Handbuch 5. Auflage
1387 Sozialberichterstattung und Sozialplanung Von Andreas Markert und Silvia Wieseler In den letzten Jahren wurden zahlreiche Sozialbe- richte vorgelegt und teilweise kontrovers diskutiert. Im folgenden Beitrag werden zunächst allgemein die Entstehungshintergründe sowie grundlegende Akteure, Ansätze, Methoden und Funktionen der Sozialberichterstattung skizziert, ehe in einem zweiten Schritt die für die Soziale Arbeit besonders relevante Ebene der kommunalen Sozialbericht- erstattung näher beleuchtet wird. Entstehung und Entwicklung der Sozialberichterstattung Ihren Ausgangspunkt nahm die moderne Sozialbe- richterstattung in den USA. Der Sozialwissen- schaftler Mancur Olson entwickelte 1969 im Auf- trag der US-Regierung den Prototyp des nationalen Sozialberichtes, der unter dem Titel „Toward a So- cial Report“ veröffentlicht wurde (Departement for Health, Education and Welfare 1969). Schon dieser Sozialbericht wurde vor dem Hintergrund einer zunehmenden Entkoppelung der ökonomi- schen Entwicklung von der sozialen Wohlfahrt der Bevölkerung als durchaus kritische Ergänzung zur jährlichen Wirtschaftsberichterstattung konzipiert; eine Intention, die bis heute keineswegs an Rele- vanz verloren hat. Wenngleich die USA den Social Report nicht wie geplant regelmäßig fortführten, wurde die Idee der Sozialberichterstattung von zahlreichen Ländern aufgegriffen. So haben in den vergangenen vier Jahrzehnten die Mehrzahl der europäischen Nationen und eine Reihe internatio- naler Institutionen und Organisationen wie die OECD, die Europäische Union, die Vereinten Na- tionen und die Weltbank in unterschiedlicher Form regelmäßige und z.T. international vergleich- bare Sozialberichte oder Datenreports etabliert. Insbesondere in der Hochphase der 1970er und einer Neubelebung in den 1990er Jahren wurde die Sozialberichterstattung erfolgreichweiterentwickelt (Rothenbacher 1993; Noll / Zapf 1994; Zapf 1998; Vogel 1993). Sozialberichterstattung in Deutschland In der DDR gab es nur „wenige Publikationen, die der Sozialberichterstattung zugerechnet werden können. Die staatliche Zentralver- waltung für Statistik erhob seit den 1980er Jahren neben der routinemäßigen Statistik über die Bevölkerungsstruk- tur und -entwicklung, die Todesursachen, die Beschäftig- ten nach Wirtschaftsbereichen, die Bildung, Einrichtun- gen, Leistungen und Beschäftigte im Gesundheitswesen auch Informationen zur Zeitverwendung der Arbeiter und Angestellten, zur Entwicklung der Versorgung der Bevöl- kerung und des Lebensstandards sowie zu Haushaltsein- kommen und Ausstattung der Haushalte. Letztgenannte Daten standen nur einem sehr kleinen ausgewählten Kreis von Führungspersonen in Partei und Staat zur Ver- fügung. Ein Konzept der Sozialberichterstattung im Sinne der Erarbeitung eines umfassenden Bildes über die Le- bensqualität der Bevölkerung sowie Trends ihrer Entwick- lung liegen nicht vor.“ (Hermann 2006, 47 f.) In der BRD erarbeitete die Forschergruppe um Wolfgang Zapf 1969 das Sozialpolitische Entschei- dungs- und Indikatorensystem (SPES). Auf der Grundlage des SPES wurde unter der Federführung der „Abteilung Soziale Indikatoren“ des Zentrums für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) das System Sozialer Indikatoren für die BRD kon- tinuierlich ausgebaut und weiterentwickelt. Es um- fasst derzeit rund 400 Indikatoren und über 3.000 Zeitreihen, welche die folgenden 14 Lebensberei- che abbilden: Bevölkerung, Sozioökonomische Otto/Thiersch (Hg.), Handbuch Soziale Arbeit, 5.A., DOI 10.2378/ot4a.art129, © 2011, 2015 by Ernst Reinhardt, GmbH&Co KG, Verlag, München
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