Handbuch 5. Auflage
Methoden der Sozialen Arbeit 1023 Arbeit thematisieren jene Aspekte im Rahmen so- zialpädagogischer / sozialarbeiterischer Konzepte, die auf eine planvolle, nachvollziehbare und damit kontrollierte Gestaltung von Hilfeprozessen abzie- len und die daraufhin zu überprüfen sind, inwie- weit sie dem Gegenstand, den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, den Interventionszielen, den Erfordernissen des Arbeitsfeldes, der Institu- tionen, der Situation sowie – vorrangig – den be- teiligten Personen gerecht werden. Rahmenbedingungen methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit voll- zieht sich unter Rahmenbedingungen, die durch spezifische Anforderungen und Widersprüche ge- kennzeichnet sind. Fasst man die wesentlichen Be- funde der einschlägigen Fachdiskussion zusammen, so lässt sich die Soziale Arbeit in Abgrenzung zu anderen Professionen durch vier Merkmale ver- dichtet charakterisieren (Galuske 2009, 36 ff.). Als erstes Merkmal ist die Allzuständigkeit zu nen- ■ ■ nen, d.h. alles was das (Alltags-)Leben an Proble- men hergibt, kann zum Gegenstand sozialpäd agogischer Intervention werden. In der Tat lässt sich zeigen, dass in der Entwicklung der Sozialen Arbeit sowohl auf der Makroebene der Arbeitsfel- der wie auch auf der Mikroebene der alltäglichen Intervention eine Ausweitung von Themen, Ge- genständen und Problemen stattgefunden hat. Haushaltsmanagement, berufliche Integration, Schulprobleme, fehlender Wohnraum, Zukunfts- planung, Suchtprobleme, materielle Unterversor- gung, Sinnfragen, Erziehungs- und Beziehungs- probleme – kurz: kein Alltagsproblem, das nicht zum Gegenstand Sozialer Arbeit werden kann, in- sofern (a) die „gewachsenen“ Ressourcen des so- zialen Bedarfsausgleichs nicht ausreichen, die „Problemlage“ aus eigener Kraft zu bewältigen und (b) das Problem im öffentlichen und politi- schen Diskurs als bearbeitungswürdiges Problem wahrgenommen und anerkannt wird. Das zweite Merkmal der Sozialen Arbeit ist ihre All- ■ ■ tagsorientierung. Der Alltag gibt den Rahmen und die Regeln der Fallbearbeitung vor, da die Soziale Arbeit typischerweise alltagsnah agiert. Insofern „ähnelt das, was Sozialarbeiter tun, auch den all- täglichen Handlungen von Laien, von Nachbarn, Müttern und Freunden“ (Meinhold 1988, 70). Da- raus resultiert für die Soziale Arbeit die Schwierig- keit, „Kompetenzansprüche in Bezug auf Probleme durchzusetzen, die solche des täglichen Lebens sind und damit einer kulturell vermittelten Lebens- praxis. Für ein Laienpublikum ist es schwer einseh- bar, daß es hier besonderer Fähigkeiten oder be- sonderer ‚Experten‘ bedarf. Die Wissensbasis eines solchen Expertentums ist für die Öffentlichkeit nicht durchschaubar. Und entsprechend ist das öf- fentliche Ansehen des Berufs geringer als das des Arztes oder des Rechtsanwalts“ (Gildemeister 1995, 30). Das dritte Merkmal Sozialer Arbeit ist insbesondere ■ ■ von der Dienstleistungstheorie (Olk / Otto 2003) he- rausgearbeitet worden, nämlich der Status des Klienten als Co-Produzent. Personenbezogene so- ziale Dienstleistungen sind demnach u.a. durch das Uno-actu-Prinzip gekennzeichnet. „So kann – im Unterschied zur materiellen Sachgüterproduk- tion – der Produzent der persönlichen Dienstleis- tung nicht autonom über die Faktoreneinsätze dis- ponieren, denn der Produktionsfaktor Klient ist gleichsam ‚extern‘ und muß von Leistung zu Leis- tung neu mobilisiert werden. Dieser externe Pro- duktionsfaktor bleibt auch ‚Eigentum‘ des Klienten, er kann in der Regel nicht gezwungen werden, sich physisch oder psychisch an der Leistungserbrin- gung zu beteiligen. Deshalb ist die Qualität der Leistung in hohem Maße mitbedingt durch die Ko- operationswilligkeit des Klienten, aber auch seine Kooperationsfähigkeit. Verbesserung der Erbrin- gung persönlicher Dienstleistungen heißt also im- mer auch Verbesserung der Kooperation zwischen Produzent und Klient.“ (Badura/Gross 1976, 69) Für die Methodenfrage ist in diesem Zusammen- hang die auf dem Hintergrund der Systemtheorie vertretene These vom Technologiedefizit des Erzie- hungssystems von besonderer Bedeutung. Der Kern der These vom Technologiedefizit besagt, dass er- zieherisches Handeln nicht über Technologien ver- fügen kann, mit denen es möglich ist, dass ein (per- sonales) System ein anderes (personales) System durch gezielte Intervention sicher von einem Zu- stand A in einen vorher definierten Zustand B trans- formiert (Luhmann / Schorr 1982). Die Ursachen hierfür liegen u.a. in der operationalen Geschlos- senheit von Systemen, d.h. Systeme sind selbst
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