Handbuch 5. Auflage

Neurobiologie 1117 zusammengefasst für beide Hemisphären aus Singer et al, 2006, Fig. 2c, d). Die gleichen Bereiche zeigen sich ebenfalls aktiviert, wenn der Spieler eine unbe- kannte, faire Person Schmerzen erleben sieht. Ge- genüber unfairen Mitspielern empfanden die Ver- suchspersonen weniger Empathie und entsprechend war ihr Schmerznetzwerk (neurobiologische Daten aus dem MRT) weniger aktiv, wenn sie sahen, wie der Mitspieler Schmerzen empfand. Dieser Unterschied war bei Männern deutlicher als bei Frauen. Dies war keineswegs der einzige Unter- schied zwischen Männern und Frauen, denn ein Vergleich von Arealen, die bei Belohnung und posi- tiven Emotionen aktiviert sind, zeigte bei Männern, nicht jedoch bei Frauen, eine stärkere Aktivierung, wenn sie sahen, wie ein Mitspieler, der sie zuvor unfair behandelt hatte, Schmerzen empfand, vergli- chen mit der Beobachtung eines fairen Mitspielers, der Schmerzen empfand. Männer erwiesen sich als schadenfreudiger, was zu Rachsucht im Fragebogen passte. Die Autoren kommentieren ihre Ergebnisse wie folgt (Singer et al. 2006, 467; Übersetzung durch den Autor): „Unsere Daten liefern neurobiologische Hinweise dazu, wie Fairness in sozialen Interaktionen die emotionalen Be- ziehungen zwischen Menschen beeinflusst. Unsere Ergeb- nisse zeigen, dass Kooperation diese emotionalen Bezie- hungen fördert, egoistisches Verhalten hingegen, das anderen schadet, schwächt diese emotionalen Beziehun- gen (zumindest bei Männern), so dass empathische Re- aktionen im Gehirn gemindert werden oder völlig ver- schwinden.“ Abb. 2:  Gehirnschnitt (links) mit schematisiert dargestellter Aktivierung des Schmerznetzwerkes durch das Beobachten, wie ein fairer bzw. unfairer Mitspieler selbst Schmerzen empfindet 0 1 2 -1 fairer unfairer Mitspieler Aktivierung der Insel Männer Frauen Möglicherweise sind Männer in diesen Dingen sensibler, weil es ihnen aufgrund ihrer physischen Statur und größeren Körperkraft eher möglich ist, tatsächliche Bestrafungen vorzunehmen. Singer beschließt ihre Arbeit entsprechend mit dem Satz: „[…] diese Daten könnten auf die besondere Rolle von Männern bei der Aufrechterhaltung von Ge- rechtigkeit und Bestrafung von Normverletzungen in menschlichen Gesellschaften hinweisen“ (Singer et al. 2006 468; Übersetzung durch den Autor). Normen und ihre Einhaltung Eine etwa zur gleichen Zeit publizierte Studie an Affen stützt diese Vermutung (Flack et al. 2006). Untersucht wurde die Auswirkungen der An- bzw. Abwesenheit einer Art „Polizei“ auf das Leben in der Gemeinschaft bei den sogenannten Schweins­ affen ( Macaca nemestrina ), einer Primatenart aus der Unterordnung der Altweltaffen, die in Grup- pen von 50 und mehr Tieren leben. Zunächst wurde eine große Gruppe von 84 Affen für ge- raume Zeit beobachtet, um die Hierarchie in der Gruppe kennen zu lernen. Es wurde deutlich, dass drei starke männliche Tiere an der Spitze der Grup- penhierarchie standen und bei Konflikten zwischen anderen Gruppenmitgliedern oft Streit schlichte- ten (ohne zu kämpfen, ihre bloße Anwesenheit genügte). Im Rahmen eines Experiments wurden dann diese drei „Polizisten“ aus der Gruppe ent- fernt, was zur Folge hatte, dass sich das Leben in der Gruppe deutlich änderte: Die Zahl gewalttäti-

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