Handbuch 5. Auflage
Neurobiologie 1121 gedruckt und es soll die Farbe, also „Grün“, be- nannt werden. Dieser Test misst, wie gut man dazu in der Lage ist, eine automatische Reaktion entlang eingeschliffener Spuren (eben das Lesen eines Wor- tes) zu unterdrücken und stattdessen willentlich eine andere weniger naheliegende Reaktion aus- zuführen. Er bestimmt daher das Ausmaß an ko- gnitiver Kontrolle , die eine Person zu leisten im Stande ist. Dafür braucht jede Person einen gewis- sen mentalen Aufwand, was recht ermüdend sein kann. Andererseits ist die Kapazität zu solchem Aufwand begrenzt, weswegen man im Stroop-Test schlechter ist, wenn man zugleich noch etwas An- deres tun muss ( Dual-Task -Aufgabe). Wird also beispielsweise kognitive Kontrolle im Umgang mit einem schwarzen Versuchsleiter be- nötigt, dann steht sie nicht mehr für den Stroop- Test zur Verfügung. Je mehr rassistische Vorurteile jemand hat und je mehr er sich beim Umgang mit dem schwarzen Versuchsleiter „am Riemen reißen“ muss, um seine Vorurteile im Zaun zu halten, desto 100 200 300 400 0 -0,4 -0,1 0 0,1 0,2 0,3 IAT-Wert (Ausmaß rassistischer Vorurteile) Signaländerung (%) im re. DLPFC r = 0,53 -0,3 -0,2 100 200 300 400 0 -0,2 -0,1 0 0,1 0,2 0,3 IAT-Wert (Ausmaß rassistischer Vorurteile) Signaländerung (%) im re. ACC r = 0,44 a b c d Abb. 4: Abb. 4: (a) Aktivierung beim Betrachten schwarzer versus weißer Gesichter im mittleren Gyrus des dorsolateralen präfron- talen Kortex und im vorderen rechten Gyrus cinguli. (b) Korrelation der rassenbezogenen Vorurteile (IAT) und der Aktivie- rung des rechten anterioren Gyrus cinguli (r = 0,44; p = 0,05) sowie (c) des rechten mittleren frontalen Gyrus (r = 0,53; p < 0,05). Es fanden sich keine weiteren signifikanten Korrelationen (nach Richeson et al. 2003). schlechter sollte er daher im Stroop-Test direkt da- nach abschneiden: Er hat seine Kontroll-Ressour- cen schon auf das Zähmen seiner Vorurteile (d. h. seiner automatischen Reaktionstendenzen) ver- wendet. Genau so war es auch: Die Korrelation zwischen dem IAT-Wert (als Maß für die Stärke der Vorurteile einer Person) und der Stroop-Interferenz betrug 0,67 (p<0,01). Wer nach demTest der Vor- urteile mit einem weißen Versuchsleiter über Bru- derschaften und Rassenprofile diskutierte, zeigte hingegen keine solche Abhängigkeit der Leistung im Stroop-Test von der Stärke der Vorurteile: Man kann dies als Indiz dafür werten, dass diese Ver- suchspersonen sich (beim Umgang mit einem weißhäutigen Menschen) nicht kontrollieren mussten und daher die Ressourcen ihrer kognitiven Kontrolle (man könnte auch sagen: ihren Grips) ganz auf den Stroop-Test verwenden konnten. Innerhalb von zwei Wochen nach dem beschriebe- nen Experiment wurde bei allen Probanden eine Untersuchung mittels fMRT durchgeführt, deren
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