Handbuch 5. Auflage

1028 Galuske  die Gesellschaft einschließlich der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes zu aktivieren, zu fordern und zu fördern, sich selbst als Problemlöser zu en- gagieren.“ Durch mehr marktförmige, konkurrenz- orientierte Steuerungsformen (statt staatlicher Re- gulation) und mehr Selbstverantwortung der Betroffenen (verstanden als Fähigkeit und unbe- dingte Bereitschaft zur Teilhabe am Arbeitsmarkt) sollen die sozialstaatlichen Leistungen effektiver und effizienter gestaltet werden. Die hier nur stichwortartig angedeuteten Entwick- lungen sind für die Soziale Arbeit in zwei zentralen Punkten folgenreich: Auf der Ebene der Organisation und Finanzierung ■ ■ Sozialer Arbeit werden die etablierten korporatisti- schen Strukturen des Sozialsektors durch Konkur- renz, kosten- und leistungsorientierte Auftrags- und Mittelvergabe und die Öffnung für privatgewerbliche Anbieter in Richtung auf ein in- szeniertes Marktmodell verändert. Wettbewerb und Konkurrenz sollen die Anbieter sozialer Dienst- leistungen vor allem zu mehr Kostenbewusstsein und Effizienz motivieren. Dies führt zu einem Pro- zess der Ökonomisierung der Sozialen Arbeit und ihrer Denk- und Handlungsformen. Auf der Ebene der Ziele und Inhalte wird Soziale ■ ■ Arbeit eingeschworen auf die Programmatik des aktivierenden Sozialstaates, der sich nicht an der umfassenden Förderung „gelingenderen Alltags“ orientiert, sondern die Arbeitsfähigkeit als Kern von Selbstständigkeit im flexiblen Kapitalismus in den Mittelpunkt stellt. Soziale Arbeit soll präventiv, fördernd und fordernd, kurativ, kontrollierend und sanktionierend die Anerkennung dieses Normali- tätsmusters sichern und den Einzelnen in seiner Konkurrenzfähigkeit am Arbeitsmarkt stär- ken – perspektivisch von Kindesbeinen an. In die- sem Kontext erleben wir unter anderem eine Rück- kehr der fürsorglichen Belagerung als methodisches Prinzip. Welche Konsequenzen diese Aspekte für die Me- thodendiskussion in der Sozialen Arbeit mit sich bringen, soll im Folgenden beispielhaft illustriert und diskutiert werden. Konsequenzen der Ökonomisierung für die Methodenentwicklung Ökonomisierung ist die Chiffre für „einen Prozess der betriebswirtschaftlichen Umstrukturierung bzw. Neusteuerung der Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe. Der zentrale Fokus dieses Öko- nomisierungsprozesses gilt einer Reduzierung des Einsatzes der Mittel und zielt auf eine Privatisie- rung des Feldes“ (Kessl 2002, 1117). Die Logik der Ökonomisierung des Sektors sozialer Dienstleis- tungsproduktion folgt dem Credo des aktivieren- den Staates, dass die auf Konkurrenz angelegten Mechanismen des freien Marktes zu einer effekti- veren Produktion führen als die als statisch diskre- ditierten Instrumente staatlich-bürokratischer Steuerung. Folglich wird allen Feldern, Trägern und Akteuren das „Heilmittel“ der Vermarkt- lichung verschrieben. Die Instrumente, mit denen die marktorientierte Aktivierung der Sozialen Ar- beit inszeniert wurde und wird, sind unter den Be- griffen Verwaltungsmodernisierung bzw. Neue Steuerung bekannt, und die einschlägigen Werk- zeuge wie das Kontraktmanagement, Benchmar- king, Budgetierung oder Qualitätsmanagement prägen den Alltag in allen Arbeitsfeldern der Sozia- len Arbeit und haben als Anforderung an die An- bieter sozialer Dienstleistungen mittlerweile Ein- gang in alle Sozialgesetze gefunden (z. B. SGB VIII §78 b+ c; SGB XII §75). An drei Beispielen soll veranschaulicht werden, welcher Logik die Konzepte, Methoden und Tech- niken der Ökonomisierung folgen: a) der psycho- sozialen (Neo-)Diagnostik, b) der Qualitätssiche- rung und c) der Wirkungsorientierung. a) Das neue Modell der Steuerung der sozialen Dienstleistungsproduktion basiert auf der An- nahme, dass es mit genügend Wissen um den Ein- zelfall einerseits und der spezifischen Wirksamkeit unterschiedlicher Hilfen andererseits möglich ist, Hilfeprozesse kalkulierbarer und beherrschbarer zu gestalten. Dies dient sowohl dem Klienten, dem passgenau(er) geholfen wird, als auch der Effizienz- steigerung der Hilfen und damit den belasteten Sozialkassen. In der Logik dieses Modells kommt notwendigerweise der genauen Eingangsanalyse des Einzelfalls eine Schlüsselrolle zu. Nur wenn eine verlässliche Bestandsaufnahme und Bewertung am Beginn des Hilfeprozesses steht, ist eine rational gestaltete Unterstützung überhaupt denkbar und

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