Handbuch 5. Auflage

126 Hamburger · Hirschler · G. Sander · Wöbcke  In Frankreich ist die Ausbildung für Soziale Berufe nur selten im Hochschulbereich angesiedelt, größ- tenteils wird die Ausbildung für Sozialarbeiter an rund 50 kleineren staatlichen oder staatlich an- erkannten Fachschulen durchgeführt. Die Ausbil- dung schließt mit einem staatlichen Diplom ab. An einigen Universitäten kann Sozialarbeit grundstän- dig, als Aufbaustudiengang oder akademische Zu- satzqualifikation und mit unterschiedlichen Spezia- lisierungsmöglichkeiten und Abschlüssen studiert werden. Über die Umsetzung der BA/MA-Struktur liegen keine Informationen vor. In der Schweiz wurde der Schritt der Umsetzung der Bologna-Erklärung bereitwillig und freiwillig in einem Top-down-Entscheid vollzogen und um- gesetzt. Die hohe Akzeptanz liegt u. a. darin be- gründet, dass die Entwicklung des Bologna-Pro- zesses parallel zum Prozess der Modernisierung der Universitäten verläuft und dass die Umstellung zum Bachelor keine Änderung der Studienzeit be- dingt. Gegenwärtig findet die Ausbildung für so- ziale Berufe an zahlreichen Fachschulen, Hoch- schulen für Sozialarbeit und Fachhochschulen statt. In Österreich wurden die staatlichen Akademien für Sozialarbeit seit 2001 in neun Fachhochschulen für Sozialarbeit – alle in privater Trägerschaft – umge- wandelt; universitäre Studiengänge existieren in- nerhalb der Erziehungswissenschaft in Graz und Klagenfurt. Für Liechtenstein ist zu bemerken, dass das Land aufgrund seiner Größe keine eigenständige Aus- bildung für Soziale Berufe anbietet, sondern auf entsprechende Ausbildungsstätten im Ausland an- gewiesen ist. Für Monaco ist festzuhalten, dass hinsichtlich des Bildungssystems Parallelen zum Nachbarn Frank- reich existieren, hinsichtlich der beruflichen Aus- bildung Monaco zwar über eine eigene Ausbil- dungsstruktur verfügt, in der jedoch die Ausbildung Sozialer Berufe nicht schwerpunktmäßig verankert ist. Ost-, Mittelost- und Südosteuropa Akademische Ausbildung für Soziale Arbeit und Sozialpädagogik in Polen hat seit 1907 eine lange Tradition, die auch in der sozialistischen Periode weiter existierte. Ab 1991 wurde die Ausbildung an Berufsschulen, Fachhochschulen und Universitä- ten neu strukturiert und an den Hochschulen als Teildisziplin in den Fächern Soziologie, Pädagogik und Politologie installiert. Stark expandiert haben in den letzten Jahren private, auf Profit ausgerich- tete Akademien. Der Bedarf an Sozialarbeitern ist in Tschechien an- steigend, aufgrund fehlender legislativer Regelun- gen hinsichtlich ihrer Stellung sowie aufgrund des Fehlens einer Festlegung der grundsätzlichen Qualifizierungsausbildung herrscht jedoch ein eklatanter Mangel an ausgebildeten Sozialarbei- tern; durch neue Gesetze soll dieser Mangel jetzt behoben werden. In der Slowakei wurde nach der Wende die erste Professur für Sozialarbeit 1990 an der Pädagogi­ schen Fakultät der Universität Bratislava einge- richtet, auch an drei weiteren Universitäten werden Sozialarbeiter ausgebildet. Studienabschluss ist der Magister oder die Promotion (PhD). Daneben existieren zweijährige Ausbildungsprogramme an Fachhochschulen für Sozialarbeit und diversen pri- vaten Schulen. Für Slowenien ist zu konstatieren, dass die Reform der Studiengänge im Zuge von Bologna genutzt wurde, um den Anteil des Praktikums von vier auf bis zu 15% zu heben. Die Ausbildung in Kroatien unterscheidet sich von anderen osteuropäischen Ländern dadurch, dass vor dem Hintergrund des „Dritten Weges“ Jugo- slawiens diese auch im Sozialismus an Höheren Schulen und Universitäten weiter betrieben wurde. Seit 1993 gibt es fünf Lehrstühle für Sozialarbeit an der Universität Zagreb. Das Studium wird mit dem Magister oder der Promotion abgeschlossen. In Bosnien-Herzegowina können Bachelor- und Masterabschlüsse erworben werden. Dort stehen die verschiedenen zu bewältigenden praktischen Zugänge zur Sozialen Arbeit mit diversen Ziel- gruppen, wie beispielsweise Kriegsheimkehrer und Armut, im Mittelpunkt der Diskussion. Die Ausbildung für Sozialarbeit in Serbien (zum Zeitpunkt der Erstellung des Länderberichts noch Republik „Serbien undMontenegro“) konnte darauf aufbauen, dass in Jugoslawien bereits in den 1950er Jahren mit einer qualifizierten und an westlichen Konzepten orientierten Ausbildung begonnen wor- den ist. Die ersten universitären Studiengänge wur- den ab 1974 eingerichtet, gegenwärtig wird vor al- lem die internationale Kooperation ausgebaut.

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