Handbuch 5. Auflage
1176 Schnurr sche Zustände und Verfahren der Macht verteilung in einer Stufenleiter an. Am bekanntesten ist Arn- steins „ladder of citizen participation“, die aus acht Stufen besteht, die in drei Gruppen zusammenge- fasst sind (Arnstein 1969, 217, 222, übersetzt): I. Nicht- Beteiligung: 1. Manipulation, 2. Therapie II. Stufen der Schein-Beteiligung: 3. Information, 4. Konsultationen / Beratung /Anhörung, 5. Beschwichtigung III: Stufen einer Verortung der Macht bei den Bürgern („Citizen power“): 6. Partnerschaft (Beteiligung in Aushandlungssys- temen), 7. Übertragung von Macht an die Bürger (Bürger besitzen selektive Entscheidungskompetenzen für bestimmte Planungsabschnitte / Programme), 8. Kontrolle durch Bürger Hart (1997) hat zur Unterscheidung von Formen der Beteiligung von Kindern ebenfalls ein Stufen- modell vorgeschlagen, das verschiedentlich adap- tiert wurde. Es unterscheidet zwischen Fremdbestimmung 1. Dekoration 2. Alibi-Teilnahme 3. zugewiesen, aber informiert 4. konsultiert und informiert 5. von Erwachsenen initiiert und Entscheidungen mit 6. Kindern geteilt von Kindern initiiert und durchgeführt 7. von Kindern initiiert und Entscheidungen mit Er- 8. wachsenen geteilt (Stange et al. 2008; Fatke 2007; Schröder 1995, 29). Mit Blick auf die Struktur von Machtverhältnissen und Kontrollrechten in Entscheidungssituationen der Sozialen Arbeit haben Blandow et al. (1999:58) ein weiteres Stufenmodell entwickelt. Es besteht aus sieben Konstellationen zweier Parteien in einer Entscheidungssituation. Ihre relative Entschei- dungsmacht wird u. a. durch Anhörungspflichten und Vetorechte modelliert: A entscheidet autonom (ohne weitere Verpflich- 1. tungen gegenüber B) A entscheidet autonom, hat aber eine Anhörungs- 2. pflicht gegenüber B A entscheidet, B hat ein Vetorecht 3. A und B müssen der Entscheidung zustimmen 4. B entscheidet, A hat ein Vetorecht 5. B entscheidet autonom, hat aber eine Anhörungs- 6. verpflichtung gegenüber A B entscheidet autonom (ohne weitere Verpflichtun- 7. gen gegenüber A) Unter den Begriff Partizipation fassen die Autoren jene Formen der Verteilung von Mitwirkungsrech- ten, die zwischen den Stufen (2) und (6) angesie- delt sind. Für eine kritische Analyse von Methoden und Verfahren der (Nutzer-)Partizipation und ihrer Anwendung in Praxissituationen können solche Stufenmodelle einen wichtigen Beitrag leisten, dies um so mehr, als sie die Aufmerksamkeit auf die oft subtilen Machtbeziehungen öffnen, die zweifellos auch in jenen Situationen präsent bleiben, in denen Partizipation praktiziert wird (Herrmann 1995, 145 ff.; Kessl 2006). Formen von Partizipation sind unterschieden worden „nach der Art der Betei- ligung (direkt – indirekt)“ und „nach der Frage, ob die jeweilige Beteiligungsform verfaßt ist, oder nicht“ (Buse /Nelles 1975, 81, H. i.O.). Auf der Basis dieser Ordnungskriterien sind folgende Grundformen unterschieden werden: (1) Verfasste und indirekte Formen, (2) Verfasste und direkte Formen, (3) Nicht-verfasste und direkte Formen, (4) Nicht-verfasste und indirekte Formen (mit Be- zug auf Sozialplanung Hofmann et al. 1986, 1157; auf Kinder- und Jugendhilfe BMFSFJ 2002, 198). Mit Blick auf die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in den Institutionen und Organisa- tionen des politischen Systems und des Bildungs- und Sozialsystems unterscheiden Stange et al. (2008) folgende Modelle der Beteiligung: Offene Formen (Foren und Versammlungen) 1. Repräsentative Formen (Kinder- und Jugendvertre- 2. tungen) Projektorientierte Formen 3. Beteiligung an Institutionen der Erwachsenenwelt 4. und Punktuelle Beteiligung, sowie das Wahlrecht 5. (Stange /Tiemann 1999).
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