Handbuch 5. Auflage

Qualität 1281 Zusammenfassend lässt sich zu den zahlreichen sozialrechtlichen Regelungen über Qualität in den sozialen und medizinischen Diensten feststellen: Qualitätsproduktion im sozialen Dienstleistungs- sektor ist ein vom Kostenträger gesteuerter Prozess, der dazu führt, dass größere Träger (Sozialbetriebe) sich über Zertifizierungsverfahren Leistungsfähig- keit bescheinigen lassen. Durch Zertifizierungsver- fahren wird gewöhnlich sichergestellt, dass Sozial- betriebe auch die Kundenperspektive in ihre Qualitätspolitik internalisieren, da die Evaluation der Leistungserbringung zwingend vorgeschrieben ist. Im Leistungsbereich des SGB III führen die gesetzlichen Vorgaben aber dazu, dass angesichts der strikten Vorgaben nur noch große und leis- tungsstarke Träger als Leistungserbringer infrage kommen und kleinere Leistungserbringer – das lässt sich empirisch beobachten – sich entweder zu Bieterkonsortien zusammenschließen oder sich vom Markt zurückziehen müssen. In Leistungs- bereichen wie der Sozial- und Jugendhilfe, in der traditionell auch eine Vielzahl kleinerer, regional verankerter Träger tätig sind, fallen die Qualitäts- vorgaben und die Qualitätsprüfungen seitens des Kostenträgers weicher aus, so dass in diesen Ar- beitsbereichen nicht ausschließlich Zertifizierungs- verfahren zur Anwendung kommen, sondern auch andere (weichere) Techniken des Qualitätsmanage- ments seitens der Leistungserbringer eingesetzt werden (Merchel 2000; 2004). Expertenzentrierte Verfahren der Qualitätssicherung sind im deut- schen Sozialrecht aber immer noch präsent, da Qualitätsverfahren zwar diskursiv, aber primär durch die Leistungsträger und Leistungserbringer ausgehandelt werden. Die Verankerung von evi- denzbasierten Ansätzen der Qualitätssteuerung in der Medizin stellt sogar eine Renaissance experto- kratischer Qualitätsansätze dar, die ihren Schatten auch schon in der Sozialen Arbeit werfen (Hütte- mann 2006). Die Technologie des Qualitätsmanagements Avedis Donabedian veröffentlichte 1966 seine auf dem amerikanischen Gesundheitswesen basieren- den Überlegungen zur Umsetzung von Qualität in der Sozialen Arbeit. Er definierte Qualität inner- halb des Gesundheitswesens als: „Grad der Über- einstimmung zwischen den Zeilen des Gesund- heitswesens und der wirklich geleisteten Versorgung.“ Zur Differenzierung des Qualitäts- begriffes entwickelte Donabedian die drei Katego- rien: Structure (Struktur- bzw. Potenzial), Process (Prozess- bzw. Durchführung) und Outcome (Er- gebnis bzw. Produkt). Die drei von diesen Begrif- fen beschriebenen Qualitätsdimensionen (Oppen 1995, 36) findet man seitdem in den meisten Qualitätsmanagementsystemen wieder. Nach Do- nabedian bezieht sich Strukturqualität auf die sachlichen (z. B. bauliche und technische Ausstat- tung), organisatorischen (Arbeitskonzepte) und personellen (Personalbestand, Aus- und Weiter- bildungsstand des Personals) Rahmenbedingun- gen einer Organisation. Prozessqualität bezieht sich auf die Art und Weise wie Leistungen erbracht werden (z. B. Durchführung einer Beratung, me- dizinischen Versorgung, anliegenorientierte Fall- arbeit, Interaktionsmuster zwischen Leistungser- bringer und Klient, Transparenz von Verfahren und Handlungsweisen). Ergebnisqualität wird an- hand des feststellbaren Ausmaßes von Verände- rungen bei Patienten oder Klienten gemessen (und umfasst Sachverhalte wie: Richtigkeit, Rechtmä- ßigkeit und Vollständigkeit der Leistung, Nach- vollziehbarkeit und Kontrollmöglichkeit der Leis- tung, Schnelligkeit der Erledigung, Datenschutz und Vernetzung des Leistungsangebotes). Über die seit den 1980er Jahren intensiv geführte und politisierte Qualitätsdiskussion wurde der Ansatz nach Donabedian inzwischen in alle Bereiche der Sozialen Arbeit adaptiert. Hauptschwierigkeit dabei war, dass Donabedian davon ausgeht, dass zwischen den drei Kategorien immer ein kausaler Zusammenhang besteht. Dies würde bedeuten, verbessert man die strukturelle Qualität bzw. Rahmenbedingungen, so verbessert sich automatisch auch das Ergebnis. Dies würde im Rahmen der Sozialen Beratung bedeuten, dass die Beratung durch den Sozialarbeiter automatisch umso besser wird, je besser er mit materiellen Res- sourcen ausgestattet ist. Gelegentlich werden die drei Kategorien Donabedians in der Sozialen Ar- beit auch noch durch eine vierte Dimension er- gänzt, die Konzeptqualität . Konzepte beschreiben gewöhnlich die Ziele und die Mittel zur Zielerrei- chung und fungieren in sozialen Einrichtungen häufig als Leitbild, in dem Fragen wie: Was, Wozu, Für wen, Wie und Womit geklärt werden. Um

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