Handbuch 5. Auflage

Mediation als Konflikthilfe  1005 Vermittlung und Mediation als Konflikthilfe Internationale und interdisziplinäre Entwicklungslinien Ausgehend von den USA stellt sich seit den 1970er Jahren die zunehmende Verbreitung von Ansätzen der Konfliktvermittlung als Alternative zum Rechtsstreit (engl. ADR – Alternative Dis- pute Resolutions) v. a. als eine interdisziplinäre und internationale Entwicklung dar, wobei sich als wichtigster methodischer Ansatz die Mediation etabliert. In Deutschland gerät dieser Ansatz seit Mitte der 1980er Jahre in den Fokus und wird zunächst in Form des Täter-Opfer-Ausgleichs im Jugendstrafrecht (ab 1985) und dann der Schei- dungsmediation (ab 1988) an zwei wichtigen Schnittstellen von Justiz und Sozialer Arbeit mo- dellhaft erprobt. Im April 2008 hat das Europäi- sche Parlament eine Mediationsrichtlinie ver- abschiedet, deren Ziel es ist, aktiv den Einsatz der Mediation zu fördern und für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mediation und Gerichtsver- fahren zu sorgen. Das Bundesministerium der Justiz hat eine Expertenkommission eingesetzt, welche aktuell die Vorarbeiten für ein deutsches Mediationsgesetz leistet. Für die Entwicklung der Mediation in Deutschland ist zu konstatieren, dass sich die Soziale Arbeit als das Tätigkeitsfeld mit dem breitesten Anwendungs- spektrum und der bei weitem häufigsten Anwen- dung von Mediation darstellt. Mediation setzt sich hier zunehmend durch, weil es den Konfliktbetei- ligten ermöglicht, autonom über die eigenen Be- lange zu entscheiden, indem sie bei der Konfliktaus- handlung durchVermittlung undGesprächsführung unterstützt werden. Diese Eigenschaft als partizipa- tives, respektvoll an den Betroffenen orientiertes Verfahren führt u.a. dazu, dass Mediation auch zu- nehmend zur Klärung von Mitarbeiterkonflikten und zur Mitarbeiterführung eingesetzt wird, auch in Kombination mit oder als Ergänzung zur Super- vision (Iser 2008). Mediation als Methode im Kontext Sozialer Arbeit Von den gleichen kommunikationstheoretischen Grundlagen ausgehend wie die beratenden Ansätze (s. o.), beschreibt Mediation ein Verfahren zur Ver- mittlung in Streitfällen durch sich allparteilich ver- haltende (oft professionelle) Dritte, die von allen Konfliktparteien als Vermittler akzeptiert werden. Die vermittelnden Mediator(inn)en fällen hierbei kein (Schieds-)Urteil, sondern unterstützen die Konfliktparteien dabei, einvernehmliche Regelun- gen zum beiderseitigen Vorteil zu finden. Sie über- nehmen die Verantwortung für die Gestaltung des Verhandlungsprozesses, während die Verantwor- tung für das Ergebnis bei den Konfliktparteien ver- bleibt. Mediation hat damit eine große inhaltliche Nähe zu den Handlungsmaximen Sozialer Arbeit. Da zudem – zumindest im Erleben vieler Fach- kräfte – die Konflikthaftigkeit in den Handlungs- feldern der Sozialen Arbeit stetig zunimmt, be- schert dies der Mediation hohe Aufmerksamkeit und Attraktivität gerade auch innerhalb der Sozia- len Arbeit. Beginnend mit den ersten Modellver- suchen hat die Mediation in Deutschland daher rasch Eingang in zahlreiche Arbeitsfelder der Sozia- len Arbeit gefunden, z. B. als Familienmediation, v.a. bei Eltern-, Sorgerechts- ■ ■ und Scheidungskonflikten, Schulmediation, v.a. in Form der Einrichtung und ■ ■ Begleitung von Schüler-Steitschlichter-Program- men sowie der Konfliktmoderation in Klassen, Gemeinwesen- und Stadtteilmediation, v.a. im in- ■ ■ terkulturellen Kontext und bei Nachbarschaftskon- flikten, Mediation im Kontext betrieblicher Sozialarbeit, ■ ■ v.a. bei Team-, Arbeitsplatz- und Mitarbeiterkon- flikten, Mediation in und zwischen Organisationen, v.a. ■ ■ bei Ziel- und Planungskonflikten zwischen Koope- rationspartnern, Einrichtungen oder Abteilungen, Mediation nach Straftaten, v.a. in der Form des Tä- ■ ■ ter-Opfer-Ausgleichs. Im Vergleich zu den ebenfalls zahlreich entstande- nen spezialisierten Mediationsangeboten privater Dienstleister ist Mediation im Kontext Sozialer Ar- beit hierbei oftmals dadurch gekennzeichnet, dass

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