Handbuch 5. Auflage
Anwaltschaft 99 schriebene Rezeption von Konzepten, die die Rechte von Bürgerinnen und Bürgern betonen und sogar aus der Bürgerrechtsbewegung hervorgegan- gen sind, kann als ein solcher Versuch interpretiert werden. Dabei zeigt sich jedoch, dass Fachkräfte diese Impulse zwar suchen und demokratische For- derungen formulieren, durch professionelle Verar- beitungsmuster diese Konzepte aber entschärfen und an die institutionellen Strukturen und profes- sionellen Deutungs- und Handlungsmuster anpas- sen. Strukturelle Spannungsfelder und Asymmet- rien sind weder konzeptionell noch methodisch zu lösen – man kann nur reflexiv mit ihnen umgehen. Anwaltschaft erfordert eine kritische Begleitung des eigenenTuns, eine ehrliche Auseinandersetzung damit, in wessen Auftrag und nach welchen Inter- essen im Einzelfall gehandelt wird und die Offenle- gung dessen. Euphemismen hingegen verschleiern die Ausübung von Macht und hindern damit das Gegenüber daran, einseitige Interessen zu themati- sieren und sich dagegen zu verwehren. Dies erhöht die Gefahr des Machtmissbrauchs und schadet da- mit den KlientInnen. In der aktuellen Entwicklung wird nun – dies zeigt die Entwicklung von Ombuds- und Beschwerde- stellen – daran gearbeitet, beim Gestalten von Or- ganisationen und Institutionen der Sozialen Arbeit Anwaltschaft in Strukturen und Handlungsorien- tierungen zu verankern. Hoffnungen, hiermit das Problem oder gar das Spannungsfeld zu lösen, müs- sen jedoch enttäuscht werden. Auch diese Versuche werden weder die der Sozialen Arbeit zugrunde lie- genden Strukturen verändern noch Fachkräfte ihrer daraus resultierenden Verantwortung entheben. Damit in der Sozialen Arbeit die Perspektive und die Rechte der AdressatInnen gewahrt werden, braucht es eine Selbstverpflichtung der Fachkräfte zu anwaltschaftlichem Handeln. Literatur Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ (Hrsg.) (2010): Abschlussbericht des RundenTisches „Hei- merziehung in den 50er und 60er Jahren“. AGJ, Berlin Arnstein, S. R. (1969): A Ladder of Citizen Participation. Journal of the American Institute of Planners 35 (4), 216– 224 BMFSFJ (Hrsg.) (2002): Elfter Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland, Berlin Elias, N. (1970/2004): Was ist Soziologie? Juventa, Wein- heim/München Hartwig, L., Merchel, J. (Hrsg.) (2000): Parteilichkeit in der Sozialen Arbeit. Waxmann, New York /München / Berlin Hartwig, L., Weber, M. (2000): Parteilichkeit als Konzept der Mädchen- und Frauenarbeit. In: Hartwig, L., Merchel, J. (Hrsg.), 25–48 Klausch, P., Struck, N. (2002): „Dachorganisationen“ der So- zialen Arbeit – eine Übersicht. In: Thole, W. (Hrsg.): Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch. Leske und Budrich, Opladen, 465–479 Kucsko-Stadlmayer, G. (Hrsg.) (2008): Europäische Om- budsman-Institutionen. Eine rechtsvergleichende Unter- suchung zur vielfältigen Umsetzung einer Idee. Springer, Wien/New York Merchel, J. (2000): Parteilichkeit: ein problematisches Prin- zip für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit. In: Hartwig, L., Merchel, J. (Hrsg.), 49–68 Merten, R. (Hrsg.) (2001): Hat Soziale Arbeit ein politisches Mandat? Positionen zu einem strittigen Thema. Leske und Budrich, Opladen Mielenz, I. (1981): Die Strategie der Einmischung – Soziale Arbeit zwischen Selbsthilfe und kommunaler Politik. In: Neue Praxis, Sonderheft 6, 57–66 Münchmeier, R. (1981): Zugänge zur Geschichte der Sozial- arbeit. Juventa, München Plewig, H.-J. (2013): Jugendgerichtshilfe. In: Kreft, D., Mie- lenz, I. (Hrsg.): Wörterbuch Soziale Arbeit. Aufgaben, Pra- xisfelder, Begriffe und Methoden der Sozialarbeit und So- zialpädagogik. Beltz Juventa, Weinheim/Basel, 480–485 Pluto, L. (2007): Partizipation in den Hilfen zur Erziehung. Eine empirische Studie. Deutsches Jugendinstitut, Mün- chen Rappaport, J. (1985): Ein Plädoyer für die Wirklichkeit: Ein sozialpolitisches Konzept des „empowerment“ anstelle prä- ventiver Ansätze. Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis 17 (2), 257–278 Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Ein- richtungen und im familiären Bereich (2011): Abschluss- bericht, Berlin Scherr, A. (2006): Annäherungen an Kritikbegriffe einer kri- tischen Sozialen Arbeit. Widersprüche, Heft 100, 26 (2), 169–178 Thiersch, H. (2006): Die Erfahrung der Wirklichkeit. Pers- pektiven einer alltagsorientierten Sozialpädagogik. Juventa, Weinheim/München Thiersch, H. (2002): Positionsbestimmungen der Sozialen Arbeit. Gesellschaftspolitik, Theorie und Ausbildung. Ju- venta, Weinheim/München Thiersch, H. (1990): Moral als moralisch inspirierte Kasuis- tik. In: Müller, B., Thiersch, H. (Hrsg.): Gerechtigkeit
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