Handbuch 5. Auflage

1148 Grunwald  (mehr) die Erarbeitung oder Aufrechterhaltung ei- ner permanenten und stabilen Ordnung, sondern die bewusste Gestaltung organisationalen Wandels. Dementsprechend sind Einrichtungen der Sozialen Arbeit nicht als statische, sondern – im Sinne eines Entwicklungsorientierten Managements (Grun- wald 2010) – als prozessorientierte Gebilde zu ver- stehen, die fähig sind, Verhaltensmöglichkeiten aufzubauen und bereit zu halten für zukünftige, noch nicht vorhersagbare und damit unbestimm- bare Entwicklungen in der Umwelt und in der eigenen Organisation. Der „Ausgangspunkt der Organisationsgestaltung“ im Konzept des Entwick- lungsorientierten Managements ist „der durch wachsende Umweltkomplexität sprunghaft stei- gende Bedarf an Systementwicklung zur Sicherung der Problemlösungsfähigkeit von Organisationen“ (Klimecki 2004, 919). Diesem Bedarf muss auch das Management sozialwirtschaftlicher Unterneh- men gerecht werden, ohne die Grenzen eines ge- steuerten Organisationswandels zu übersehen (Ro- senstiel /Comelli 2003; Wöhrle 2002). Ausblick Organisationsgestaltung in der Sozialen Arbeit darf sich nicht mit sozialtechnologischen Ansätzen der Organisationslehre zufrieden geben, sondern muss zentrale Erkenntnisse der neueren Organisations- soziologie und -psychologie und auf ihnen auf- bauend die genannten Grundfragen des Organisie- rens realisieren (Grunwald 2006; 2008a). Nur eine differenzierte Sicht auf den Gegenstand „Organisa- tion“ ermöglicht die Berücksichtigung der Kom- plexität, die sozialwirtschaftliche Organisationen und ihr Umfeld prägt. Schnelle und einfache Ana- lyse- und Gestaltungszugänge, die häufig einem schlichten Steuerungsverständnis folgen, werden der Komplexität des Feldes, des Bedarfs der Klien- tInnen und der Dienste und Einrichtungen der Sozialen Arbeit nicht gerecht. Entscheidend ist hier, die Reflexion über Organisa- tionen und ihre Verfasstheit sowie die Optionen und Grenzen der Organisationsgestaltung nicht abzukoppeln von fachlichen Fragen der Sozialen Arbeit und ihren Implikationen in Bezug auf die Leitung sozialer Einrichtungen, wie sie in unter- schiedlichsten theoretischen Konzepten entworfen wurden (beispielsweise imKonzept der Lebenswelt­ orientierten Sozialen Arbeit, Grunwald /Thiersch 2008). Die Fachlichkeit der konkreten sozialpäd­ agogischen Arbeit sowie ihre rechtliche Fundierung sind neben ökonomischen Fragen wichtige Be­ zugsgrößen, die im Rahmen von Organisations­ gestaltung und Personalführung in und von so­ zialwirtschaftlichen Unternehmen sowohl auf konzeptioneller als auch auf praxisbezogener Ebene zu berücksichtigen sind (Grunwald / Steinbacher 2007, 49 ff.; → Grunwald, Sozialwirtschaft). Organisationsgestaltung in und von Diensten und Einrichtungen der Sozialen Arbeit bedarf grund- sätzlich einer kontinuierlichen Ausbalancierung zwischen Prozess- und Ergebnisorientierung sowie einer Ausgewogenheit zwischen Person-, Kultur-, Strategie- und Strukturorientierung im Prozess des Organisierens. Zunehmend wichtiger und differenziert diskutiert im „Spannungsfeld von Wirtschafts- und Unternehmensethik“ werden überdies Fragen der Ethik in Organisationen (Streck 2006; Blickle 2004). Anzustreben ist da- mit – gerade unter Berücksichtigung organisati- onstheoretischer Erkenntnisse – ein dezidiert sozi- alwissenschaftliches Verständnis von Organisation und Organisationsgestaltung in sozialwirtschaftli- chen Unternehmen, das Fach- und Organisations- fragen angemessen berücksichtigt. Literatur Bachert, R. (Hrsg.) (2006): Corporate Governance in Non- profit-Unternehmen. WRS, München Baecker, D. (1994): Postheroisches Management. Ein Vade- mecum. Merve, Berlin Balog, A. (2008): Organisationsbegriff und Organisations- theorien. In: Balog, A., Schülein, J.A. (Hrsg.): Soziologie, eine multiparadigmatische Wissenschaft. Erkenntnisnot- wendigkeit oder Übergangsstadium? VS, Wiesbaden, 263–290 Bea, F.X., Göbel, E. (2006): Organisation. 3., neu bearbeitete Aufl. Lucius&Lucius, Stuttgart Benz, A. (Hrsg.) (2004a): Governance – Regieren in kom- plexen Regelsystemen. Eine Einführung. VS, Wiesba- den

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