Handbuch 5. Auflage
1370 Sielert zu legen, ohne die sexuelle Identität nur mit Schwierigkeiten entwickelt werden kann. Als „In- terpretationsgemeinschaft“ ermöglicht sie erste Orientierungen im Umgang mit inneren und äuße- ren Einflüssen auf das sexuelle Erleben der Kinder. Insbesondere Familienbildungsstätten und Kinder- ■ ■ gärten ermöglichen sowohl den Kontakt zu den El- tern als auch eine eigenständige Arbeit mit den Kindern zu den spezifischen Themen kindlicher Se- xualität. Einrichtungen der Erziehungshilfe erreichen vor al- ■ ■ lem Jugendliche mit sexuellen Identitätskonflikten, die einer besonderen sexualpädagogischen För- derung, oft auch Resozialisation bedürfen. Die Schule bleibt – trotz aller Spielräume für ganz- ■ ■ heitliche, personale Beziehung – eine primär auf kognitives Lernen bezogene Aufklärungsinstanz und kann auf diese Weise vor allem informative und reflexive Aspekte abdecken. Außerschulische Jugendarbeit ereicht zwar nicht ■ ■ alle Jugendlichen, hat aber auf Grund der Struktur- merkmale der Freiwilligkeit, Flexibilität, Pluralität und Methodenvielfalt viele Chancen zu einer ganz- heitlichen, auch die emotionalen Bereiche mit ein- beziehenden, multisinnlichen, auch geschlechts- spezifischen Sexualerziehung. In spezifischen Projekten für Jugendliche mit Migrationshinter- grund wurden die besonderen Anforderungen ei- ner interkulturellen sexualpädagogischen Arbeit aufgezeigt. Über die Implementierung sexualerzieherischer Maßnahmen in die Regeleinrichtungen der organi- sierten Erziehung hinaus haben sich Sexualerzie- hung und pädagogische Sexualberatung zu einem eigenständigen Handlungsfeld entwickelt. Die Ausdifferenzierung der Anlässe führte zur Profes- sionalisierung spezieller Fachkräfte und zur Ein- richtung entsprechender Funktionsstellen. Im Einzelnen arbeiten SexualpädagogInnen und -be- raterInnen bei verschiedenen öffentlichen und freien Trägern in der Schwangeren- und Schwangerschaftskon- ■ ■ fliktberatung, auch zur Prävention des Schwanger- schaftskonflikts in Sexual- und Schwangerschafts- beratungsstellen, in der Beratung zu sexualitätsrelevanten Themen ■ ■ in Einrichtungen der Jugend-, Familien- und Le- bensberatung, in Projekten zur Medienerstellung, Aufklärungs- ■ ■ programmen für Peers, zur interkulturellen Sexual- pädagogik und in Anti-Diskriminierungsprogram- men zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen, zur Sexualaufklärung und Gesundheitsförderung ■ ■ bei Gesundheitsämtern und Landeszentralen für Gesundheitserziehung, in der Mädchen- und Jungen-, Frauen und Män- ■ ■ nerarbeit, in Aus- und Fortbildungseinrichtungen zur Schu- ■ ■ lung von MultiplikatorInnen. Methodisch bedient sich die Sexualerziehung zu- nächst aller Handlungsmodalitäten, die in der Er- ziehung allgemein von Bedeutung sind. Gemeint sind – je nach Zielgruppe, institutionellem Kon- text, Intention und Thema – das bewusst initiierte Modellernen, der sexualpädagogische Unterricht, die sexualpädagogische Gruppenarbeit sowie me- thodenübergreifende Projekte und Medienpro- duktionen. Angesichts der Besonderheit des Sexu- ellen und der von einzelnen Zielgruppen besonders bevorzugten Informationsquellen wurden in den letzten Jahren spezifische methodische Konzeptio- nen und Medien entwickelt. Da Jugendliche zu heiklen Themen der Sexualität ■ ■ erwiesenermaßen andere Jugendliche als Bezugs- quelle für Informationen und als Gesprächspart- nerInnen wählen, wurden Modellprojekte zur Peer- Education entwickelt und erprobt (BZgA 2001b). Die Inanspruchnahme von Beratungstelefonange- ■ ■ boten des Kinder- und Jugendschutzes oder ande- rer Träger führte zur Entwicklung von spezifisch se- xualpädagogischen Beratungskonzepten und deren Weitergabe in entsprechenden Fortbildun- gen für Telefonberater. Die Tatsache, dass Jugendliche die meisten Infor- ■ ■ mationen zu aktuellen sexuellen Themen den Ju- gendzeitschriften entnehmen, veranlasste einige Träger der Gesundheitsförderung, Konzepte der Zusammenarbeit von SexualpädagogInnen und den Redaktionen der Zeitschriften zu erproben. Um ganzheitliches wertorientiertes Lernen zu er- ■ ■ möglichen und entsprechende Diskurse in der päd- agogischen Arbeit anzuregen, entwickelten ver- schiedene Bundes- und Landesstellen audiovisuelle Medien. Für die elektronischen Medien wurde Software ■ ■ mit sexualpädagogisch intendierten Programmen
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