Handbuch 5. Auflage
1306 Micheel halten. Je nachdem wie, das heißt, auf welchem Messniveau soziale Sachverhalte gemessen werden, können mathematische und statistische Verfahren in der Datenanalyse angewandt werden. In der empirischen Sozialforschung werden Variablen an- hand der drei verschiedenen Messniveaus nominal, ordinal und metrisch soziale Sachverhalte erhoben. Nominale Variablen (sog. Nominalskalen) ent- sprechen dem niedrigsten Messniveau und dienen zur Klassifikation qualitativer Merkmale. Gegen- über einer Nominalskala, die nur Informationen über Gleichheit bzw. Ungleichheit von Merkmals- trägern enthält, ermöglicht die Ordinalskala (ordi- nale Variable) auch eine Rangordnung (z. B. größer als bzw. kleiner als) von Merkmalsträgern. Eine Ordinalskala steht bei den Messniveaus eine Stufe über der Nominalskala. Eine metrische Skala ist eine Variable, die quantitative Werte wiedergibt. Sie liegt beim Messniveau über der Nominal- und der Originalskala. Eine metrische Variable unter- teilt sich immer in gleich große Intervalle. Von der Höhe des Messniveaus ist es abhängig, welche sta- tistischen Verfahren durchgeführt werden können. Je höher das Messniveau einer Skala, umso mehr mathematische Verfahren können angewendet werden. Es ist notwendig darauf hinzuweisen, dass diese in den Sozialwissenschaften übliche Klassifizierung von Messniveaus, insbesondere unter dem Aspekt hier nicht weiter ausgeführten kritischen Anmer- kungen, mit einer gewissen Vorsicht gesehen wer- den muss; sie kann nur als grobe Orientierung ge- sehen werden (zur ausführlichen Ableitung der Messniveaus: Bortz /Döring 2006, 65 ff.; Kromrey 2006, 218 ff.; Schnell et al. 2008, 138 ff., 52 ff.; kritisch dazu Rohwer / Pötter 2002, 134; Velle- man /Wilkinson 1993; kritisch zusammenfassend Micheel 2005, 104 ff.). Erhebungsmethoden und -design Gleichzeitig, d. h. wechselseitig abhängig von den Operationalisierungen, müssen die Erhebungs- methoden festgelegt werden, also ob z. B. standar- disierte Befragungen oder Beobachtungen oder die Erhebung prozessproduzierter Daten, d. h. Daten, die im Rahmen der Tätigkeit öffentlicher und pri- vater Institutionen aufgezeichnet werden (eine für die Forschung im Felde der Sozialen Arbeit beson- ders wichtige, aber bisher auch unzureichend ge- nutzte Datenquelle), durchgeführt werden sollen. Zeitgleich muss entschieden werden, ob man die Daten selber erhebt oder auf sekundär erhobene Daten zurückgreift, ob dies z. B. mit Querschnitts- oder Längsschnittanalysen gemacht werden soll: In der sozialwissenschaftlichen Forschungspraxis do- minieren Querschnittsanalysen. Querschnittsana- lysen sind aber nicht unproblematisch: In der em- pirischen Sozialforschung geht es vor allem um verallgemeinerbare Aussagen über soziale Prozesse. Soziale Prozesse lassen sich natürlich nur über die Zeit beschreiben und / oder erklären. Dazu benö- tigt man Beobachtungen über die Zeit, Aussagen mit einer Momentaufnahme auf der Zeitachse können zu erheblichen Fehlinterpretationen füh- ren. Zeit ist nicht nur ein wichtiger Aspekt um ver- allgemeinerbare Aussagen über Prozesse machen zu können, Zeit benötigt man aber auch für For- schungen, Zeit, die aus unterschiedlichen Gründen sehr oft nicht zur Verfügung steht: zum einen drängt die Zeit, weil – aus welchen vielen Gründen auch immer – Forschungsergebnisse schnell vor- liegen sollen, zum anderen kostet Zeit in der For- schung viel Personal und Aufwand, Personal und Aufwand kostet Geld: Geld, das sehr oft für Längs- schnittstudien nicht in angemessener Form zur Verfügung steht. Des Weiteren muss auch festgelegt werden, ob un- terschiedliche Untersuchungsformen miteinander verknüpft werden, wie z. B. die Verbindung von quantitativen Methoden mit ergänzenden qualita- tiven Methoden, oder auch, ob es sich z. B. um eine Evaluationsstudie handelt, für die spezielle Längs- schnittdesigns mit Kontrollgruppen notwendig sind. Erhebungseinheiten und deren Auswahl In Abhängigkeit vom Forschungsproblem stellt sich die Frage, wen oder was wir untersuchen wol- len. Es gibt bezüglich dieser Frage praktisch keine Grenzen, „wen“ oder „was“ wir untersuchen wollen (Babbie 2007, 94 ff.): In der empirischen Sozial- forschung sind die typischen Untersuchungsein- heiten vor allem einzelne Individuen, d. h. einzelne Personen. Es werden praktisch nie alle möglichen Individuen, d. h. sämtliche Bevölkerungsgruppen,
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