Handbuch 5. Auflage
Kindertagesbetreuung – Frühpädagogik 827 entwickeln. Dabei stellt sich die Aufgabe, die ver- schiedenen Stränge der Expansionen zu integrieren, die Ansätze miteinander zu vermitteln und ein ei- genständiges professions- und disziplinbezogenes Selbstverständnis zu entwickeln. Dabei wird so- wohl das Verhältnis zu den Bezugswissenschaften zu klären sein als auch das Verhältnis zu den be- nachbarten Bereichen der Sozialpädagogik und der Schulpädagogik. Die Expansion des Kindergartens und Frühpäd agogik war bisher allerdings nicht verbunden mit einer Konsolidierung der Rahmenbedingungen, wie sie für die in den Einrichtungen gestellten Auf- gaben notwendig wäre. Die Diskrepanz zwischen den gesellschaftlichen Erwartungen und den päd- agogischen Arbeitsmöglichkeiten ist groß und trotz des vielfältigen, starken Engagements in Praxis und Wissenschaft bleiben bedrückende Defizite. Ver- besserungen werden immer wieder eingefordert (z. B. Viernickel / Schwarz 2009), sie betreffen so- wohl die Reduktion des Personalschlüssels wie die Anhebung der Bezahlung und den Ausbau der Unterstützungssysteme für die Fachkräfte in Form von Fachberatung. Die Umstrukturierung der Aus- bildung, die schon lange gefordert wurde, wird an vielen Stellen realisiert; die Qualifizierung der vor- handenen Fachkräfte durch Weiterbildung ent- spricht weithin noch nicht den gestellten Anforde- rungen; die wissenschaftliche Vermessung dieses Feldes hat gerade erst begonnen (Projekt WIFF am DJI: Diller 2010). Die weitere Entwicklung der Frühpädagogik hängt allerdings in hohem Maße davon ab, ob das öffent- liche Interesse an der Frühpädagogik erhalten bleibt bzw. ob die gesellschaftliche Motivations- und Fi- nanzlage weiterhin eine Entwicklung einer Früh pädagogik ermöglicht, die den quantitativen Aus- bau mit qualitativen Arbeitsstandards verbinden kann und die die je eigenen Interessen der Adressa- ten, also der Kinder und ihrer Familien, berück- sichtigt: Die Lebensäußerungen der Kinder und ihre Entwicklungsmöglichkeiten müssen in ihrem Eigensinn sehr ernst genommen, sie müssen auch gegen die Interessen und den Sog einer Konkur- renzgesellschaft und die Funktionalisierung des Kindergartens in ihrem Horizont verteidigt wer- den. Die Interessen von Kindern und Familien müssen neu vermittelt werden mit den Funktio- nen, die sich aus dem Vereinbarungs- und dem Bil- dungsmotiv ergeben, und Bildungsaufgaben müs- sen auch als kompensatorische Aufgaben im Horizont einer demokratischen Gesellschaft ernst genommen werden. Literatur Beller, E.K., Beller, S. (2009): Kuno Bellers Entwicklungsta- belle. 8.Aufl. Eigenverlag, Berlin Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2008): Kommunale Netz- werke für Kinder. Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh –, Staatsinstitut für Frühpädagogik (Hrsg.) (2009): Wach, neugierig, klug – Kompetente Erwachsene für Kinder un- ter 3. Medienpaket. Verlag Bertelsmann Stiftung, Güters- loh Bock-Famulla, K., Große-Wöhrmann, K. (2010): Länderre- port Frühkindliche Bildungssysteme 2009. Verlag Bertels- mann-Stiftung, Gütersloh Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Ju- gend (BMFSFJ) (Hrsg.) (2005): Zwölfter Kinder- und Jugendbericht. In: www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/ Abteilung5/Pdf-Anlagen/zwoelfter-kjb,property=pdf.pdf, 04.06.2010 – (BMFSFJ) (Hrsg.) (1998): Zehnter Kinder- und Jugend- bericht. Bonn Colberg-Schrader, H., Krug, M., Pelzer, S. (1991): Soziales Lernen im Kindergarten. Kösel, München Deutscher Bildungsrat (Hrsg.) (1970): Strukturplan für das Bildungswesen. Klett, Stuttgart Diller, A. (2010): Projekt: Weiterbildungsinitiative Frühpäd agogische Fachkräfte (WiFF). In: www.dji.de/cgi-bin/pro- jekte/output.php?projekt=857, 04.06.2010 –, Jurczyk, K., Rauschenbach, Th. (Hrsg.) (2005): Tagespflege zwischen Markt und Familie. DJI-Verlag, München –, Rauschenbach, Th., (Hrsg.) (2006): Reform oder Ende der Erzieherinnenausbildung? DJI-Verlag, München Diskowski, D. (2009): Spricht eigentlich noch jemand über den Hort…? KiTa NRW, 230–233 – Bildungspläne für Kindertagesstätten – ein neues und noch unbegriffenes Steuerungsinstrument. Zeitschrift für Erzie- hungswissenschaft Sonderheft 11, 47–61 Elschenbroich, D. (2002): Weltwissen der Siebenjährigen. Antje Kunstmann, München Erning, G., Neumann, K., Reyer, J. (1987): Geschichte des Kindergartens. 2 Bde. Lambertus, Freiburg/Br. Faust, G. (2008): Übergänge gestalten – Übergänge bewälti- gen. In: Thole, W., Roßbach, H.-G., Fölling-Albers, M., Tippelt, R. (Hrsg.), 225–240 Flitner, A. (1967): Der Streit um die Vorschulerziehung. Zeitschrift für Pädagogik 13, 515–538
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