Handbuch 5. Auflage
Planung und Planungstheorie 1193 der wirtschaftlichen Seite einer Organisation sind z.B. Instrumente des Controllings zuständig. Con- trolling meint ein Steuerungs- und Koordinations- konzept zur Unterstützung der Leitung einer Orga- nisation bei der zielorientierten Planung und Umsetzung ihrer Aktivitäten. Hierzu werden Steue- rungsinstrumente konzipiert, Daten gesammelt und analysiert, um Entscheidungsprozesse der Leitung zu unterstützen (z.B. Weber / Schäffer 2008). Auf der ■ ■ individuellen Handlungsebene geht es um die systematische Erfassung des Hilfebe- darfs im Einzelfall und die Entwicklung hierauf be- zogener Ziele und Handlungsstrategien im Sinne einer Hilfeplanung . Ähnlich wie bei der Jugendhil- feplanung hat auch hier das KJHG einen wesentli- chen Impuls zur Entwicklung des Planungshan- delns auf der individuellen Ebene gesetzt. In § 36 SGB VIII wurde eine gesetzliche Grundlage ge- schaffen, in der der öffentliche Träger verpflichtet wird, im Rahmen der Gewährung von Hilfen zur Er- ziehung einen Hilfeplan mit den Hilfe-AdressatIn- nen zu erstellen. Dieser dokumentiert den Hilfebe- darf, die notwendigen Schritte zur Durchführung der Hilfe, die Erwartungen der Beteiligten, formu- liert zeitliche Perspektiven der Hilfe und regelt Mo- dalitäten bei der Überprüfung, ob die Hilfe weiter- hin geeignet und notwendig ist (v. Spiegel 2004, 179 ff. ). Das im KJHG formulierte Modell der ein- zelfallbezogenen Hilfeplanung wird mittlerweile auch bei der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen (§ 58 SGB XII) oder bei der Überwin- dung besonderer sozialer Schwierigkeiten (§ 68 SGB XII), wie z.B. Obdachlosigkeit, genutzt. Sie fin- det sich auch im Fall- bzw. Case-Management, durch das Hilfebedürftige mit multiplen Belastun- gen eine geplante und auf ihre individuelle Lage zugeschnittene Unterstützung in Form eines abge- stimmten Maßnahmepakets erhalten sollen (z.B. Neuffer 2007). Diese Methode wird vor allem im Gesundheitswesen und – in umstrittener Form – bei der Betreuung und Arbeitsmarktinte- gration der ALG-II-EmpfängerInnen eingesetzt. Diese drei Ebenen des Planungshandelns in der Sozialen Arbeit stehen nicht isoliert, sondern sind über unterschiedliche Linien miteinander verfloch- ten: Erkenntnisse über Bedarf und Wirkungen in- dividueller Hilfeprozesse fließen z. B. in die Infra- strukturplanung ein, die Ausgestaltung einer lokalen Hilfe-Infrastruktur hat wiederum Einfluss auf die Möglichkeiten der Hilfeplanung im Einzel- fall. Durch Erhebungen und Bewertungen im Rahmen der Infrastrukturplanung werden Stärken, Schwächen und Weiterentwicklungsbedarf einer Hilfelandschaft erkennbar, die in den einzelnen Organisationen wiederum als Ausgangspunkte für Prozesse der Qualitäts- und Konzeptionsentwick- lung genutzt werden können. Außerdem werden im Rahmen einer Infrastrukturplanung politische Willensbildungsprozesse über die künftige Gestal- tung einer sozialen Infrastruktur angestoßen und strategische Ziele formuliert, die als Orientierungs- punkte für die Planungen einzelner Träger und Organisationen dienen können. „Planung bedeutet also auch, die drei skizzierten Planungsebenen in ihren Bezügen zu denken und die Wechselwirkun- gen strategisch zu reflektieren“ (Merchel 2005, 1367). Neben diesen drei Ebenen, auf denen Planung als eigenständige Handlungs- und Reflexionsform konzipiert wird, findet sich das Handlungsele- ment Planung auch als Bestandteil von Modellen methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit (z. B. v. Spiegel 2004). Methodisches Handeln meint kein neues Bündel von Methoden oder Techniken, sondern ein „Set aus Analyse-, Pla- nungs- und Reflexionsstrategien“ (v. Spiegel 2004, 119), die helfen sollen, komplexe Situatio- nen und Fallkonstellationen zu verstehen sowie den Prozess der Informationssammlung, Deu- tung, Zielentwicklung und Handlungsplanung zu strukturieren. So wird versucht, der notwendigen Offenheit und Flexibilität der Handlungsvollzüge in der Sozialen Arbeit gerecht zu werden, gleich- zeitig aber Beliebigkeit zu verhindern, indem eine Strukturiertheit des Handelns sowie Orientierung an fachlichen und ethischen Prinzipien gewähr- leistet wird. Im Folgenden wird lediglich auf eine Ebene der Planung in der Sozialen Arbeit ausführlich einge- gangen: die Infrastrukturplanung am Beispiel der Jugendhilfeplanung. In anderen Beiträgen dieses Buches werden sowohl Aspekte der individuellen Hilfeplanung (Care- und Case-Management; Hil- fen zur Erziehung) als auch der organisationsbezo- genen Planung (OrganisationsbezogeneMethoden; Organisation und Organisationsentwicklung; So- zialmanagement) aufgegriffen und vertieft.
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