Handbuch 5. Auflage
1198 Herrmann al. 1998, 615) und wie verbindlich sich diese Gre- mien an ihre Beschlüsse gebunden fühlen. Finanzkraft der öffentlichen Haushalte: ■ ■ Eine wei- tere Grenze für die Umsetzung von Planungsergeb- nissen bildet die Finanzkraft des jeweiligen öffent- lichen Trägers. Allerdings ist zu beachten, dass es hier auch um politische Verteilungsfragen geht (also z.B. wie viel der Jugendhilfe im Vergleich zu ande- ren Ressorts zugestanden wird). Zudem zeigen Un- tersuchungen, dass eine vermeintliche Finanz- knappheit von EntscheidungsträgerInnen auch als Alibi benutzt werden kann, „wenn es darum geht, unerwünschte, den eigenen professionellen Interes- sen zuwiderlaufende oder die eigenen Handlungs- domänen bedrohende Planungsvorhaben abzu wehren“ (Floerecke 1990, 204). Machtverhältnisse, Interessen und Interessenge■ ■ gensätze im planerischen Feld: „In der Praxis ist zu beobachten, dass bei heiklen oder kontroversen Planungsergebnissen, die grundlegendere Ver- änderungen vor Ort fordern, manchmal der Status Quo im gemeinsamen Konsens zwischen Politik, öffentlicher Verwaltung und Trägern wider bes- seren fachlichenWissens nicht angetastet wird, um unliebsame Querelen zu vermeiden und momen- tane ‚Besitzstände‘ nicht zu gefährden.“ (Gläss / Herrmann 1994, 164) Widerstände in Organisationen gegen Verände- ■ ■ rung: Ein Kennzeichen von Organisationen ist ihr strukturelles Beharrungsvermögen (Türk 1989), das Innovation und Veränderung nur unter be- stimmten Bedingungen möglich macht. Denn jede Veränderung bedeutet eine mehr oder weniger große Störung der eingespielten Handlungsabläufe und der Handlungsspielräume der davon betroffe- nen Organisationsmitglieder. Veränderungen ge- gen den Willen der Betroffenen durchsetzen zu wollen, heißt auch, eine Fülle offener oder ver- deckter Widerstände zu mobilisieren, die Innova tionsprozesse zumindest gefährden. Hohe Anforderungen an Planungsfachkräfte Jugendhilfeplanung zeigt sich so in ihrer Konzipie- rung, Realisierung und Ergebnisumsetzung als komplexe, mit vielen Unsicherheiten behaftete, „strategische Balancearbeit“ (Herrmann 1998, 153). Für diese Balancearbeit brauchen Planungs- fachkräfte eigentlich eine starke und stabile Posi- tion in den Kommunalverwaltungen, die in der Realität nur selten gegeben ist. Vielmehr zeigt die Praxis, dass PlanerInnen häufig auf strukturell unsicheren Positionen agieren: ■ ■ Pla- nung soll institutionelle Routinen irritieren, ist aber von anderen Organisationen oder Abteilungen ab- hängig bzw. auf deren Kooperationsbereitschaft angewiesen; PlanerInnen brauchen dringend Frei- räume für eigenständiges Handeln im Sinne der Balancearbeit, sind aber häufig nur ZuarbeiterIn- nen für Leitungspersonen. über zu geringe Personalressourcen verfügen: ■ ■ Die DJI-Untersuchung belegt, dass Personal, das nur mit Planungsaufgaben betraut ist, nur in etwas über der Hälfte der Jugendämter zur Verfügung steht. 59% der Jugendämter gehen davon aus, dass das vorhandene Personal nicht ausreicht, um die Aufgaben von Jugendhilfeplanung zu erfüllen (Pluto et al. 2007, 373). Darüber hinaus wird eine „allmähliche, aber deut- lich zutage tretende Komplexitätserweiterung im Hinblick an die Anforderungen an Jugendhilfepla- nung“ (Merchel 2006, 200) erkennbar, die sich z. B. an immer stärkeren Verbindungen zwischen Jugendhilfe und Bildungsbereich zeigt (z. B. in der Diskussion um Kommunale Bildungslandschaften; Deutscher Verein 2007) bis zu Forderungen nach einer integrierten Jugendhilfe- und Schulentwick- lungsplanung (§7 Abs. 3 des Kinder- und Jugend- förderungsgesetzes in Nordrhein-Westfalen). Wei- tere Aspekte der zunehmenden Komplexität werden auch in den folgenden Entwicklungstrends sicht- bar. Entwicklungstrends in der Jugendhilfeplanung Jugendhilfeplanung ist der zentrale Ort der Steue- rung bei der Gestaltung der kommunalen Infra- struktur der Jugendhilfe. Durch ihre Aufgaben liegt dieser Ort im Schnittpunkt unterschiedlicher Akteursgruppen und ihrer diver- ■ ■ gierenden Interessen sowie gesellschaftlicher Veränderungen und ihren Aus- ■ ■ wirkungen vor Ort (hierzu gehören so unterschied-
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