Handbuch 5. Auflage
1388 Markert · Wieseler Gliederung und Schichteinstufung, Arbeitsmarkt und Beschäftigungsbedingungen, Einkommen und seine Verteilung, Einkommensverwendung und Versorgung, Verkehr, Wohnung, Gesundheit, Bildung, Partizipation, Umwelt, Öffentliche Si- cherheit und Kriminalität, Freizeit und Medien- nutzung sowie allgemeine Wohlfahrtsmaße. Die Datensätze sind über das Internet allgemein zu- gänglich (http://www.gesis.org/dienstleistungen/ daten/soziale-indikatoren/disi). Als nationalen So- zialbericht veröffentlicht das Statistische Bundes- amt in Kooperation mit GESIS-ZUMA und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung im Abstand von zwei Jahren den Datenreport (Sta- tistisches Bundesamt 2008; 2006). Er beschreibt zum einen die faktischen Lebensbedingungen und deren Wandel auf der Grundlage der amtlichen Statistik und wissenschaftlicher Studien. Darüber hinaus umfasst er eine Analyse und Darstellung der Wohlfahrtsentwicklung, die auch Informationen über die subjektive Wahrnehmung und Bewertung der objektiven Lebensbedingungen aus der Sicht der Bürger einschließt. Um der europäischen Inte- gration und der Internationalisierung der Sozialbe- richterstattung Rechnung zu tragen, wurden in- ternational vergleichende Analysen ergänzt. Der Ansatz des eigens entwickelten Europäischen Sys- tems Sozialer Indikatoren schließt die 27 EU-Nationen, die Schweiz und Norwegen sowie als Referenzgesellschaften die USA und Japan ein (http://www.gesis.org/dienstleistungen/daten/so- ziale-indikatoren/eusi). Für Deutschland sind als weitere wichtige Ansätze der Sozialberichterstattung u.a. das ebenfalls als Dauerbeobachtung angelegte Sozioökonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirt- schaftsforschung (DIW 2008; Burkhauser et al. 1997), ausgewählte Datenreihen des statistischen Bundesamtes (u.a. die Einkommens- und Ver- mögensstichprobe, Sozialhilfestatstik) sowie Be- richte verschiedener Akteure zu spezifischen Lebens- bereichenwie z.B. Armutsberichte (Bundesregierung 2008; 2005; 2001; Hanesch et al. 2000; 1994; Hau- ser/Hübinger 1993), Gesundheitsberichte (Bundes- ministerium für Gesundheit (BMG) 2006; Statisti- sches Bundesamt 1998; Brückner 1997) und Familienberichte (Bundesministerium für Familie und Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 2006; Leu 1997) oder Berichte zur Situation von Teilpo- pulationen wie u.a. von Kindern und Jugendlichen (BMFSFJ 2005a; 2002a; Nauck 1997), Frauen und Männern (Cornelißen 2005; BMFSFJ 1998; Kra- mer 1997), älteren Menschen (BMFSFJ 2005b, 2002b, 2000a; Arbeiterwohlfahrt 1999; Nieder- franke 1997), Migranten (BMFSFJ 2000b, 1999; Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration 2007, 2005) oder Be- hinderten (Bundesregierung 2008; 2004) zu nen- nen. Neben der Berichterstattung durch Bund und Län- der sowie wissenschaftliche Einrichtungen engagie- ren sich auch die Wohlfahrtsverbände wie die Ar- beiterwohlfahrt, der Paritätische, der Deutsche Caritasverband und das Diakonische Werk sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund in unterschiedli- chen Feldern der Sozialberichterstattung (Hanesch et al. 2000; 1994; Hauser /Hübinger 1993; Arbei- terwohlfahrt 1999). In Teilen ist dieses Engagement als Reaktion auf die Berichterstattung des Bundes und der Länder zu werten. Insbesondere der Armuts- und Reich- tumsbericht (Bundesregierung 2008; 2005; 2001), den die Bundesregierung 1998 institutionalisierte und dem starke öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird, wird häufig kontrovers diskutiert. Die Kritik reicht von theoretisch-konzeptionellen Defiziten über Mängel der Datengrundlage bis zum Vorwurf einer unzureichend neutralen und daher „beschö- nigenden“ Berichterstattung zugunsten der eigenen politischen Programme und zur Begrenzung des politischen Handlungsdrucks. Insbesondere mit Blick auf die idealtypischen Aufgaben und Zielset- zungen der Sozialberichterstattung werden die be- stehenden Ansätze nach wie vor als unbefriedigend bewertet (Hanesch 2007). Funktionen und Zielsetzungen der Sozialberichterstattung Nach Noll (1997, 7) besteht eine zentrale Funk- tion der Sozialberichterstattung darin, „Zustand und Veränderungen der Lebensbedingungen und der Lebensqualität der Bevölkerung auf einer adä- quaten empirischen Datenbasis im Sinne eines re- gelmäßigen und umfassenden gesellschaftlichen ‚monitoring‘ zu messen, zu beschreiben und zu analysieren“. Noll (1999) unterscheidet dabei die Funktionen der Dauerbeobachtung des sozialen Wandels und der Wohlfahrtsmessung. Im Rahmen
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