Handbuch 5. Auflage

1120 M. Spitzer  alle Menschen – einschließlich übrigens der Mehr- heit der schwarzen Bevölkerung – schwerer als die andere, denn wir sind es gewohnt, weiße Menschen positiver zu betrachten als schwarze, auch wenn wir dies nicht wahrhaben wollen und uns bewusst gegen solche Vorurteile wehren. Die Gesellschaft ein- schließlich der Medien hat uns mit genügend Er- fahrungen versorgt, die in uns entsprechende Spuren hinterlassen haben. Auch wenn wir diese bewusst ablehnen, sind sie deswegen noch lange nicht ver- schwunden. Die Spuren sind vielmehr noch immer da, und man kann sie durchTests wie den IAT nach- weisen. Der Unterschied in den Reaktionszeiten und Fehlern unter der Bedingung „weiß-posi- tiv/schwarz-negativ“ und der Bedingung „schwarz- positiv/weiß-negativ“ zeigt das Ausmaß automati- scher Reaktionstendenzen einer Person an und lässt 535 511 542 603 545 586 577 Stimulus Reaktion Zeit Schönheit Greg dreckig Tyrone Lakisha hässlich Nancy Gesundheit Bedingung 1 Bedingung 2 514 Abb. 3:  Schematische Darstellung der Aufgabe (IAT) zur Messung impliziter Assoziationen (nach Gehring et al. 2003) sich damit als ein Maß für deren unbewusste Vorur- teile gegenüber Schwarzen verwenden. Nachdem die Versuchspersonen diesen Test hinter sich hatten, wurden sie jeweils von einem schwarzen Versuchsleiter gebeten, das System der Bruderschaf- ten sowie die Profile der unterschiedlichen Volks- gruppen (Rassen) an ihrer Universität zu diskutieren. Eine andere Gruppe diskutierte diese Fragen da- gegen mit einem weißhäutigen Versuchsleiter. Danach wiederum mussten die Versuchspersonen den bekannten Stroop-Farbwort-Farbe-Benennungs- Test durchführen. Bei diesem auf den Amerikaner John Ridley Stroop (1935) zurückgehenden Test muss die Versuchsperson die Farbe von Wörtern benennen, bei denen es sich um Farbwörter han- delt, die in der falschen Farbe gedruckt sind. Das Wort „Rot“ ist also beispielsweise in grüner Farbe

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