reinhardt Verlag, München/Basel, 857–873 Münder, J. (1991): Jugendgerichtshilfe als sozialpädagogische Tätigkeit. DVJJ-Journal 4, 329–335 –, Meysen, T., Trenczek, T. (2009): Frankfurter Kommentar zum SGB VIII. 6.Aufl. Nomos, Baden-Baden Oberloskamp, H., Borg-Laufs, M., Mutke, B. (2009): Gut- achtliche Stellungnahmen in der Sozialen Arbeit. 7.Aufl. Luchterhand, Köln Ostendorf, H. (2009): Jugendgerichtsgesetz, Kommentar. 7.Aufl. Nomos, Köln – (1991): Jugendgerichtshilfe in der Rolle der „Doppelagen- tin“ – Chance oder programmiertes Versagen? In: BMJ (Hrsg.): Jugendgerichtshilfe – Quo vadis? Eigenverlag, Bonn, 59–67 Pieplow, L. (1989): Erziehung als Chiffre. In: Walter, M. (Hrsg.): Beiträge zur Erziehung im Jugendkriminalrecht. Heymann, Köln, 5–57 Plewig, H.-J. (2008): Im Spannungsfeld zwischen Erziehung und Strafe. Pädagogischer Umgang mit hochdelinquenten Minderjährigen. Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe 1, 34–43 Schlink, B. (1991): Jugendgerichtshilfe zwischen Jugend- und Gerichtshilfe. In: BMJ (Hrsg.): Jugendgerichts- hilfe – Quo vadis? Eigenverlag, Bonn, 51–58 Schrapper, C. (2003): Sozialpädagogische Diagnostik – An- forderungen, Konzepte, Bausteine. Zeitschrift für Jugend- kriminalrecht und Jugendhilfe 4, 336–342

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