Handbuch 5. Auflage
Lebenswissenschaften und Biotechnologie im Kontext Sozialer Arbeit 949 derung der Lebenskunst ihrer Adressatinnen, auch im Sinne eines Handwerks als Kunstfertigkeit (Winkler 2009), entspricht auf der gesellschafts- und sozialpolitischen Ebene das Eintreten für eine Lebenskultur der grundlegenden gegenseitigen An- erkennung (Dungs 2006) und einer demokratischen Lebensform (C. Müller 2005). Beides zielt auf die Förderung der Partizipation aller Mitglieder der (Welt-)Gesellschaft an einer solchen Lebenskultur. Die Teilhabe an biotechnologischen Möglichkeiten der Lebens- und Selbstgestaltung muss dabei sozial- politisch garantiert sein. Zudem hat die Theoriebil- dung in der Sozialpädagogik und der Sozialarbeits- wissenschaft die disziplinäre Auseinandersetzung mit den Lebenswissenschaften zu suchen und auf- zunehmen (Mührel 2009). Auch in dieser Auseinan- dersetzung wird die Bewahrung einer humanen und demokratischen Lebenskultur auf der Grundlage eines offenen Menschenbildes entscheidend sein, damit einer Technokratisierung der Lebenswelt im Zusammenhang mit einer biotechnologischen Per- fektionierung des Menschen entgegen gewirkt wer- den kann. Literatur Aurel, M. (2004): Wege zu sich selbst. 3.Aufl. Patmos, Düs- seldorf Blumenberg, H. (1981): Lebenswelt und Technisierung unter Aspekten der Phänomenologie. In: Blumenberg, H.: Wirklichkeiten, in denen wir leben. Reclam, Stuttgart, 7–54 Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2008): Lebenswissenschaften. In: http://www.bmbf.de/ de/1237.php, 05.03.2010 Capurro, R. (1995): Leben im Informationszeitalter. Akade- mie Verlag, Berlin. Dungs, S. (2009): Soziale Arbeit zwischen aktivierender Sozi- alpolitik und determinierender Biopolitik. Einsprüche ge- gen die fortschreitende Zergliederung des Menschen. In: Dungs, S., Gerber, U., Mührel, E. (Hrsg.): Biotechnologie in den Kontexten der Sozial- und Gesundheitsberufe. Pro- fessionelle Praxen – Disziplinäre Nachbarschaften – Ge- sellschaftliche Leitbilder. Lang, Frankfurt/M., 35–62 – (2006): Anerkennen des Anderen im Zeitalter der Media- tisierung. Sozialphilosophische und sozialarbeitswissen- schaftliche Studien im Ausgang von Hegel, Lévinas, Butler, Žižek. Lit, Frankfurt/M. –, Gerber, U., Mührel, E. (Hrsg.) (2009): Biotechnologie in den Kontexten der Sozial- und Gesundheitsberufe. Pro- fessionelle Praxen – Disziplinäre Nachbarschaften – Ge- sellschaftliche Leitbilder. Lang, Frankfurt/M. Feuerstein, G., Kollek, R. (2001): Vom genetischen Wissen zum sozialen Risiko: Gendiagnostik als Instrument der Biopolitik. Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“ 27, 26–33 Foucault, M. (2007): Ästhetik der Existenz. Schriften zur Lebenskunst, Suhrkamp, Frankfurt/M. Gamm, G. (2009): ImZeitalter der Extreme. Eine Geschichte philosophischen Denkens im 20. Jahrhundert. Primus Verlag, Darmstadt. Lemke, Th. (2007): Biopolitik zur Einführung. Junius Ver- lag, Hamburg Mührel, E. (2009): „Was ich liebte.“ Epilog zur Bestimmung der Sozialpädagogik. In: Mührel, E., Birgmeier, B. (Hrsg.): Theorien der Sozialpädagogik – ein Theorie-Dilemma? VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 185–199 – (2008): Verstehen und Achten. Philosophische Reflexionen zur professionellen Haltung in der Sozialen Arbeit. 2.Aufl. Die Blaue Eule, Essen – (2006): Sozialpädagogik und gesellschaftliche Partizipation: pädagogisch reflektierte und organisierte Sozialisation. Soziale Arbeit 3, 100–104 – (2005): Eigenverantwortung – Anmerkungen zur Ambiva- lenz einer neuen Kultur des Sozialen. neue praxis 6, 676– 681 Müller, C. (2005): Sozialpädagogik als Erziehung zur Demo- kratie. Ein problemgeschichtlicher Theorieentwurf. Klink- hardt, Bad Heilbrunn Reyer, J. (2003): Eugenik und Pädagogik. Erziehungswissen- schaft in einer eugenisierten Gesellschaft. Juventa, Wein- heim Sandel, M.J. (2008): Plädoyer gegen die Perfektion. Ethik im Zeitalter der genetischen Technik. University Press, Berlin Schäfer, D. (2009): Genetische Beratung bei erblichem Brust- und Eierstockkrebs. In: Dungs, S., Gerber, U., Mührel, E. (Hrsg.): Biotechnologie in den Kontexten der Sozial- und Gesundheitsberufe. Professionelle Praxen – Disziplinäre Nachbarschaften – Gesellschaftliche Leitbilder. Lang, Frankfurt/M., 63–83 Schaub, H.-A. (2008): Klinische Sozialarbeit. Ausgewählte Theorien, Methoden und Arbeitsfelder in Praxis und For- schung, V&R unipress, Göttingen Schmid, W. (2007): Philosophie der Lebenskunst. Eine Grundlegung. 10.Aufl. Suhrkamp, Frankfurt/M. – (2004): Mit sich selbst befreundet sein. Von der Lebens- kunst im Umgang mit sich selbst. 3.Aufl. Suhrkamp, Frankfurt/M. Schöne-Seifert, B., Ach, J.S., Opolka, U., Talbot, D. (Hrsg.) (2008): Neuro-Enhancement. Ethik vor neuen Heraus- forderungen. Mentis, Paderborn Sennett, R. (1998): Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin Verlag, Berlin
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