Handbuch 5. Auflage

1009 Medien und Soziale Arbeit Von Hans-Jürgen von Wensierski Einen konstitutiven Zusammenhang zwischen So- zialer Arbeit und Medien, Medientheorie oder Medienpädagogik gibt es nicht. Im Zuge einer forcierten und umfassenden Mediatisierung der Lebenswelten, insbesondere von Kindern und Ju- gendlichen, und auf dem Hintergrund der steigen- den Bedeutung technischer, audiovisueller und onlinegestützter Medien in pädagogischen Hand- lungsfeldern kommt allerdings den Medien, insbe- sondere den „Neuen Medien“ auch eine wachsende Bedeutung innerhalb der Sozialen Arbeit zu. Ein systematischer wissenschaftlicher Diskurs über den Zusammenhang von Medien und Sozialer Arbeit lässt sich indes nicht nachzeichnen. Ein einziger Sammelband widmet sich bisher diesem Themen- komplex (Cleppien / Lerche 2010). Ein Struktur- wandel sozialarbeiterischer Arbeitsfelder durch In- formationstechnologien ist – anders als im Bankensektor – nicht in Sicht, auch wenn einzelne Autoren in der Online-Beratung ein zukunftswei- sendes Segment sehen (Gehrmann 2010). Die Einführung spezifischer Software für Diagnostik­ aufgaben oder Sozialadministration steht noch ganz am Anfang oder beschränkt sich weitgehend auf das Sozialmanagement. Eine eigenständige Theoriebildung über mediale Dimensionen Sozia- ler Arbeit gibt es ebenso wenig wie eine spezifische sozialpädagogische Mediendidaktik. Medien und Soziale Arbeit – das ist vor allem die Frage nach der BedeutungvonMediensozialisation,Medienpädago­ gik und Medienbildung im Kontext der Zielgrup- pen und Handlungsfelder der Sozialen Arbeit. Medien, Kommunikation und Mediengesellschaft Medien werden sowohl alltagssprachlich als auch im Kontext der Medienpädagogik gemeinhin als Gruppenbegriff für die Gesamtheit instrumentel- ler oder technischer Informations- und Kom- munikationsmittel verstanden. Das umfasst die traditionellen Schrift- und Bildmedien ebenso wie die modernen technischen, audiovisuellen Mas- senmedien. Industrialisierung und der technologi- sche Fortschritt im Bereich der elektrischen, elek- tronischen und später dann digitalisierten Medienkanäle und Medieninhalte sorgten seit dem 19. Jahrhundert sukzessive für eine Auf- hebung der örtlichen und zeitlichen Beschränkun- gen menschlicher Kommunikation. Das Internet erweist sich vor diesem Hintergrund als vorläu- figer Endpunkt einer umfassenden Globalisierung sozialer Kommunikation und zugleich als abseh- bare Vollendung einer technischen Synthese aller bis dato verfügbaren technischen Medien, Me- dienformate und Medieninhalte. Der historische Quantensprung dieser medialen Revolution be- steht nicht nur in der universellen und alltags- praktischen Verfügbarkeit weltweiter Kommuni- kationen für jeden Bürger, sondern tendenziell auch in der individuellen und weitgehend schran- kenlosen Erreichbarkeit eines großen Teils des (öffentlichen) wissenschaftlichen, kulturellen und sozialen Menschheitswissens für jedes einzelne In- dividuum. Die Erweiterung der Kommunikations- möglichkeiten für die Individuen wirkt gewisser- maßen in beide Richtungen – nach innen wie nach außen. Zum einen wird Kommunikation in Realzeit rund um den Erdball zum selbstverständ- lichen Bestandteil der Alltagserfahrung; zum an- deren wirkt der Einfluss dieser grenzenlosen Kom- munikationsfähigkeit auch auf die intimste und Otto/Thiersch (Hg.), Handbuch Soziale Arbeit, 5.A., DOI 10.2378/ot4a.art094, © 2011, 2015 by Ernst Reinhardt, GmbH&Co KG, Verlag, München

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