Handbuch 5. Auflage

1132  Öffentlichkeit(en) Von Franz Hamburger Die Wissenschaften von der Öffentlichkeit Die Wissenschaften von der Öffentlichkeit be­ fassen sich mit der Gesamtheit der menschlichen Kommunikation und orientieren sich dabei an Grundbegriffen wie Medien, Kommunikation und Publizität. Das Modell der Kommunika­ tionswissenschaft (Beck 2007) geht von einer Grundlegung menschlichen Handelns durch Verständigung aus und versteht diesen Prozess als Austausch von Bedeutungen durch Zeichen, Symbole, Signale, Informationen. Zur Differen- zierung des allgemeinen und umfassenden Begriffs von Kommunikation ist die Unterscheidung zwischen interpersonaler und Medien-Kommuni­ kation zentral, wobei die Zwischenform der me- dial vermittelten interpersonalen Kommunikation mit Handy und Internet große Bedeutung hat. Mit der Medien-Kommunikation findet der Übergang in die öffentliche Kommunikation der Publizität statt. Der medienwissenschaftliche Zugang (Leonhard et al. 1999) ist ähnlich fundamental angelegt, wobei der Medienbegriff differenziert wird. In der sys- temtheoretischen Variante (Luhmann 1988) sind Medien „symbolisch generalisierte Kommunikati- onsmedien“, über die die Systemsteuerung ope- riert wird. Bei Herbert Marshall McLuhan (1995) bestimmen Medien, die Träger der menschlichen Kommunikation insgesamt sind, die jeweilige his- torische Gesellschaftsformation. Kommunikati- ons- und publizistikwissenschaftlich werden Me- dien präziser eingegrenzt und unter dem Gesichtspunkt der Ermöglichung von Kommuni- kation betrachtet. Medientheoretisch wird Eigen- logik, materiell-technische Gestalt und gesell- schaftliche Organisation und Institution der Medien in den Mittelpunkt der Analyse gestellt. Im Konzept der Kommunikations- und Medienwis- senschaften (Stöber 2008) werden die beiden „Teilfä- cher“ unter dem Gesichtspunkt der „menschlichen Kommunikation und des sozialen Medienge- brauchs“ zusammengefasst (10). Als Grundbegriffe für das gemeinsame Feld der Teilfächer gelten Bot- schaft , die als Information oder Kommunikat in Er- scheinung tritt, und die Struktur von Sender und Empfänger , Sprecher und Hörer , Kommunikator und Rezipient u. a. Das Spezifische der menschlichen Kommunikation ist der Austausch von Bedeutun- gen, die symbolisiert von den Medien „getragen“ werden. Öffentlichkeit ist in diesem Kontext ein Forum, „auf dem Kommunikation stattfindet und Medien benutzt werden“ (Stöber 2008, 11). Die Publizistikwissenschaft wird historisch in der Zeitungswissenschaft verortet, die sich mit dem Entstehen weiterer Massenmedien entsprechend ausgeweitet hat. Zwar wird die PW kommunika- tionstheoretisch fundiert, aber ihr Zentrum bleibt die Publizistik als „das öffentliche Miteinander- in-Beziehung-Treten von Menschen mittels origi- närer Kommunikationsformen und / oder tech- nischerMedien zurHerstellung vonVerständigung über Aktuelles in Zeit und Gesellschaft“ (Pürer 1993, 19). Die Dynamik und Ausweitung der Zeitungswis- senschaft hin zu einer Wissenschaft der öffent- lichen Kommunikation, mit der sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts zunehmend die Sozialwissen- schaften befassen, hat auch zur Ausweitung des Be- griffs geführt. Die Publizistik- und Kommunikati- onswissenschaft wird als „transdisziplinäres Fach“ verstanden, das den Gesamtgegenstand der „öffent- lichen Kommunikation“ nur noch als „Integrati- onswissenschaft“ begreifen kann mit einer hohen Ausdifferenzierung der Untersuchungsgegen- stände, -ebenen und -methoden (Bonfadelli / Jarren 2001). Otto/Thiersch (Hg.), Handbuch Soziale Arbeit, 5.A., DOI 10.2378/ot4a.art103, © 2011, 2015 by Ernst Reinhardt, GmbH&Co KG, Verlag, München

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